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Wolfsmanagement
Mit Gummigeschossen gegen zutrauliche Wölfe

Im Nieskyer Rudel wurden sechs Wolfswelpen fotografiert.
Im Nieskyer Rudel wurden sechs Wolfswelpen fotografiert. FOTO: Wolfsbuero Rietschen
Rietschen. Das Wolfsrudel von Milkel (Landkreis Bautzen) hat es mit besonders zahmen Jungwölfen zu zweifelhafter Berühmtheit gebracht. Jetzt soll den Raubtieren die Lust auf Zivilisation ausgetrieben werden. Sascha Klein

Wolfswelpen des Milkeler Rudels im Landkreis Bautzen sollen demnächst mit Gummimunition beschossen und damit vom Menschen ferngehalten werden. Das hat das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ am Mittwoch mitgeteilt.

Hintergrund ist, dass Wolfswelpen dieses Rudels in der Vergangenheit dem Menschen recht nahe gekommen waren. Für diese Tiere sei das ungewöhnlich, so das Kontaktbüro in Rietschen (Kreis Görlitz).

Durch den Beschuss mit Gummimunition soll erreicht werden, dass die Wölfe sich „dieses ungewöhnliche und unerwünschte Verhalten“ abgewöhnen, so das Kontaktbüro. Den Tieren soll dabei ein kurzfristiger Schmerz zugefügt werden. Bleibende Schäden behalten die Wölfe durch diese Vergrämung jedoch nicht zurück, heißt es. Jedoch sollen die Wölfe den Schmerz mit dem Menschen in Verbindung bringen und sich von ihm und von bewohnten Siedlungen fernhalten.

Eine gewisse Neugier und ein verzögertes Fluchtverhalten ist bei Jungtieren laut des Kontaktbüros nicht ungewöhnlich. Dass sich die Tiere jedoch interessiert an Menschen heranwagen – wie das zuletzt mehrmals bei Tieren des Milkeler Rudels der Fall war – kann zu einer Gewöhnung führen. Spätere Konflikte zwischen Wolf und Mensch wären nicht ausgeschlossen.

Die Verwaltung des Biosphärenreservates hatte bei der Landesdirektion Sachsen eine Ausnahmegenehmigung zur Wolfsvergrämung beantragt. Diese sei am 5.Oktober erteilt worden, teilt das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ am Mittwoch mit.

In den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu Konflikten zwischen Wolf und Mensch gekommen. Im vergangenen Jahr hatte Bautzens Landrat Michael Harig (CDU) den Abschuss von Wölfen des Rosenthaler Rudels beantragt, war jedoch mit dem Vorstoß gescheitert. Mehrere Wölfe hatten innerhalb von zwei Nächten etwa 30 Schafe gerissen. Inzwischen sollen Tiere des Rosenthaler Rudels weitere Schafe gerissen haben.

Im Monitoringjahr 2016/17 sind im Freistaat laut Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ insgesamt 14 Rudel nachgewiesen worden. Die meisten Rudel gibt es in der Oberlausitz – so auch das Milkeler und Rosenthaler.