Von Steffen Bistrosch

Als am Samstagmorgen die rund vierzig „alarmierten“ örtlichen Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge aus dem Umland von Bad Muskau lautstark die Sammelstelle an der Tankstelle am „Eiland“ verließen, war schwer vorstellbar, dass sie sich auf den Weg zur Bekämpfung eines Großwaldbrandes machten. Passte der Dauerregen doch eher zu einem Katastrophenfall in Zusammenhang mit einem Hochwasserereignis.

Tatsächlich fand am Wochenende das deutsch-polnische Intereg-Projekt mit dem sperrigen Namen „Feuerwehrleute im sächsisch-polnischen Grenzgebiet mit einer innovativen Rettungs- und Löschausrüstung bedeuten Schutz für eine sich entwickelnde Wirtschaft und wirken dem Migrationsproblem der Bevölkerung entgegen“ seinen Höhepunkt. Im Rahmen dieses Projektes hatten gemeinsame Schulungen, Veranstaltungen und Übungen stattgefunden, in denen gemeinsame neue Einsatzmethoden trainiert und die Zusammenarbeit der Einheiten, Behörden und Institutionen beiderseits der Neiße intensiviert werden sollte.

Die rund 170 Kameraden der Wehren aus dem Umland von Bad Muskau, den Katastrophenschutzeinheiten des Löschzuges „Waldbrand“, des 2. Löschzuges „Retten“ sowie die des 1. Einsatzzuges (DRK) aus dem Landkreis Görlitz sowie eines Löschzuges aus dem Nachbarlandkreis Spree-Neiße, stellten sich den unwillkommenen äußeren Bedingungen und begaben sich zu dem polnischen Einsatzort, der etwa auf Höhe der Ortslage Pechern gelegenen Einsatzort lag. Dort, so wurde angenommen, war es auf einer Fläche von etwa zwanzig Fußballfeldern zu einem Flächenwaldbrand gekommen, der von starken Wind begünstigt einen dynamischen Verlauf nahm.

Zeitgleich nahmen 380 polnische Kameraden mit weiteren 60 Fahrzeugen den Kampf gegen die imaginären Flammen auf, so dass etwa 450 Feuerwehrleute gemeinsam den Ernstfall probten. Beobachter der Bundeswehr, der polnischen Armee und aus Tschechien nahmen ebenso wie die Verantwortlichen des Intereg-Projektes das Zusammenwirken der unterschiedlichen Einsatzkräfte in Augenschein.

Oberstleutnant Frank Zinnow vom Landeskommando Brandenburg aus Potsdam als Leiter der Bundeswehrabordnung lobte das Zusammenspiel der deutschen und polnischen Feuerwehren. Die Erfahrung zeige, dass Hochwasser oder Großbrände über Grenzen hinweg zu einer Bedrohung werden können. „Lieber ganz oft Ernstfall üben als einmal Ernstfall haben“, so Zinnow. Überdies schaffe die Übung Vertrauen.

Im Focus der Großübung stand neben der Kommunikation das abgestimmte planmäßige Vorgehen und die Erprobung der Technik. So kamen erstmals gemeinsam fünf Druckluftschaumfahrzeuge zum Einsatz, die im Rahmen des Intereg-Projektes angeschafft wurden.

Als in den frühen Nachmittagsstunden der „Brand“ unter Kontrolle gebracht worden war, zeigte sich die deutsche Einsatzleitung unter Führung des stellvertretenden Kreisbrandmeisters Gerd Preußing mit dem Verlauf zufrieden. Das Wetter spielte keine Rolle, das vorgegebene Ziel wurde erreicht, die simulierte Großschadenslage unter Kontrolle gebracht und das Feuer gelöscht. Der freiwillige Feuerwehrmann Fred Adamsky aus Kromlau empfand das Wetter und vor allem den tiefen Schlamm als echte Herausforderung. Dennoch sei die Übung gut verlaufen, in dieser Größenordnung finde das nicht alle Tage statt. Insofern war es interessant und anspruchsvoll, die Kommunikation war wegen der vielen polnischen Kameraden, die deutsch sprechen kein Problem.

Für den polnischen Gesamteinsatzleiter Leslaw Glinski stellte das Verlegen der kilometerlangen Wasserleitungen aus der Neiße und die gleichzeitige Versorgung aller Beteiligten mit Löschwasser eine echte Herausforderung dar. Durch den Einsatz innovativer Löschtechnik seien jetzt deutlich mehr Optionen im Ernstfall gegeben. Das Ergebnis stelle ihn sehr zufrieden, allerdings müsse weiter gemeinsam geübt werden.

Björn Mierisch amtierender Kreisbrandmeister von Görlitz, hat nach der Übung ein gutes Gefühl, wenn tatsächlich ein solches Ereignis stattfinden sollte, so bekommt das seiner Meinung nach diese Formation sicher in Griff. Er lobte Organisation, Disziplin und Engagement aller Beteiligten.