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Greenpeace wirbt am Tagebaurand

Weißwasser. Zu einer Informationsveranstaltung hat die Umweltorganisation Greenpeace am Dienstagabend nach Rohne eingeladen. Überschrieben war die Veranstaltung mit "Wie sich der neue Tagebau noch verhindern lässt". Gabi Nitsche

"Greenpeace ist überzeugt: Dieser Tagebau ist umweltschädlich, überflüssig und rechtswidrig", hieß es in der Einladung. In Zeiten der Energiewende stünden die Chancen gut, den Tagebau noch zu verhindern.

"Wir sind der Auffassung, es gibt keinen objektiven Bedarf mehr." Mit diesen Worten zielte die im Auftrag von Greenpeace agierende Rechtsanwältin Roda Verheyen aus Hamburg auf die Pläne Vattenfall zum laufenden Braunkohlenplanverfahren für den Tagebau Nochten.

Zum einen würde der Ausbau der erneuerbaren Energien rasant an Tempo zulegen. Greenpeace prognostiziere für 2050 eine Vollversorgung damit. Zum anderen würde der Kohlevorrat im jetzigen Tagebau Nochten/Reichwalde ausreichend sein für die langfristige Versorgung des Kraftwerkes Boxberg, argumentierte Gerald Neubauer von Greenpeace Hamburg. Die Organisation sei überzeugt, dass es Vattenfall in der heutigen Zeit nicht mehr gelänge, einen Bedarf für den erweiterten Tagebau bis 2045 darzulegen, der gesetzeskonform sei. Sollte es doch gelingen, sei die Umsiedlung von 1500 betroffenen Menschen nicht sozialverträglich möglich. Das behauptete die Anwältin vor etwa 80 Besuchern, darunter auch Gäste aus brandenburgischen Orten, die vom Bergbau und von Umsiedlung betroffen sind, in der Mehrzweckhalle Rohne.

Erörterungstermin nutzen

Die Anwesenden wurden von ihr, Gerald Neubauer, René Schuster (Grüne Liga, Umweltgruppe Cottbus) und Tagebau-Gegner Hagen Rösch aus Welzow-Proschim ermuntert, den Erörterungstermin zu den eingereichten Stellungnahmen zum Braunkohlenplan Tagebau Nochten Mitte Dezember in Schleife wahrzunehmen. Es sei sozusagen die letzte Chance, sich gegen die Tagebau-Pläne zu wehren. Der Proschimer erinnerte an den Erfolg, den die brandenburgischen Tagebau-Gegner erst vor einigen Tagen hinsichtlich der Erweiterungspläne für den Tagebau Welzow errungen haben. "Der Braunkohlenplan muss überarbeitet werden. Das bedeutet mindestens eine Verzögerung von einem Jahr, Ausgang offen", betonte dieser. Er könne die Menschen hier nur ermutigen, diesen Termin wahrzunehmen. Es lohne sich.

Bürger wollen Klarheit

Schleifes Bürgermeister entgegnete, dass es nicht hilfreich wäre, würde sich das Verfahren für die beabsichtigte Erweiterung des Tagebaus Nochten verzögern. "Das gerade wollen wir nicht." So wie Bork machte auch die Trebendorfer Bürgermeisterin deutlich, dass die Bürger rechtzeitig befragt wurden, ob sie die Entscheidung über die Erweiterungspläne abwarten wollen. Die Mehrheit derer, die sich daran beteiligten, entschied sich dafür, dass parallel zur Braunkohlenplanung eine mögliche Umsiedlung vorbereitet werden soll. "Wir wollen Klarheit, Sicherheit, wollen wissen, was uns erwartet." Wenn das Verfahren weiter hinausgezögert würde, sei das eine Belastung für die betroffenen Menschen, betonte die Trebendorferin. Das wolle niemand.

Greenpeace käme zwanzig Jahre zu spät, warfen einige Anwesenden ein. Der Eingriff in die Natur erfolge jetzt und sei dem Braunkohleplan von 1994 geschuldet, gab Reinhard Bork zu bedenken. Christian und Edith Penk aus Rohne warnten eindringlich vor den Auswirkungen des Tagebaus.

"Welche Chance haben wir denn? Oder ist es für die Katz', so ein Tamtam zu machen?", fragte Gemeinderat Ingo Schuster (BI Umsiedler). Nach Ansicht der Rechtsanwältin bestünden rechtliche Möglichkeiten. "Es ist nicht aussichtslos." Das Wasserrecht sei diesbezüglich ein "scharfes Schwert", erwähnte sie. Entweder die Menschen ergeben sich ihrem Schicksal oder sie kämpfen, mahnte Rösch.

Zum Thema:
Zum Braunkohleplan für das Abbaugebiet II des Tagebaus Nochten haben sich laut Planungsverband rund 1100 Personen geäußert. Darunter sind rund 500 private Einwendungen mit mehreren Unterschriften sowie 107 Stellungnahmen von Ämtern, Verwaltungen und Verbänden.