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| 15:35 Uhr

Prozess gegen einen Weißwasseraner
Haftstrafe nach schwerem Missbrauch an drei Kindern

Weißwasser/Görlitz. Das Landgericht Görlitz verurteilt einen 43-Jährigen Weißwasseraner am Donnerstag zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Von Christian Köhler

Was sich zwischen 2008 und 2017 in einem Mehrfamilienhaus in Weißwasser abgespielt hat, lässt sich gar nicht beschreiben oder in Worte fassen. Ein heute 43-Jähriger Weißwasseraner soll sich hier an drei minderjährigen Mädchen vergangen haben. Insgesamt legt ihm die Staatsanwaltschaft ganze 28 sexuelle Missbrauchshandlungen in den Jahren zwischen 2008 und 2017 zur Last.

Am Donnerstag nun hat der Vorsitzende Richter in dem Prozess, Dr. Hauke Hinrichs, die Taten als erwiesen angesehen und den Beschuldigten für drei Jahre und sechs Monate Haft verurteilt. Über insgesamt fünf Verhandlungstage hatte die Vernehmung der Zeugen sowie der Gutachter gedauert. Rechtsanwalt Gerd Konietzka aus Weißwasser hat in dem Verfahren die Nebenklage vertreten und eine Schmerzensgeldforderung aufgemacht. „Der Angeklagte hat sich selbst zu einer Schadenersatz- sowie Schmerzensgeldzahlung verpflichtet“, so Konietzka nach dem Urteil. Insgesamt dreht es sich um 5000 Euro. Ob der Verurteilte das Geld überhaupt zahlen kann, steht derzeit noch nicht fest.

Zum Prozessauftakt am Görlitzer Landgericht Mitte Februar hatte Richter Dr. Hauke Hinrichs schon mit Eröffnung der Verhandlung die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Das hatte unter anderem die Verteidigung beantragt. „Wir geben dem Antrag statt, insbesondere deshalb, weil Minderjährige im Rahmen der Urteilsfindung aussagen müssen“, begründet Hinrichs. Das hieß auch die Verfahrensführerin auf Seiten der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Peggy Brosin, für gut.

Denn der 43-Jährige Weißwasseraner soll sich in der Zeit zwischen 2008 und Mitte 2012 in verschiedener Weise an der 2005 geborenen Tochter des Lebensgefährten seiner Schwester vergangen haben. Einem zweiten, zehnjährigen Mädchen soll er sich, so erklärt das Gericht vor dem Prozess, im Zeitraum zwischen Juni 2011 bis Juni 2014 genähert haben. Unter anderem soll er sie im Treppenhaus oder im Außenbereich des Mehrfamilienhauses in Weißwasser in zehn Fällen sexuell missbraucht haben. Im Zeitraum Mitte 2016 bis Sommer 2017 soll sich der Beschuldigte ferner an der 2007 geborenen Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin in vier Fällen vergangen haben. Teilweise soll er die Handlungen auf Video festgehalten haben, teilt das Gericht mit. Bis zum Prozess hatte der Angeklagte die Taten bestritten. Er hat sich bereits seit Mai 2018 in Untersuchungshaft befunden.

Während der Verhandlung, so Hauke Hinrichs gegenüber der RUNDSCHAU, habe sich nun herausgestellt, dass sich der Großteil der Taten so zugetragen habe. Neben schwerem sexuellen Missbrauch eines Mädchens gelten weitere Missbräuche als erwiesen. „Auf die Vernahme eines der Mädchen konnte das Gericht verzichten, weil sich der Angeklagte dann doch geständig zeigte“, berichtet Gerd Konietzka. Trotzdem wisse er, dass die Opfer Zeit ihres Lebens unter den Handlungen des 43-Jährigen zu leiden haben.

Das Gericht habe bei seiner Urteilsfindung mehrere Umstände als strafmildernd eingestuft, so der Richter. Etwa, dass der Weißwasseraner nur über begrenzte geistige Fähigkeiten verfüge. „Ich habe auch eine Betreuung angeregt, da der Angeklagte nicht lesen und schreiben kann“, erläutert Hauke Hinrichs. Darüber hinaus sei er nicht planvoll bei seinen Taten vorgegangen, sondern habe die ihm sich bietenden Gelegenheiten ausgenutzt. „Es macht einen gewaltigen Unterschied, ohne die Geschehnisse zu verharmlosen“, argumentiert der Richter, „ob der Beschuldigte seine Opfer gewissermaßen in Situationen gelockt hat, um sie zu missbrauchen, oder ob er eine sich bietende Gelegenheit genutzt hat.“ Hinzu komme ein letzter Umstand: Die sogenannte Haftempflindlichkeit. Der Angeklagte nämlich soll bereits während der Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt von Mithäftlingen drangsaliert worden sein, habe sich nicht gegen Angriffe wehren können.

„So ist aus meiner Sicht das Urteil angemessen“, konstatiert Gerd Konietzka. Es ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung sowie die Staatsanwaltschaft haben noch eine Woche Zeit, um Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

 Das Landgericht hatte während der Verhandlung die Öffentlichkeit ausgeschlossen, um die Opfer zu schützen.
Das Landgericht hatte während der Verhandlung die Öffentlichkeit ausgeschlossen, um die Opfer zu schützen. FOTO: dpa / Christian Essler
 Das Landgericht hatte während der Verhandlung die Öffentlichkeit ausgeschlossen, um die Opfer zu schützen.
Das Landgericht hatte während der Verhandlung die Öffentlichkeit ausgeschlossen, um die Opfer zu schützen. FOTO: dpa / Christian Essler