„Der Gemeinderat glaubt an die Lebensfähigkeit einer solchen im hiesigen Ort und ist auch der Ansicht, dass sie nöthig sei, lehnt aber einen Unterstützungsbeitrag ab.“
Am 5. Januar 1898 erhielt der Apothekenbesitzer Richard Manno vom Oberpräsidenten der Provinz Schlesien „. . . die nur an seine Person geknüpfte Erlaubnis erteilt, in der Ortschaft Weißwasser für den Zeitraum von drei Jahren eine Zweigapotheke zu errichten . . .“. Richard Manno wurde weiterhin dazu verpflichtet diese Apotheke, „. . . durch einen approbierten vereidigten Apotheker verwalten zu lassen . . .“. Auch dürfe die Weißwasser´sche Zweigapotheke im Falle eines Verkaufes der Hauptapotheke in Muskau „. . . weder mit verkauft, noch mit in Anrechnung gebracht werden.“ Zehn Tage später ermahnte das Präsidium den Muskauer Apotheker, „. . . die Apotheke mit möglichster Beschleunigung zu errichten und mit Ablauf von drei Monaten über den Stand der Sache zu berichten.“ Der Weißwasser Drogist Ernst Grosch wurde beauftragt in seinem Geschäft in der Henriettenstraße, heut Straße der Glasmacher, diese Zweig-Apotheke zu betreiben und sich selbst zum Apotheker zu qualifizieren.
Am 24. März 1900 ersuchte Apotheker Manno das Präsidium in Liegnitz die Zweigapotheke in andere geeignetere Räume, der Umstände wegen, verlegen zu dürfen. Welcher Faktoren da eine Rolle spielten erfahren wir nicht, aber daraus schließen lässt sich, dass die Räumlichkeiten zu klein waren. In diesem Zusammenhang wurde dem Manno übermittelt, dass für das Fortbestehen der Einrichtung als „Zweigapotheke“ nach Ablauf der drei Jahre keine Zusicherung gegeben werden könne. Der Ober-Präsident von Schlesien hatte in jüngster Zeit an die Beachtung der bestehenden Vorschrift erinnert, dass Zweigapotheken in selbstständige Apotheken umgewandelt werden müssen, sobald der Geschäftsumsatz die Lebensfähigkeit einer selbstständigen Apotheke annehmen lässt. Diesem Hinweis angefügt war die Bemerkung des Dienstvorgesetzten: „Es ist wohl nicht zu bezweifeln, dass bei dem überaus raschen Wachstum der Ortschaft Weißwasser der Umsatz in der Zweigapotheke dort selbst sich wesentlich gehoben hat.“
Im April 1900 ersuchte nun der Gemeinderat seinerseits den Regierungspräsidenten, um die Errichtung einer Voll-Apotheke im Ort. Am 6. September 1901 erhielt der ausgebildete Apotheker Max Kulka aus Sagan (heute Polen) vom Ober-Präsidenten die Conzession zur Errichtung einer neuen Voll-Apotheke in Weißwasser erteilt. Der bisherige Zweigapotheker Ernst Grosch eröffnet im Jahr 1902 in seinen bisherigen Geschäftsräumen in der Henriettenstraße die Adler-Drogerie. Richard Manno nahm einen Teil seiner Zweigapothekeneinrichtung und eröffnete eine solche neu in Rietschen.
Max Kulka erwarb die im Jahr 1895 an der Nordseite des Marktplatzes erbaute Villa des Rentiers Ch. Willing und gründete hier die Adler-Vollapotheke.
Viele der zugezogenen Glasmacher und Handwerker hatten im Krankheits- oder Katastrophenfall keine finanzielle Absicherung. Auch waren die meisten Familien nicht so groß und verzweigt, wie es bei den alteingesessenen Bauerndynastien war. Eine gegenseitige Unterstützung untereinander konnte da nicht so gut erfolgen. Solche betroffenen Einwohner waren da auf die Hilfe der Gemeindeverwaltung angewiesen. So erfolgte im Jahr 1902 die Gründung des Armenfürsorgewesens im Ort. Das alte, im Schrotholzstil erbaute Gemeindehaus an der Berliner Straße im Alten Dorf, wurde nach dem Umzug des Gemeindebüros im Jahr 1900 in die Karlstraße, heute Friedrich-Bodelschwingh-Straße, dann als Armenhaus genutzt.
Im Jahr 1908 musste das alte baufällige Haus abgebrochen werden und die Einrichtung wechselte in das evangelische Vereinshaus in der Muskauer Straße.
Gleichfalls diente das vom Glashüttenunternehmer Joseph Schweig ge stiftete Invalidenheim am Jahndamm ebenso zur Altenfürsorge, vornehmlich für Mitarbeiter seiner Glashütten.

Zeittafel Joseph Schweig stiftet
Um 1900. Kriegsinvaliden des Einigungskrieges von 1870/71, an dem auch einige Weißwasseraner teilnahmen und ehemaligen ausgeschiedenen Arbeitern seiner Glashütten, stiftet der Industrielle Joseph Schweig als Begründer und Vorsitzender des Invaliden Vereins dessen Vereinslokal, als erstes Altersbetreuungsheim der Gemeinde Weißwasser. Dieses Gebäude ist noch heute in der Teichstraße gegenüber der Einmündung des Jahndamms zu finden.
April 1901. Es erfolgt für ein Jahr die Anstellung des Armenarztes Dr. Ziegler und für sechs Jahre wird die Gesundheitskommission unter Leitung Dr. Wegener gewählt.