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Grabhaus gibt Geschichte preis

Drei Grabsteine sind an der Rückwand des Totenhauses zu finden. Sie sollen von einem Steinmetz im Zuge der Sanierung überarbeitet werden.
Drei Grabsteine sind an der Rückwand des Totenhauses zu finden. Sie sollen von einem Steinmetz im Zuge der Sanierung überarbeitet werden. FOTO: rw
Bad Muskau. Zum alten Friedhof in Bad Muskau gehören nicht nur das Grab von Machbuba – das Mädchen, das Fürst Pückler 1840 von seiner Orientreise mit nach Muskau gebracht hat –, von Pücklers Freund Leopold Schefer und Garteninspektor Jacob Heinrich Rehder, sondern auch drei Grabhäuser. Wobei von einem seit einem Unwetter Mitte der 80er-Jahre nur noch Reste des Mauerwerks vorhanden sind. Regina Weiß / rw

Die anderen beiden erfuhren nach der Wende zumindest von außen eine Aufwertung. Die Dächer und der Großteil des Putzes wurden auf Vordermann gebracht.

Nun soll noch mehr passieren. Wobei Mitglieder des Gemeindekirchenrates schon fleißig Hand angelegt haben. Es ging los mit einer Aufräumaktion. Doch mit ein bisschen Fegen, Ausräumen und Sortieren war es nicht wirklich getan. Es wurde durchaus Muskauer Geschichte bewegt und freigelegt.

Gemeindekirchenrats-Mitglied Franz Klenner erzählt, dass eigentlich nur der Fußboden des einen Grabhauses ausgebessert werden sollte. Doch dann wurde es schweißtreibend: Den Aktiven wurde klar, dass sich Hohlräume unter dem Fußboden befinden. Alles wurde frei geschippt. Dabei wurden nicht nur viel Sand und Kohle bewegt, sondern auch Fundstücke geborgen. Ersteres erklärt Franz Klenner damit, dass das Grabhaus viele Jahrzehnte als Abstellraum genutzt wurde. Letzteres zeugt von einer Vielzahl an Bestattungen, die in dem Haus stattgefunden haben müssen. Freigelegt wurden nicht nur Balken und Gewölbe, sondern auch drei gut erhaltene Grabsteine (siehe Infobox).

Derzeit ruht die Baustelle, und das aus gutem Grund. Die Kirchgemeinde wird einen Fördermittelantrag bei Leader stellen, um das Grufthaus sanieren zu können. Mit Planerin Karin Noack aus Zschorno sei eine Partnerin gefunden worden, die sich um die Details und den nicht ganz einfachen Fördermittelantrag kümmert. "Ich denke, unsere Chancen stehen gut", formuliert es Franz Klenner vorsichtig. Parallel dazu werden Kostenvoranschläge von Firmen eingeholt. Rund 30 000 Euro soll das Vorhaben kosten, ist der derzeitige Schätzungsstand.

Geplant ist beispielsweise, dass die Grabsteine überarbeitet werden und die Fundstücke entsprechend präsentiert werden. Ein Blick in das Grabhaus soll dann für Interessenten möglich sein. Dafür sollen die Öffnung an der Berliner Straße - die Grabhäuser stehen am Rand des Friedhofes - sowie der obere Eingang mit schmiedeeisernen Gittern versehen werden. Zudem soll eine Treppe direkt am Grufthaus entlang künftig auf den alten Friedhof führen.

Der steht bei so manchen Touristen wegen der anfangs erwähnten Grabstellen auch auf dem Besuchsprogramm. Mit der Sanierung des Gebäudes würde das Areal noch mehr aufgewertet, ist sich Franz Klenner mit seinen Mitstreitern sicher. 2018 könnte es soweit sein.

Zum Thema:
In einem Totenhaus (Grabhaus) auf dem alten Friedhof stehen an der rückwärtigen Wand drei gleichgroße Gedenksteine. Sie sind von einem Kunoth in Camenz (Sachsen) gefertigt, steht auf einem der Steine. Zu lesen ist auf ihnen unter anderem der Name von Kaufmann Heinrich August Opitz. Der Sohn des Bürgermeisters starb 1824. Er wurde nur 36 Jahre alt. Weiterhin müssen in dem Grabhaus ein Apotheker, ein Stadtrichter und seine Frau, ein Kaufmann und seine Frau sowie zwei Kinder bestattet sein. Dass dort mehrere Bestattungen stattgefunden haben, darauf deutet auch die Vielzahl an Sarggriffen hin, die bei der Beräumung des Grabhauses gefunden wurden. Der alte Friedhof neben der Jakobskirche wurde 1888 geschlossen. (rw)

Das Grufthaus soll mit Fördermitteln saniert werden. Der Antrag dafür wird vorbereitet.
Das Grufthaus soll mit Fördermitteln saniert werden. Der Antrag dafür wird vorbereitet. FOTO: rw