Der Wettergott zauberte auch bei Terrassen-Chef Karsten-Olaf Müller ein breites Strahlen auf die Lippen. „Ich habe einen festen Vertrag mit dem Herrn dort oben“ , behauptete Müller schmunzelnd. Besonders angesagt waren bei den Leuten die letzten Touren in die bizarre Grubenlandschaft hinunter bis zum tiefsten Grund des zukünftigen Ilsesees. Mit der Abschaltung der Grundwasserpumpen soll am Jahresende auch im Tagebau Meuro die Flutung der neuen „Naturbadewanne“ beginnen. Die gefragten Expeditionen ins ausgekohlte Niemandsland vor Großräschen-Süd wird die Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land jedoch auch im kommenden Jahr auf dann veränderten Wegen anbieten, kündigte Terrassen-Chef Müller an.
Vorerst bis Ende Februar 2006 bleibt ebenfalls die IBA-Werksschau „Bewegtes Land“ für die Besucher der IBA-Terrassen offen. „Mit zehn Großveranstaltungen, fünf internationalen Fachkonferenzen und einem beachtlichen Medienecho in Europa können wir auf ein gelungenes Halbzeitjahr zurückblicken“ , zog IBA-Chef Prof. Rolf Kuhn zufrieden Bilanz. Seit Eröffnung der Halbzeit-Doku zur größten Landschaftsbaustelle Europas am 15. April strömten allein über 65 000 Gäste auf die Großräschener Ausstellungsterrasse.
„Die Internationale Bauausstellung hat mit 24 Projekten eine hohe Identifikation erreicht. Das zeigen die wachsenden Besucherzahlen“ , sagte die brandenburgische Justizministerin Beate Blechinger (CDU). Passend zum 220.Geburtstag von IBA-Namenspatron Fürst Pückler nahm Blechinger am Sonntag Bezug auf Pücklers Visionen vom Wandel der Kulturlandschaft: „Auch am Anfang der IBA in der Lausitz stand eine Vision.“ Aus der Vision sei mittlerweile Realität geworden. In den kommenden Jahren will IBA-Chef Kuhn mit seiner Mannschaft nach eigener Ansage weniger die Vergangenheit, sondern mehr die „neuen Elemente für die Lausitz“ in den Blickpunkt rücken. „Der Seenkette müssen es die Leute ansehen, dass sie durch Menschenhand geformt wurde. Dies kann gelingen, wenn an die schwimmenden Stege eben noch die schwimmenden Häuser angedockt werden“ , erläuterte Kuhn bildhaft die geplante Philosophie der zweiten IBA-Halbzeit. Zum inhaltlichen Schwerpunkt für 2006 ist das Thema „Europa“ auserkoren (siehe Kasten).
Mit der Weltpremiere des 15-Minuten-Westernfilms „Rote Sonne“ rückte am Samstag beim 30. Terrassenabend in Großräschen derweil noch einmal das von der Kohle geprägte Landschaftsbild der Lausitz in den spektakulären Mittelpunkt. Der Berliner Regisseur und Fernsehautor Malte Fischer produzierte das klassische Cowboy-Drama um Liebe, Geldgier und Rache im letzten August drei Tage und Nächte lang in der staubigen Ca nyonwelt der Meuroer Grube.
„Aus echter Leidenschaft wollte ich immer schon einen Western drehen. Durch eine Bekannte habe ich hier draußen die passende Kulisse dafür gefunden“ , erzählte der 27-jährige Regisseur nach der erfolgreichen Premiere. Über die „filmreifen“ Möglichkeiten der heimischen Tagebaulandschaft sprachen Lausitzer Bergleute allerdings schon vor Jahrzehnten. „Wir haben uns immer gefragt, warum Gojko Mitic für seine Indianerfilme bis nach Jugoslawien fahren musste“ , gab Eberhard Roick aus Großräschen am Samstagabend lächend alten Kumpel-Klatsch zum Besten.
Für originelle Geschichten der ganz anderen Art stehen auf der mittleren IBA-Terrasse einige Spaten in der laufenden Werksschau neben der riesigen Schaufel eines alten Tagebaubaggers. Um das Verhältnis von industrieller Produktion und einfacher Handarbeit zu verdeutlichen, hatten die IBA-Macher im vorigen Dezember die Region zu einer „Spaten-Paten-Aktion“ aufgerufen. Immerhin 84 Spender beteiligten sich an der Aktion. In die Ausstellung kamen 79 Spaten.
Während Katja Wolf, Chefin der IBA-Öffentlichkeitsarbeit, beim Saisonausklang am Sonntagnachmittag noch die eingeladenen „Spaten-Paten“ kürte, blickte Steffen Perl (38) mit Freundin Kathrin Dreisvoigt (36) und Tochter Denise (9) von der ins grelle Sonnenlicht getauchten Seebrücke unterhalb der Großräschener IBA-Terrassen auf den staubigen Grund des zukünftigen Ilsesees. Gewinner des langsamen Landschaftswandels im IBA-Land werden die jüngsten Lausitzer sein, meinte der 38-Jährige aus Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) nachdenklich. „Die Kinder haben keine Vorstellung mehr davon, was ein Schaufelradbagger war. Bis die Seen fertig nutzbar sind, ist unsere Tochter aber schon erwachsen“ , meinte Perl.

Zum ThemaZum Thema Das WinterprogrammDas Winterprogramm
  Bis Ende Februar 2006 ist die Werksschau auf den IBA-Terrassen dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet.
Der reguläre Eintritt kostet 3,50 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder. Auch Gutscheine bleiben bis zum Februar gültig.
Bis zum Jahreswechsel sollen auch noch einige Terrassenabende stattfinden, am 5. November ab 19 Uhr: „Ideen zum Lausitzer Seenland“ .
Im „Europa-Jahr“ 2006 sind dann ab April auf den Terrassen monatliche Kulturfeste der IBA-Partnerländer Polen, Italien, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland (in dieser Reihenfolge) eingeplant. Bis Ende Februar 2006 ist die Werksschau auf den IBA-Terrassen dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet.
Der reguläre Eintritt kostet 3,50 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder. Auch Gutscheine bleiben bis zum Februar gültig.
Bis zum Jahreswechsel sollen auch noch einige Terrassenabende stattfinden. Am 5. November wird ab 19 Uhr über „Ideen zum Lausitzer Seenland“ diskutiert.
Im „Europa-Jahr“ 2006 sind dann ab April auf den Terrassen monatliche Kulturfeste der IBA-Partnerländer Polen, Italien, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland (in dieser Reihenfolge) eingeplant.