ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:02 Uhr

Gotthard Petrick verhalf „Arsall“ zu neuer Blüte

Weißwasser.. Von 1918 bis 1929 wurden in den Vereinigten Glaswerken AG (VLG), der heutigen Stölzle-Oberglas Lausitz GmbH, Produkte mit der Signatur Arsall hergestellt. Hinter diesem geschützten Warenzeichen verbargen sich beeindruckende Erzeugnisse der Glasveredlung im Jugendstil. Heute versucht ein Mann diese Tradition wieder aufleben zu lassen – Gotthard Petrick. Von Ingolf Tschätsch

Gotthard Petrick (r.) zeigt Gästen der Ausstellungseröffnung Arsallgläser aus Weißwasseraner Produktion. Die neue Sonderschau des Glasmuseums an der Forster Straße ist noch bis zum 29. Juni zu sehen.Am Freitagabend wurde im Glasmuseum Weißwasser eine Sonderausstellung von Gotthard Petrick eröffnet, die auf großes Interesse in der Öffentlichkeit stieß. Die zahlreichen Besucher bekamen eine reizvolle Gegenüberstellung offeriert. Da waren Vitrinen mit den Originalen aus jener Zeit zu sehen, die vom Stadtmuseum Cottbus und zehn privaten Sammlern als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden. Das wohl eindrucksvollste Exponat stellte eine Arsall-Tischlampe mit ägyptischen Landschaften dar. Sie war einst dem König Fuad von Ägypten bei seinem Deutschlandbesuch auf dem Bahnhof von Weißwasser als Ehrengeschenk überreicht worden. Der Herrscher galt zu seiner Zeit ebenfalls als Liebhaber der Arsall-Gläser, soll eine größere Anzahl etwa 80 Zentimeter hoher Vasen mit Jagdmotiven in Weißwasser bestellt haben, wie die Chronik berichtet.
Nur wenige Schritte von diesen alten Stücken entfernt fällt das Auge des Betrachters auf jene Artikel, die die Arsall-Technik der Neuzeit präsentieren. So sind Erzeugnisse ausgestellt, die das Ergebnis von Versuchen 1990 in der Bärenhütte darstellen, der alten Weißwasseraner Glasmacherkunst zu neuer Blüte zu verhelfen. In Anfängen gelang das.
Bereits hier ist der Name Gotthard Petrick zu nennen, der zu jener Zeit Technischer Leiter des Betriebes war. Er hatte, nachdem die Arsall-Technik bereits in Vergessenheit zu geraten schien, sofort Versuche zu ihrer Produktion begonnen. Damit erfüllte er sich einen langgehegten Wunsch, denn bereits während seines Studium 1975 bis 1980 an der Glasfachschule in Weißwasser, als er erstmalig von Arsall hörte, war er davon total begeistert. Seither ließ den Weißwasseraner der Gedanke nicht mehr los, diese Technik in neuer Form aufleben zu lassen.
Diese Idee verfolgte der Weißwasseraner auch, als er zehn Jahre lang in der europäischen Glasindustrie seinen beruflichen Aufgaben nachging. Das Hobby „Arsall“ verlor er nie aus den Augen. Inzwischen ist Gotthard Petrick Vertriebsingenieur eines bedeutenden Glasunternehmens am Bodensee und hat persönlich den Durchbruch in Sachen Arsall geschafft. Zum Jahreswechsel 2002/2003 erreichten seine Erzeugnisse die gewünschte Qualität, womit er als Begründer einer modernen Variante des Arsall-Glases gelten kann.
Wie Gotthard Petrick im Gespräch mit der RUNDSCHAU erzählte, verwendet er die Sandstrahltechnik. Nähere technische Einzelheiten wollte er aus verständlichen Gründen nicht nennen, da die Produkte auf den Markt kommen, Geld bringen sollen, womit Petrick sein Berufsgeheimnis wahren muss. Wie er bei der Eröffnung jedoch freimütig bekannte, kommen seine Erzeugnisse vom Filigranheitsgrad noch nicht an die Originale von einst heran. Das sei das Problem und daran arbeite er, wie er sagte.

Hintergrund Zum Begriff Arsall
 Er kommt von Ars (Kunst) und all, was Alemania (Deutschland) heißen soll. Typisch für Arsall ist der zweifache Überfang aus farblosem, hellgrünem oder rosafarbenem Grundglas, das aus dem Dekor herausgeätzt wurde. Vorher war dieses mit einem säurefesten Lack abgedeckt gewesen.