Gottfried Unterdörfer war jahrzehntelang Revierförster und Schriftsteller in Uhyst. Aber kein Oberförster. „Und dass, obwohl er dazu die Chance hatte“, sagt Margot Klingsporn. Die heute 77-jährige Lohsaerin kannte den Dichterförster (1921-1992) seit ihren Kindertagen. Schließlich ist sie die einzige Tochter des Weißkollmer Oberförsters Oskar Trommler (1899-1985). Zu dessen Oberförsterei innerhalb des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Hoyerswerda (StFB) gehörte neben den Revieren Neustadt, Burg und Koblenz auch Uhyst. Mehr als dreieinhalb Jahrzehnte, bis zu seiner Pensionierung, blieb Gottfried Unterdörfer seinem Uhyster Revier, dem östlichsten im Kreis Hoyerswerda, treu. Fast täglich ging er in der Weißkollmer Oberförsterei ein und aus.

Unterdörfer war ein geschätzter Kollege

„Ich weiß noch heute, wie mir Unterdörfer zu meiner Konfirmation gratulierte. Das war im Jahr 1956“, erinnert sich Margot Klingsporn. Unterdörfer, so weiß sie weiter, wurde nicht nur für seine fachlichen Fähigkeiten geschätzt, sondern ebenso wegen seiner Kultiviert- und Höflichkeit. Er galt als Mann der leisen Töne.

Nach dem altersbedingten Ausscheiden von Oskar Trommler aus dem Forstdienst bot sich für Gottfried Unterdörfer die Chance, dessen Nachfolge anzutreten. „Er wollte aber gar nicht Oberförster werden“, erinnert sich Margot Klingsporn. „Denn er benötigte auch zukünftig ausreichend Zeit zum Schreiben“, begründet die Lohsaerin. Das bestätigt auch Unterdörfers Sohn Burkhard Unterdörfer, der selbst über Jahrzehnte als Forstmann tätig war.

Auch Geld lockte den Dichterförster nicht

Zudem gab es noch weitere Gründe für den Verzicht: „Hätte Vater den Karrieresprung gewagt, hätte er sich mit den politischen Verhältnissen zu DDR-Zeiten arrangieren müssen. Das lag ihm fern. Selbst die Aufstockung seines Gehaltes konnte ihn nicht locken. Schließlich bekam er Geld für seine Bücher.“ Zehn Werke erschienen zu Unterdörfers Lebzeiten, bislang drei weitere postum. Im Winter 2020 ist das Buch: „Blätter unter Licht und Schatten – Ein Försterjahr“ veröffentlicht worden.

Letztendlich wurde Gottfried Unterdörfer doch noch zum Oberförster ernannt, wenn auch ehrenhalber. „Das war im Jahr 1987 zu seiner Pensionierung“, erinnert sich Burkhard Unterdörfer.