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| 17:11 Uhr

Exkursion
Moderne Militär-Infrastruktur zieht an

Im Übungsdorf entstand ein Erinnerungsfoto an das Ehemaligentreffen mit einem Großteil der Teilnehmer.
Im Übungsdorf entstand ein Erinnerungsfoto an das Ehemaligentreffen mit einem Großteil der Teilnehmer. FOTO: Gabi Nitsche
Haide. Ein Treffen ehemaliger Soldaten vom Truppenübungsplatz Oberlausitz findet seine Neuauflage. Von Gabi Nitsche

Der Truppenübungsplatz (TÜP) Oberlausitz hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung genommen und ist bei der übenden Truppe stark gefragt. 2017 trainierten hier knapp 15 000 Soldaten ihr Handwerk. Die vielfältigen Übungsmöglichkeiten sind längst nicht nur interessant für Einheiten und Verbände deutscher, sondern auch internationaler Streitkräfte. Seit 2016 gehören zweimal im Jahr zum Beispiel bis zu 500 Soldaten aus dem Stadtstaat Singapur dazu. Die Asiaten würden immer wieder die vorherrschenden Bedingungen für ihre Panzer- und Infanterieausbildung loben. Das berichtete Oberstleutnant René Pierschel, seit 2014 Kommandant, knapp 50 ehemaligen Soldaten und deren Angehörigen am Wochenende beim zweiten Ehemaligentreffen. Als Offiziere oder Unteroffiziere hatten diese nach 1990 über unterschiedlich lange Zeiträume hier ihren Dienst versehen.

Sie staunten bei einer mehrstündigen Platzbefahrung nicht schlecht über die moderne Infrastruktur auf dem 17 500 Hektar großen Areal. Ein Beispiel ist die neue Schießbahn 1 im westlichen Teil der Neustädter Heide. Sie ist seit Anfang des Jahres 2018 in Betrieb und wurde auf Kosten von Vattenfall beziehungsweise Nachfolger Leag gebaut.

Warum der Kommandant von der „Neuen“ nur in höchsten Tönen sprach, war den Ehemaligen klar, als sie sich das mit eigenen Augen anschauten. Die Schießbahn und das entstandene Übungsareal drumherum sind Ersatzbauten für eine Schießbahn am anderen Ende des Platzes, die dem Tagebau Reichwalde weichen musste. Weil die Bundeswehr diese und weitere Flächen für diesen Tagebau abgeben musste, bekam sie im Austausch in den Jahren zuvor bereits andere Schießbahnen und rekultivierte Flächen des ehemaligen Tagebaus Nochten. Über diese Gebiete „marschieren“ nun Panzer auf zwei Trassen auf ihrem Weg in den Übungsbereich Neustädter Heide. Um das zu ermöglichen, baute der Bergbautreiber zwei Panzerbrücken über die B 156 und neben der Spreestraße – unter ihr rollt die Kohlebahn zwischen den Kraftwerken Boxberg und Schwarze Pumpe – sowie Brücken über die Kohlebandanlage und den Hermannsdorfer Radweg. Die Ehemaligen waren am Samstag genau auf dieser Strecke unterwegs und bekamen große Augen.

Weitere Flächenaustausche folgen noch in den nächsten Jahren, erfuhren sie. Ebenso, dass die im Zuge des Tagebaus Reichwalde notwendige Verlegung der Bahnlinie bei Weißkeißel/Rietschen ein aktuelles Thema ist. Denn betroffen davon ist dann auch die Kommandantur in Haide. Zurzeit diskutieren deshalb Leag-, Deutsche-Bahn- und Bundeswehr-Experten intensiv über den günstigen künftigen Standort für die Kommandantur, berichtete Pierschel.

Damit der Übungsplatz militärischen Ansprüchen entspricht, investierte auch die Bundeswehr bereits umfangreich. Weitere Millionen-Vorhaben sind in der Planung. Zum Beispiel richte sich der Fokus auf eine Platzrandstraße. Diese würde es Militärfahrzeugen ermöglichen, die Nutzung von öffentlichen Straßen zu vermeiden. Geht es allein nach dem Kommandanten, würde er diese Straße lieber heute als morgen bauen. Aber bei einem geschätzten Umfang von 35 bis 40 Millionen Euro brauche das Vorhaben eine intensive Vorbereitung.

Neben den vielen interessanten Informationen blieb beim Treffen  aber auch genügend Zeit, sich in geselliger Runde an alte Geschichten und gemeinsam Erlebtes zu erinnern. Dafür hatte Organisator und Hauptmann der Reserve Gunder Kubissa gesorgt, der das Programm vorbereitete. Vom Kommandanten und den Teilnehmern gab es dafür ein dickes Lob. Hagen Zimmermann, der mit knapp 800 Kilometern vom Bodensee aus den weitesten Weg hatte, brachte es auf den Punkt: „Der Weg hat sich gelohnt, es war ein super Treffen.“

Dieses endete mit einem Vortrag über Wölfe und einem gemeinsamen Essen in der Erlichthofsiedlung in Rietschen.

Das Übungsdorf an der neuen Schießbahn 1 lässt keine Wünsche offen bei der übenden Truppe. Die Soldaten haben hier viele Möglichkeiten, ihr Handwerk zu trainieren, Schießbahn und Übungsdorf gehören zu einem Paket von Ersatzmaßnahmen der Leag wegen der Inanspruchnahme von Bundeswehrflächen durch den Tagebau Reichwalde.
Das Übungsdorf an der neuen Schießbahn 1 lässt keine Wünsche offen bei der übenden Truppe. Die Soldaten haben hier viele Möglichkeiten, ihr Handwerk zu trainieren, Schießbahn und Übungsdorf gehören zu einem Paket von Ersatzmaßnahmen der Leag wegen der Inanspruchnahme von Bundeswehrflächen durch den Tagebau Reichwalde. FOTO: Gabi Nitsche
Kommandant Oberstleutnant René Pierschel informiert über infrastrukturelle Entwicklungen auf dem TÜP in den vergangenen Jahren.
Kommandant Oberstleutnant René Pierschel informiert über infrastrukturelle Entwicklungen auf dem TÜP in den vergangenen Jahren. FOTO: Gabi Nitsche