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"Gritzwurscht" schmeckt oberlecker

Dana Kavelmann durfte mit ihren Kolleginnen die heiß begehrte Schlachteplatte servieren.
Dana Kavelmann durfte mit ihren Kolleginnen die heiß begehrte Schlachteplatte servieren. FOTO: amz1
Rohne. Ist das ein Sonnabend gewesen! Rohne weitgehend zugeparkt. Hunderte Menschen auf den Beinen. Und überall zufriedene Gesichter. Kein Wunder, hatten die Mitglieder des Rohnschen Njepila-Hof zu ihrem bereits 16. Schlachtefest geladen. amz1

"Eine harte Arbeitswoche scheint sich auszahlen", frohlockt Manfred Nickel, Vorsitzender des Njepila-Vereins. Was es alles zu tun gab? Arbeit ohne Ende: Fleisch und Wurst besorgen, Grützwürste, Semmelleberwürste, Fleischwürste, Hackepeter, bäuerliches Sauerkraut und manches mehr durch Handarbeit selbst zubereiten. Dann den Verkauf organisieren, den Gastraum anheizen und vieles mehr.

Eines gibt es auf dem Njepila-Hof allerdings nicht. Nämlich die echte Schweinschlachtung. "Dazu wäre der Aufwand einfach zu groß und die bürokratischen Hürden zu hoch", begründet Manfred Nickel. Dennoch wolle der Verein den Leuten möglichst realitätsnah zeigen, wie es früher, also bis vor 40, 50 Jahren im Winter auf den Dörfern der Region so zuging. Da wurde in aller Regel Mitte Januar ein Schwein geschlachtet, dass im vorangegangenen Frühjahr eingesperrt worden war und mit den selbst erzeugten Produkten, beispielsweise Getreide und Kartoffeln, ordentlich gefüttert wurde.

Warum dann ausgerechnet während der kältesten Zeit des Jahres zum Schlachtemesser gegriffen wurde? "Weil es früher keine Kühlschränke gab, und Fleisch relativ schnell verderben kann", erklärt Manfred Nickel. Zudem hatten die Bauern mehr Zeit, da die Feldarbeit ruhte. Um die aus dem Schwein hergestellten Produkte haltbarer zu machen, wurde das Fleisch gepökelt, geräuchert oder eingeweckt. In der Regel reichten diese Lebensmittel dann bis zum nächsten Winter, wo der Kreislauf von Neuem begann. Geschlachtet wurde früher auf fast allen Rohnschen Höfen. Heute halte im Ort keiner mehr Schweine. Der Aufwand sei zu hoch, zudem gebe es die Produkte im Supermarkt wesentlich preiswerter. Und dennoch sei das Schlachtefest auf dem Njepila-Hof für viele Lausitzer etwas ganz Besonderes. Beispielsweise für Dietmar Wehack aus Schleife. "Die Schlachteplatte schmeckt absolut klasse. So wie früher. Da haben wir auf unserem Hof in Weißwasser noch selbst geschlachtet. Drei, vier Familien wurden daran beteiligt." Nicht zuletzt esse jeder waschechte Lausitzer "Gritzwurscht", wie diese hierzulande genannt wird. Und die Rohnsche sei "oberlecker". Familie Schönsee aus Weißwasser munden dagegen die Semmelleberwürste. "Richtig gut gewürzt", resümiert Harald Schönsee. Darüber hinaus sei der junge Mann von der freundlichen Atmosphäre und der sehr zuvorkommenden Bedienung begeistert. So den "Kellnerinnen" gehört auch Dana Kavelmann. Die Rohnsche Kindergärtnerin tischt in der sorbischen Tracht flink die Schlachteplatten auf. Sie kommt gar nicht zum Durchschnaufen, so groß ist die Nachfrage. Als einzige trägt die 27-Jährige die Tracht in Rot, also als Zeichen für die noch unverheiratete Frau. Schon von Kindesbeinen an gehe Dana Kavelmann "in Sorbisch", erzählt sie. Ein wenig erschöpft, aber dennoch glücklich wirkt Klaus Sowinski aus Weißwasser. "Ich musste rund zwei Stunden beim Verkauf anstehen. Zuhause warten alle schon auf das Mittagbrot, das ich gerade erstanden habe", erzählt er. In seinem Korb befinden sich unter anderem Grütz- und Semmelleberwürste, Wellfleisch und Brühe.

Der nächste Höhepunkt in Rohe ist übrigens bereits in Sichtweite. Am 4. Februar soll gezampert werden. Treffpunkt ist um 7.30 Uhr auf dem Njepila-Hof in der Ortsmitte. Und nur zwei Tage später, am 6. Februar, würden am gleichen Ort Federn geschlissen, so der Njepila-Verein.