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Kommunale Wohnungswirtschaft
Großvermieter investiert Rekordsumme

Das in Teilen eingelagerte Wandbild „Lebensfreude“  soll dort aufgestellt werden, wo die WBG derzeit die frühere Puck-Gaststätte, einen jahrzehntelangen Schandfleck, verschwinden lässt..
Das in Teilen eingelagerte Wandbild „Lebensfreude“  soll dort aufgestellt werden, wo die WBG derzeit die frühere Puck-Gaststätte, einen jahrzehntelangen Schandfleck, verschwinden lässt.. FOTO: WBG
Weißwasser. WBG-Chefin Petra Sczesny: 6,2 Millionen Euro fließen 2018 in Vorhaben. Prof.-Wagenfeld-Ring 59 - 62 wird saniert. Von Gabi Nitsche

„An ein Investitionsvolumen in dieser Höhe kann ich mich so nicht erinnern“, sagt WBG-Geschäftsführerin Petra Sczesny und nennt die stolze Summe von knapp 6,2 Millionen Euro für 2018.  „Ja, wir behalten unsere Investitionsstrategie bei, auch wenn es nicht einfacher wird und wir uns immer strecken müssen, um weiter voranzukommen. Aber ich bin optimistisch und habe ein gutes Team.“ Zu den Stärken des kommunalen Wohnungsunternehmens zählt Petra Sczesny die Flexibilität, wenn es darum geht, den Wohnbedürfnissen der Mieter nachzukommen.

Dass die WBG das nicht alles aus der eigenen Tasche aufbringen kann, sei wohl verständlich. 3,5 Millionen Euro ja, für etwa 2,6 Millionen Euro wird bei einer Bank angefragt. Fördermittel werden gern in Anspruch genommen. Wobei Petra Sczesny nicht mit großen Summen rechnet. Gerade bei Stadtumbau-Vorhaben geht es auch um Eigenmittel der Stadt Weißwasser. Und die kommunalen Gelder stehen nicht in dem Umfang bereit, wie es eigentlich notwendig sein würde.

Eine Großbaustelle hat die WBG noch 2017 vor ihrer eigenen Haustür „angezettelt“. Das ist der Rückbau der einstigen legendären Puck-Gaststätte. Davon übrig geblieben ist ein riesiges Steinemeer. Aber das bleibt nicht. Der Schandleck kommt weg, und alles wird aufgehübscht. Viel Grün und Parkplätze gehören auf alle Fälle dazu. Bekanntlich plant das Unternehmen auch, das vor fünf Jahren beim Abbruch eines ehemaligen Schulgebäudes geborgene zwölf mal sechs Meter große Wandbild „Lebensfreude“ an diesem Standort wieder aufzubauen. „Wir rechnen damit, unsere geplante Maßnahme in diesem Jahr umzusetzen. Bis Ende Januar soll der Großteil des Rückbaus erledigt und die Fläche begradigt sein“, so die Chefin.

Weil das Aufstellen von Kunstwerken nur bis zu einer Höhe von vier Meter verfahrensfrei ist, das Wandbild jedoch höher ist, bedarf es noch der Baugenehmigung dafür. In das Baugenehmigungsverfahren ist laut  Petra Sczesny die Denkmalschutzbehörde eingebunden. „Wir rechnen mit der Baugenehmigung bis Ende Februar und hoffen, dass uns diese ohne  Auflagen erteilt wird.“

Alle Beteiligten hoffen ebenso, dass das zerlegte Wandbild nicht allzu große Schäden aufweist. Geplant ist, es  separat vor dem Gebäude aufzustellen.  „Unabhängig davon haben wir – mit nicht geringem Aufwand – zehn sportive Tonreliefs, also Kacheln, aus dem alten Puck-Gebäude geborgen und in den neuen Giebelbereich eingebracht.“ Beides zusammen mache viel her. Petra Sczesny sagt schmunzelnd: „Was macht man nicht alles, um städtebaulichen Missstand aus der Welt zu schaffen.“

Eine andere Baustelle ist das Gebäude Teichstraße 18 in Weißwasser. Nach der Entkernung des früheren Behördengebäudes wird dieses zu einem Wohnhaus umgebaut. Für die 13 Wohnungen, von der Zwei- bis zur Vierraumwohnung, gibt es schon viele Vormerkungen. 1,75 Millionen Euro steckt die WBG in das Vorhaben.

Mit dem Wohnhaus Prof.-Wagenfeld-Ring 59 bis 62 setzt der kommunale Vermieter seine Strategie in dem Karree fort. „Wir sanieren hier komplett und tragen zwei Etagen ab. Das sind 16 Wohneinheiten.“ Wenn auch nicht in der Dimension wie beim Nachbar-Giebel mit dem Eishockeyspieler-Bild werde auch dieser Giebel nach der Sanierung einen sportiven Charakter erhalten. Die Mieter aus den vom Abriss betroffenen Wohnungen sind raus. Was noch nicht feststeht, ist das Farbkonzept für das Haus. „Das nehmen wir sehr ernst und sind mitten in der Diskussion.“ Bevor die Arbeiten im März beginnen, so Petra Sczesny, erhalten die Mieter alle Informationen. Im WBG-Etat sind um die 1,2 Millionen Euro für dieses Projekt vorgesehen.

Etwa die Hälfte dieser Summe kostet es, die Arbeiten am Prof.-Wagenfeld-Ring 30 bis 33 fortzusetzen. 2017 ist das Gebäude außen auf Vordermann gebracht worden, jetzt folgen mit dem zweiten Bauabschnitt vier Fahrstühle, und leer stehende Wohnungen werden hergerichtet für die Neuvermietung. Die Geschäftsführerin spricht auch von neuen Türen – Stichwort Brandschutz. Von März bis etwa Juli sollte alles zu schaffen sein.

Einen farblichen Auftakt plant die WBG bei den Würfelhäusern am Freizeitpark. Diese stehen generell perspektivisch auf dem Plan. Als erstes ist die Nummer 5 an der Reihe. Petra Sczesny erklärt: „Vor einigen Jahren haben wir hier einen Fahrstuhl eingebaut. Jetzt folgt die energetische Sanierung. Das bedeutet für die 24 Wohnungen neue Fenster, neue Fassade. 400 000 Euro liegen dafür bereit, und im Mai soll es losgehen.“ Schwierig sei es, hier farb­mäßig die richtige Entscheidung zu treffen.. „Denn die Häuser stehen unmittelbar am Ortseingang, und da möchte es schon besonders schön aussehen.“ Bis 2021 nimmt sich die WBG eins nach dem anderen der vier Würfelhäuser vor.

Nachdem der Prof.-Wagenfeld-Ring 30 bis 42 ja schon seine Kur hatte, sind dieses Jahr die Außenanlagen dort an der Reihe. Für alle diese Komplexmaßnahmen legt die WBG 3,8 Millionen Euro hin. Die Fördermittel würden mit 133 000 Euro gerade einmal einen Bruchteil ausmachen.

Im Bereich der Humboldtstraße soll am Ende des Jahres eine weitere Fassade wieder sauber strahlen. Petra Sczesny nennt die Hausnummern 20 bis 24. Hinzu kommen die Lutherstraße 50 bis 56, die Gutenbergstraße 3 bis 9 und die Pusch­kinstraße 12 bis 14. In der Humboldtstraße 26 bis 30 und in der Hanns-Eisler-Straße 2 bis 16 sind die Hausflure im Programm. 2018 beginnend sollen Wohnhäuser am Albert-Schweitzer-Ring mit Fahrstühlen ausgestattet werden. Die Bedarfsanalyse läuft noch. Deswegen steht noch nicht fest, sagt Petra Sczesny, wo die ersten beiden Aufzüge installiert werden. „Summa summarum planen wir mit zwei Millionen Euro für Instandhaltung und -setzung inklusive Herrichten von Wohnungen für Neuvermietungen.“

Was noch nicht in dem Topf ist, wo es kocht, ist die Geschichte Bahnhofsgebäude, wo die WBG ja bereit sei, es zu kaufen und die Sanierung voranzutreiben. Das sei das politische Ziel in Weißwasser. Doch die Voraussetzungen dafür sind noch nicht rund. Zum Beispiel braucht es dafür umfangreiche Fördermittel. „Wenn alles klar ist, dann müssen wir das fremdfinanzieren. Aber zurzeit haben wir die Sache nicht in unserer Planung“, so die Auskunft von Petra Sczesny dazu.

Mit hohem Aufwand hat die WBG beim Abriss der alten Puck-Gaststätte zehn Tonreliefs geborgen. Die Sportmotive werden im neuen Giebel eingebracht.
Mit hohem Aufwand hat die WBG beim Abriss der alten Puck-Gaststätte zehn Tonreliefs geborgen. Die Sportmotive werden im neuen Giebel eingebracht. FOTO: WBG