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Großbacktag bei Familie "Njepila"

Der Ofen hat die richtige Temperatur erreicht. Manfred Nickel schiebt ein ums andere Blech hinein. Bei 300 Grad brauchen die Kuchen 20 bis 25 Minuten. "Unser Ofen ist nicht traditionell, aber sehr praktisch", so der Vereinsvorsitzende.
Der Ofen hat die richtige Temperatur erreicht. Manfred Nickel schiebt ein ums andere Blech hinein. Bei 300 Grad brauchen die Kuchen 20 bis 25 Minuten. "Unser Ofen ist nicht traditionell, aber sehr praktisch", so der Vereinsvorsitzende. FOTO: Nitsche
Rohne. Wann immer auf dem Njepila-Hof in Rohne Gäste erwartet werden, wird gebacken. Und das reichlich. Denn die Blechkuchen, die die Frauen aus dem Verein zaubern, sind legendär. Am Samstag war so ein Großbacktag, denn Sonntag stand Kirmes an. Gabi Nitsche

Marlies Nagorka steht am Tisch, vor sich eine große Schüssel mit Eiern, die sie rührt. "Die werden für den Bienenstich gebraucht", erklärt sie, ohne den Löffel abzusetzen. Zehn große, verschiedene Kuchen wollen die Frauen vom Njepila-Verein heute backen. Quarkkuchen mit und ohne Rosinen, Mohnkuchen, Raspelkuchen mit Kirschen, Bienenstich, Pflaumen- und Apfelkuchen. "Und Streuselkuchen, der ist Pflicht", meint Ursula Domaschk. Seit 8 Uhr geht es schon rund in der Backstube, wobei einige Zutaten schon Freitag vorbereitet wurden. Seit Jahren backen Annemarie Paulo und die anderen nach Rezepturen, von Generation zu Generation überliefert. Annemarie Paulo macht Hefekuchen wie ihre Mutter.

Heute wird Teig von zehn Kilogramm Mehl gemacht, mit viel guter Butter und frischer Hefe. Und das in einer riesigen Knet- und Rührmaschine. Doch wie viel von jedem und welche Zutaten noch, das bleibt ein Geheimnis. Erika Petrick hilft der Annemarie, überdimensionale Schüssel mit einem großen Tuch abzudecken. "Jetzt muss der Hefeteig gehen, aber er darf nicht wegrennen", sagt Erika Petrick lachend.

Am Tisch unter dem Fenster wird gerade die Quarkmasse geteilt. Denn in eine Hälfte kommen Rosinen. Ursula Domaschk kostet den Quark. "Zu süß darf er nicht sein", lautet ihre Erklärung. "Notfalls müssen wir, wenn der Kuchen gebacken und abgekühlt ist, ausgelassene Butter mit ein bisschen Zucker drübergeben." Das habe nicht nur ihre Mutter oft gemacht, das sei auf den sorbischen Dörfern so üblich, meint Annemarie Paulo. Derweil wiegt Inge Muschalek gleichmäßige Teigbatzen ab, die Marlies Nagorka ausrollt. Ein Blech nach dem anderen wird nun mit Teig ausgekleidet. Flugs löchert Annemarie Paulo den Boden und freut sich, dass der Blasen schlägt.

Mit Ursula Domaschk trägt sie auf einen in einem großen Blech Mohnmasse auf. Warum sagt man nur immer, Mohn macht doof? Die Frauen kennen den Grund seit ihrer Kindheit: "Wir haben früher gleich auf dem Feld den Mohn direkt aus der Kapsel genascht. Die Eltern hatten Angst um uns wegen der Wirkung des Mohns. Deshalb sagten sie, er macht doof. Aber sie erreichten ihr Ziel nicht", so Erika Petrick.

Geschafft. Zehn Kuchen warten nun darauf, dass sie in den Ofen kommen. Manfred Nickel, der Vereinsvorsitzende, hat ihn angeheizt. Bis es soweit ist, gönnen sich die fleißigen Bäckerinnen eine Verschnaufpause bei einem leckeren Frühstück. Sozusagen in Familie. Zankereien - die gibt es nicht. "Dafür haben wir keine Zeit", meint Inge Muschalek und alle stimmen lachend ein. "Wir sind alle gern hier. Das muss man auch bei der vielen Arbeit", gibt Marlies Nagorka zum Besten. Denn auf dem Njepila-Hof gilt das Motto: Kak to jo bylo? Wie war das früher einmal?" Dem sind sämtliche Veranstaltungen im Jahresverlauf zugeordnet. Die Besucher lernen so vieles über sorbische Bräuche und Familientraditionen. Die Kirmes am Sonntag ist so ein Beispiel. "Es war wunderschön", schwärmt Manfred Nickel. Die Rohner hatten viele nette Leute, wie Domowina-Freunde aus Heinersbrück, zu Gast. "Und den Kuchen haben alle gelobt. Der war einfach wieder Spitze."

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