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Sicherheit
Grenzüberschreitender Lkw-Verkehr rückt in den Fokus

Direktor Jaromír Kníže, Polizeipräsident Torsten Schultze und Direktor Vladislav Husák unterzeichnen den Kooperationsvertrag.
Direktor Jaromír Kníže, Polizeipräsident Torsten Schultze und Direktor Vladislav Husák unterzeichnen den Kooperationsvertrag. FOTO: Polizeidirektion Görlitz
Görlitz/Bautzen. Deutsche und tschechische Polizei startet Projekt für intensivere Zusammenarbeit. Modernste Technik soll angeschafft werden. Ein Trend, dem entgegengewirkt werden soll: Immer öfter sind Fahrtenschreiber manipuliert – auch in Reisebussen.

Ein grenzüberschreitendes Projekt haben in dieser Woche die Leiter der Polizeidirektion Görlitz sowie der Bezirkspolizeidirektionen Liberec und Usti nad Labem auf den Weg gebracht. Polizeipräsident Torsten Schultze, Direktor Vladislav Husák und Direktor Jaromír Kníže unterzeichneten in Görlitz am Nachmittag eine entsprechende Kooperationsvereinbarung.

Diese zielt auf eine noch intensivere Zusammenarbeit der sächsischen und tschechischen Polizei ab. Dabei stehen Kontrollen des grenzüberschreitenden, gewerblichen Schwerlastverkehrs im Fokus. „Modernste Computer- und Auswertetechnik, mit welcher Verstöße aufgedeckt werden können, möchte die Polizeidirektion Görlitz auf diesem Weg gemeinsam mit ihren tschechischen Partnern beschaffen“, wie diese informiert.

Der vollständige Projektantrag wird bei der Sächsischen Aufbaubank eingereicht. Einen positiven Bescheid vorausgesetzt, könnten die Partner im kommenden Jahr beginnen, das mit Fördermitteln der Europäischen Union unterstützte Projektes umzusetzen.

Dazu Polizeipräsident Torsten Schultze: „Die Landkreise Bautzen und Görlitz sowie die Bezirke Liberecky und Ustecky sind tagtäglich Durchfahrtsgebiet des grenzüberschreitenden Schwerlastverkehrs. Der Zusammenarbeit der Verkehrspolizei kommt daher auch auf diesem Gebiet besondere Bedeutung zu.“ Gemeinsame Schulungen und Verkehrskontrollen gebe es schon jetzt, aber diese sollen intensiviert werden.

Mit der modernen Technik und aktuellem Know-how will die Polizeidirektion Görlitz einem gegenwärtigen Trend im Schwerlastverkehr begegnen. Immer häufiger stellen die Beamten des Verkehrsüberwachungsdienstes bei Lkw und Reisebussen manipulierte Fahrtenschreiber fest. Dabei handelt es sich meist um kein Kavaliersdelikt, sondern um eine Straftat.

Nicht nur, dass mithilfe technischer Eingriffe in die Geräte die vorgeschriebenen Lenkzeiten der Fahrer umgangen werden, was deren Verkehrstüchtigkeit und damit auch die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt. Manipulationen an den Geschwindigkeitssensoren der Geräte lohnen sich für die Spediteure auch durchaus wirtschaftlich, wenn statt der vorgeschriebenen und dokumentierten Höchstgeschwindigkeit das Gespann tatsächlich zehn bis 20 Kilometer mehr in einer Stunde zurücklegt. „Zeit ist im Transportgewerbe aufgrund des hohen Konkurrenzdruckes quasi bares Geld wert“, so die Polizeidirektion Görlitz.

Neben der Technik und der Schulung von Polizisten in deren Anwendung soll unter anderem auch ein Transporter mit moderner Videotechnik ausgestattet werden. So wird es den Beamten möglich sein, aus dem vorbeifahrenden Transporter heraus das Verhalten von Lkw- und Busfahrern zu kontrollieren. Das Fahrzeug wird zudem über eine Wärmebildkamera und ein Gerät zur Überprüfung von Dokumenten verfügen.

Noch wichtiger als die zu beschaffende Technik ist laut Polizei aber ein weiterer Aspekt der grenzüberschreitenden Projektarbeit: Die Beamten auf beiden Seiten der Grenze, die tagtäglich bei gemeinsamen Verkehrskontrollen oder bei grenzüberschreitenden Ermittlungen zu Verkehrsverstößen auf eine sehr gute Zusammenarbeit angewiesen sind, werden im Rahmen dieses Projektes bei gemeinsamen Seminaren und gegenseitigen Hospitationen Gelegenheit haben, die Zusammenarbeit zu vertiefen, einander besser kennenzulernen und so die Qualität der eigenen Arbeit zu verbessern.

(dh)