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| 15:50 Uhr

Aus dem Gericht
Grausamer Mordversuch in Bad Muskau nicht nachweisbar

 Blick auf das Land- und Amtsgericht Görlitz. (Archivbild)
Blick auf das Land- und Amtsgericht Görlitz. (Archivbild) FOTO: picture alliance / dpa / Pawel Sosnowski
Bad Muskau/Görlitz. Die Kronzeugin kehrt vor dem Görlitzer Landgericht zu ihrer ursprünglichen Version zurück. Das glaubt ihr das Gericht nicht mehr. Der Angeklagte wird daher lediglich zu einer Geldstrafe verurteilt. Von Christian Köhler

Im Prozess um einen Mordversuch in Bad Muskau im November letzten Jahres steht ein Urteil: Ein heute 58-Jähriger, der aus Vietnam stammt, ist zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro verurteilt worden. „Das Gericht konnte in den Verhandlungen letztlich nicht aufklären, ob er tatsächlich versucht hatte, eine Frau in Bad Muskau anzuzünden“, berichtet Landgerichtssprecher Jörg Küsgen.

Vorwurf: Die Ex mit Benzin übergossen und gedroht, sie anzuzünden

Äußerst skurril nämlich zeigt sich die Geschichte des Verfahrens am Landgericht Görlitz, das Ende vergangener Woche beendet wurde. Ganz am Anfang steht der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die wirft dem in Bad Muskau wohnhaften 58-Jährigen vor, versucht zu haben, seine Ex-Freundin heimtückisch und grausam zu  töten. In Bad Muskau hat die Tat vor rund einem halben Jahr für reichlich Gesprächsstoff unter der Bevölkerung gesorgt: Auf dem Grundstück, wo seine ehemalige Lebensgefährtin wohnt, soll der Mann mit einer mit Benzin gefüllten Bierflasche erschienen sein. Das Benzin wiederum soll er über sie gegossen und anschließend nach einem Feuerzeug gegriffen und seiner einstigen Freundin gesagt haben, er werde sie nun „zu Tode brennen“.

Ex-Freundin weicht von Aussage bei der Polizei ab

Im Gerichtssaal ist Mitte Mai, so Jörg Küsgen, das mutmaßliche Opfer allerdings von dieser Version der Tat erheblich abgewichen. Die 35-Jährige hat im Zeugenstand angegeben, dass ihr der Ex das Benzin lediglich deshalb über ihren Pullover gekippt haben soll, weil er einen Fleck auf der Kleidung habe entfernen wollen. Genau diese Version hatte zuvor der Beschuldigte ebenfalls dem Gericht erklärt. Zu keinem Zeitpunkt, so schildert er dem Staatsanwalt sowie dem Richter, habe er die Absicht gehabt, seine ehemalige Lebensgefährtin anzuzünden. Die Staatsanwaltschaft allerdings konfrontiert die Frau mit den Angaben, die sie bei der Polizei gemacht hatte. Das aber, so erklärt sie, sei nicht so gewesen, wie sie es einst ausgesagt hatte. Daraufhin erkennt die Görlitzer Staatsanwaltschaft eine Falschaussage bei der Zeugin und lässt diese festnehmen.

Der 58-Jährige wird aus der Untersuchungshaft entlassen. Rund ein halbes Jahr hatte er dort eingesessen.

Erneute Wendung während der zweiten Verhandlung

Dann wieder die jähe Wendung: Am zweiten Verhandlungstag schwenkt die Frau wieder um. Nun kehrt sie zu ihrer ursprünglichen Version zurück. Um ihren gemeinsamen Sohn zu besuchen sei der Angeklagte an jenem Wintertag bei ihr erschienen. Letztlich sei es aber dabei zum Streit gekommen. Das über sie gegossene Benzin habe sie durchaus gerochen, ihren Ex-Lebensgefährten weggeschubst und dann gehört, dass er sie anzünden wolle.

Durch das Hin und Her aber hat das Gericht die Glaubwürdigkeit der Zeugin infrage gestellt. Ihr Sohn jedoch habe ihre Geschichte bestätigt – und widerspricht damit der Version des Vaters, „der zu keinem Zeitpunkt“ habe seine Ex anzünden wollen.

Nachweis, wie es wirklich war, ist nicht zu erbringen

Weil das Gericht im Grunde dennoch nicht nachweisen konnte, dass es sich um einen Mordversuch gehandelt hatte, entschloss es sich, so Jörg Küsgen, den Angeklagten wegen Bedrohung zu verurteilen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.