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EU-Förderprojekte
Halbzeitstand beim Projekt „Ort schafft“

Projektbegleiter Sebastian Krüger.
Projektbegleiter Sebastian Krüger. FOTO: Christian K“hler
Weißwasser. Am 20. November werten externe Fachleuten und die Akteure das bisherige Geschehen aus. Die Macher diskutieren am 21. November mit interessierten Weißwasseranern über die einzelnen Vorhaben.

In Weißwasser sind in den vergangenen Jahren so manche Projekte an den Start gelangt, die alle ein Ziel verfolgen: Aus der Mitte heraus neue Ideen entwickeln und in die Tat umsetzen, Weißwasser  mit jungem Schwung voranzubringen.

Das Projekt heißt „Kleinstadt gestalten“, das in Weißwasser besser unter dem Titel „Ort schafft“ bekannt ist, und läuft seit knapp anderthalb Jahren. Begleitet wird es von Sebastian Krüger und Gregor Schneider. Letzterer zieht folgenden Vergleich, wenn er auf den bisherigen Verlauf blickt: „Im Sport würde man von einer eher unauffälligen ersten Halbzeit berichten.“ Am 20. und 21. November finden sich Akteure, externe Fachleute und Dienstag hoffentlich viele interessierte Weißwasseraner zusammen, um den bisherigen Verlauf unter die Lupe zu nehmen und zu gucken, ob etwas geändert werden sollte. Es ist sozusagen eine kleine Halbzeitpause, die zum Nachdenken und Reflektieren genutzt wird.  

Gestartet ist das Projekt im Sommer 2016 als Teil der Bundesinitiative „Kommunen Innovativ“ mit einer Laufzeit von drei Jahren. In einer Summer-School im September 2016 wuchsen konkrete Ideen für Projekte, die aus Bedürfnissen von jungen Weißwasseranern hervorgegangen waren, berichtet Gregor Schneider. „Das wohl bekannteste davon ist ,Aktion Weißwasser’, eine Initiative für eine saubere, gestaltbare Stadt“, nimmt Gregor Schneider an. Der jüngste Einsatz ist sicherlich noch vielen in Erinnerung – mit den Regisseuren Robert Ehrmann und Paul Vogel sowie anderen fleißigen Helfern wurden um die 200 Bodenindikatoren in Weißwasser vom Dreck befreit, damit sich Blinde und Sehschwache wieder besser an dieser Hilfe orientieren können. Die RUNDSCHAU berichtete davon.

Alle Projekte haben eine Gemeinsamkeit, macht Gregor Schneider deutlich: Die Initiatoren und Macher sind ehrenamtlich tätig, setzen sich also neben Beruf und Privatleben für die Umsetzung ihrer Ideen ein, die samt und sonders gemeinnützig sind, also einen Mehrwert für die Stadtgesellschaft bringen. Das sei auch ein wünschenswerter Effekt, der dem Förderprojekt zugrunde liegt. Denn eines der Ziele ist, aus dem Bedarf der Einwohner heraus Ideen auf den Weg zu bringen und sie umzusetzen. Das Motto „Leute machen Kleinstadt“ trifft den Kern.

Das Projektteam um Gregor Schneider und Sebastian Krüger unterstützt die Ehrenamtler auf diesem Weg und beobachtet gleichzeitig, wo und weshalb Hürden auftreten, warum unterschiedliche Dynamiken entstehen und welche Anreize helfen oder noch fehlen. Das ist wiederum ein wesentlicher Grund dafür, dass das Förderprojekt in der Regel keine lauten Töne von sich gibt, so Schneider und betont: „Im Hintergrund ist das Team in jedem Falle rege und aktiv und sammelt fleißig Informationen, welche Randbedingungen für ehrenamtliche Kleinstadtgestalter förderlich sind und welche nicht.“

Am kommenden Montag und Dienstag wird nun die Halbzeitkonferenz des Förderprojektes in Weißwasser stattfinden. Dabei wird der Verbund, bestehend aus Stadtverwaltung Weißwasser, Stadtverein Weißwasser und Forschungsinstitut ILS aus Dortmund beide Vormittage nutzen, um zu analysieren und die Strategie für die zweite Runde festzulegen. Am Montagnachmittag stehen die Projektmacher und eingeladene Interessierte im Mittelpunkt. Wie Gregor Schneider ankündigt, erhalten diese hilfreiche Informationen aus der Praxis zu Themen und Fragestellungen, vor denen sie in ihren eigenen Projekten stehen. „Diese Art von unterstützendem Wissenstransfer ist ebenfalls wichtiger Bestandteil des Förderprojektes“, so Gregor Schneider.

Am Dienstag wird die Runde um Akteure aus Weißwasser und externe Fachleute erweitert. Kernthema wird sein, zu schauen, welche besseren Bedingungen das zivilgesellschaftliche Engagement braucht, damit es gelingt, am Ende zu sagen: „Leute machen Kleinstadt“.  

Dabei spielen wieder die laufenden Kleinvorhaben innerhalb des großen Projektes eine zentrale Rolle. Denn bei weitem nicht jedes dieser Vorhaben steht heute da, wo es sein wollte, schätzt Gregor Schneider ein. Er spricht von Hürden ganz unterschiedlicher Art, die sich aufgetan haben und die für die Begleitforschung natürlich viel wert sind. „Für die Motivation der Macher können sie manchmal auch strapaziös sein.“

Nicht jedes ehrenamtliche Projekt entwickelt sich geradlinig. „Einige werden den Kurs ändern oder noch eine Schleife drehen, für einige wird es vielleicht auch früher beendet sein, als erhofft“, so der Weißwasseraner. Letzteres wäre schade, denn Ziel sei es auch, dass sich die Projekte nach Laufzeitende verstetigen und dank engagierten Einwohnern über die Projektzeit hinaus leben. Doch auch das Scheitern, meint Gregor Schneider, sei eine zulässige Option bei „Kleinstadt gestalten“.

Doch es sei wichtig herauszufinden, welche Umstände dazu führen. „In jedem Fall gilt allen ehrenamtlichen Machern, die die erste Halbzeit gemeistert haben, schon jetzt große Anerkennung für ihr Tun. Sie bringen Weißwasser mit kleinen, manchmal ganz unauffälligen Initiativen einen Mehrwert, der vielleicht erst bei genauerem Hinsehen deutlich wird“, spricht Schneider das aus, wofür die Projektbeteiligten angetreten sind.

Projektbegleiter Gregor Schneider.
Projektbegleiter Gregor Schneider. FOTO: Preikschat
Die „Aktion Weißwasser“ ist Bestandteil von „Ort schafft“ und kann auf erste Erfolge verweisen.
Die „Aktion Weißwasser“ ist Bestandteil von „Ort schafft“ und kann auf erste Erfolge verweisen. FOTO: Arlt Martina