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| 06:34 Uhr

Umwelt
Grundstückseigentümer in Schleife warten auf Fördermittel

Lange war die Abwasserbeseitigung in einigen Schleifer Ortsteilen kein Thema, weil sie dem Tagebau weichen sollten, aber jetzt muss investiert werden.
Lange war die Abwasserbeseitigung in einigen Schleifer Ortsteilen kein Thema, weil sie dem Tagebau weichen sollten, aber jetzt muss investiert werden. FOTO: Guido Grochowski/Fotolia / Fotolia
Schleife. Nach der veränderten Kohleplanung hat der Gemeinderat ein neues Abwasserbeseitigungskonzept beschlossen.

Nachdem die Gemeinde Trebendorf bereits die Fortschreibung des Abwasserbeseitigungskonzeptes (ABK) mit dem Anschluss an das zentrale System in Überleitung des Abwassers nach Schleife beschlossen hatte, folgte nun der Schleifer Rat und stimmte dem vorgelegten ABK bei einer Gegenstimme und einer Stimmenthaltung zu.

Drei Varianten waren vom beauftragten Büro LUG geprüft worden, berichtete Bauamtsleiter Steffen Seidlich: Aufbau einer Vakuumkanalisation,  Aufbau einer Freigefällekanalisation und dezentrale Entwässerung (Biokläranlagen, abflusslose Gruben).

Das ist das Ergebnis, zu dem die LUG als wirtschaftlichste Lösung  für 25 Jahre kam: Für den Bereich Schleife-Süd/Rohne ist es der Aufbau einer Vakuumkanalisation mit zentralem Anschluss nach Weißwasser (auch hier trifft das bei einzelnen Grundstücken im Außenbereich jedoch nicht zu). 3,5 Millionen Euro würden die Investitionskosten plus Betriebskosten geschätzt betragen. Dem gegenüber stünden bei der Freigefälle-Va­riante 4,6 Millionen Euro und bei einer dezentralen Lösung 6,33 Millionen Euro.

Für Mulkwitz schätzt die LUG die grundstücksbezogene dezentrale Abwasserentsorgung als beste Variante ein. Die Rede ist hier von 1,84 Millionen Euro Kosten. Die zentrale Entsorgung der Abwässer von Mulkwitz nach Schleife wäre etwa doppelt so teuer. Auch eine Gruppenlösung  wurde untersucht und als zu unwirtschaftlich verworfen. Von Gleichbehandlung könne da keine Rede sein, kommentierte Gemeinderat Ingo Schuster das Konzept.

Vor der entscheidenden Ratssitzung war das Konzept im Technischen Ausschuss von LUG vorgestellt und fachliche Fragen beantwortet worden. Für den Altort Schleife gab es bereits ein bestätigtes ABK, nach dem zentral nach Weißwasser entsorgt wird. Ausgenommen sind nur wenige Grundstücke im Außenbereich. Die vorhandene Vakuum-Pumpstation wäre ausreichend dimensioniert,  so hatte es Amtsleiter Steffen Seidlich betont, auch Rohne, Mulkwitz und Schleife-Süd dort anzuschließen. Doch die Frage war eben, ob das wirtschaftlich betrachtet Sinn macht.

Nachdem die Leag ihr Revierkonzept völlig umgekrempelt hatte und die Umsiedlung infolge des Tagebaus Nochten für Rohne, Mulkwitz und Schleife-Süd (Gemeinde Schleife) sowie Klein Trebendorf (Gemeinde Trebendorf) nicht mehr auf der Tagesordnung steht, tat sich vor den beiden Kommunen bekanntlich ein Berg ungelöster Probleme auf. Eins der wichtigsten Punkte beim infrastrukturellen Nachholebedarf betrifft das Thema Abwasser. Die Frage nach der Art und Weise der Abwasserbeseitigung muss feinsäuberlich und vor allem zukunftssicher geklärt werden.  Und das, ohne die Kosten ins Unermessliche zu treiben. Denn sachsenweit mussten Grundstückseigentümer bereits bis Ende 2015 ihre älteren Abwasseranlagen dingerecht umrüsten. In den meisten Fällen bedeutete das, eine neue Bio-Kläranlage anzuschaffen. Der Freistaat Sachsen legte dazu damals ein Förderprogramm auf. Bis zu 1500 Euro konnte jeder Grundstücksbesitzer erhalten für eine neue Bio-Kläranlage. Die potenziellen Umsiedler blieben von der Umrüst-Pflicht verschont. Und jetzt? Der Fördertopf ist lange leer. Für Schleife und Trebendorf braucht es eine Sonderlösung, sollen die Betroffenen nicht schlechter gestellt werden, als damals die Nicht-Umsiedler. Der Freistaat sagte das im Frühsommer auch zu. Doch längst läuft es nicht so, wie es sich die Betroffenen wünschen.

Der Absprache- und Klärungsbedarf mit den verschiedenen Behörden sei äußerst zerrig, verlautet aus der Gemeindeverwaltung Schleife. Es sei schwierig, alle Entscheider unter einen Hut zu bekommen. Doch die Zeit drängt. „Die Leute wollen wissen, wie sie an die Fördergelder kommen, welchen Antrag sie ausfüllen sollen und so weiter“, weiß Amtsleiter Steffen Seidlich.

Am 1. Dezember um 19 Uhr geht es bei der Einwohnerversammlung in der Mehrzweckhalle in Rohne auch um das Thema Abwasser.