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| 02:48 Uhr

Grenzvorplatz Bad Muskau: Hermann heißt er

Der Grenzvorplatz in Bad Muskau heißt nun Hermannsplatz.
Der Grenzvorplatz in Bad Muskau heißt nun Hermannsplatz. FOTO: Regina Weiß (LR-MOB-RED-402)
Bad Muskau. Wenn Eltern einen Namen für ihr Kind suchen, dann haben sie meist neun Monate Zeit, sich etwas zu überlegen. So lange hat es in Bad Muskau nicht ganz gebraucht. Regina Weiß

"Nur" reichlich sechs Monate ging die Stadt mit der Namenswahl schwanger, bis man sich entscheiden konnte. Nun steht es fest: Aus dem Grenzvorplatz wird in Bälde der Hermannsplatz.

Für diesen Vorschlag votierte am Mittwoch nicht nur die Mehrheit der Stadträte - bei der Abstimmung gab es vier Enthaltungen der gesamten Linksfraktion - sondern auch die meisten Menschen aus Bad Muskau und der Region, die an der zweiten Abstimmung zum Namen teilgenommen hatten. Bis zum 10. April hatten die Bürger Zeit, sich unter sechs Vorschlägen zu entscheiden. 354 Stimmen waren insgesamt eingegangen. 200 votierten für den Hermannsplatz. Der Vorschlag für Sorauer Platz kam auf Platz zwei, das mit 80 Zählern. Alles andere, also Professor-Hans-Nadler-Platz, Platz der Begegnung, Peglau- und Europaplatz, landete unter ferner liefen.

Wenn am 13. Mai der Platz offiziell eingeweiht wird, dann wird ein Namensschild von der neuen Bezeichnung künden. Allerdings wird dieses erst ein provisorisches sein. Nicht etwa, weil es sich die Bad Muskauer noch einmal anders überlegen könnten, sondern weil man wirklich erst die Ratsentscheidung abwarten wollte, um die Bestellung auszulösen. Gebraucht wird auch ein Erklärschild zur Namenswahl, damit die Gäste wissen, wem der Platz gewidmet ist. Denn es geht im Muskauer Fall nicht nur um einen, sondern gleich um drei Hermänner. Natürlich um Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler, den bekanntesten Sohn der Stadt. Gleichzeitig werden damit aber auch Traugott Hermann Graf von Arnim und Hermann Graf von Arnim Muskau geehrt (siehe Info).

Stadtrat Wilfried Bartholomäus (Linke) gab unumwunden zu, dass ihm ein vorwärtsgewandter Name lieber gewesen wäre. Heidi Knoop (Linke) fand es enttäuschend, wie wenige Einwohner auch diesmal an der Entscheidung mitgewirkt haben. Als Doris Noske (Bürgerverein) nur kurz einwandte, man hätte auch das Internet nutzen sollen, regte sich Unmut auf der CDU-Bank. Schließlich war das Votum Resultat einer zweiten Bürgerbefragung gewesen. Teil eins vom November 2016 hatte mit 85 Zuschriften noch weniger Resonanz.

Zum Thema:
In dieser Woche sind noch Restarbeiten auf dem Grenzvorplatz erfolgt. So bekamen die Pfeiler am Parkeingangstor noch ihre Vasen und die Betonstele, die die Grenzrose vom Kunstschacht Zollverein Essen tragen soll, wurde aufgestellt.Derweil die Abnahme für den Bau erfolgt ist, wird die fürs Grün erst im Juni erfolgen. Damit soll laut Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) sichergestellt werden, dass auch alle Bäume angewachsen sind. Weil die Schlussrechnung erst dann erfolgen kann, ist der Bewilligungszeitraum für die Fördermittel bis Ende Juli verlängert worden.Zwischenzeitlich mussten einige Betonpoller vom Markt zur Grenze umziehen. Sie sollen am Vereinshaus verhindern, dass Autofahrer dort weiterhin widerrechtlich Parkraum erobern. Ein anderer Autofahrer wurde wiederum dabei beobachtet, wie er sich an den Bänken vorbeischlängeln wollte. Das Landratsamt ist weiterhin mit seiner Blitztechnik vor Ort, um für die Einhaltung der Schrittgeschwindigkeit auf dem Areal zu sorgen.Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler wurde 1785 im Schloss von Muskau geboren. 1815 rief er als Standesherr zur Anlage des Parks auf. Die Geburtsstunde des heutigen Weltkulturerbes. Traugott Hermann Graf von Arnim - Standesherr seit 1883 - investierte nicht nur in den Park, sondern war auch als Investor in der Wirtschaft sehr engagiert. Von 1887 bis 1907 vertrat er als Abgeordneter des aus den Landkreisen Rothenburg (Oberlausitz) und Hoyerswerda bestehenden Wahlkreises die Deutsche Reichspartei im Reichstag. Hermann Graf von Arnim Muskau war bis 1945 der letzte Standesherr.