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Görlitzer Trinkwasser im Vergleich

Wie teuer es für den Verbraucher wird, wenn er den Wasserhahn aufdreht, hängt vom Wohnort ab.
Wie teuer es für den Verbraucher wird, wenn er den Wasserhahn aufdreht, hängt vom Wohnort ab. FOTO: fotolia
Görlitz. Ist Trinkwasser in Görlitz teurer als in den meisten vergleichbaren Städten? Ein vom Vergleichsportal billiger.de durchgeführter Preisvergleich unter 122 deutschen Städten legt das zumindest nahe. Die Stadtwerke Görlitz GmbH (SWG) bezweifeln die Aussagekraft des Tests. Uwe Menschner / ume1

Für ihr Trinkwasser müssen die Görlitzer mehr bezahlen als Bewohner von Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest das Vergleichsportal billiger.de, das die Wasserpreise in mehr als 100 deutschen Städten verglichen hat. Und so sieht das Ergebnis aus: Bei Ein-Personen-Haushalten belegt die ostsächsische Kreisstadt mit jährlichen Gesamtkosten von 243 Euro den 14. Platz unter 122 getesteten Städten. Hierfür wurde ein Verbrauch von 122 Litern am Tag angenommen.

Bei Zwei-Personen-Haushalten "reicht" es mit 319 Euro immerhin noch zu Platz 18 (angenommener Verbrauch: 244 Liter). Die Abweichung zum bundesweit ermittelten Durchschnittspreis liegt demnach bei 45 beziehungsweise 28 Prozent.

Bei Familien, die nach der billiger.de-Annahme 366 Liter am Tag verbrauchen, liegt Görlitz mit 433 Euro gar auf Platz 5 (Abweichung vom Durchschnitt: 30 Prozent).

Begrenzte Aussagekraft

Diese Zahlen haben nach Auffassung der Stadtwerke Görlitz GmbH nur begrenzte Aussagekraft. "Beim Blick auf die Deutschlandkarte des Tests wird deutlich, dass die Wasserpreise im Osten Deutschlands generell höher sind als in den westlichen Bundesländern", erklärt Belinda Brüchner, Mitarbeiterin für Marketing und Kommunikation. Dies sei keine Überraschung und historisch bedingt: "Nach der Wende musste viel in Anlagen und Netze investiert werden. Noch heute kämpfen wir in Görlitz, um die Folgen des Investitionsstaus vor 1990 zu beseitigen. Dies wirkt sich natürlich auf den Trinkwasserpreis aus. In der nächsten Kalkulationsperiode investieren die Stadtwerke Görlitz im Wasserbereich 16 Millionen Euro."

Tatsächlich liegen neben Görlitz relativ viele ostdeutsche Städte im oberen Bereich der Tabelle - aber nicht nur: Die Spitzenpositionen werden von Städten des Ruhrgebietes eingenommen. Hingegen sind die Kosten in Cottbus, Frankfurt/Oder und Magdeburg auch im deutschlandweiten Vergleich verhältnismäßig gering.

Einen weiteren Grund für ein vermeintlich verfälschtes Ergebnis sehen die SWG darin, dass das Testportal ausschließlich Bewohner von Einfamilienhäusern in die Betrachtung einbezogen hat. "Ein Zwei-Personen-Haushalt in Görlitz in einem Mehrfamilienhaus mit 40 Wohneinheiten muss lediglich 61,56 Euro im Jahr brutto zahlen, ein Drei-Personen-Haushalt im Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten 74,39 Euro. Diese Fälle sind in Görlitz weitaus häufiger", betont Belinda Brüchner. Mit diesen Preisen brauche sich Görlitz nicht zu verstecken.

Des Weiteren halte die Stadt Görlitz eine Infrastruktur vor, die einst für 100 000 Personen gedacht war, heute aber nur noch von 56 000 Personen genutzt werde.

Irreführende Schlüsse

Auch der von billiger.de angenommene Durchschnittsverbrauch von 122 Litern pro Person und Tag sei nicht realistisch: In Görlitz liege dieser bei 90 Litern.

Belinda Brüchner bemängelt, dass die Ursachenanalyse für die Unterschiede bei billiger.de gerade einmal zwei Absätze auf 16 Seiten umfasse - "dies lässt einige Schlüsse zur Qualität dieser Auflistung ziehen."

Auch der Bund der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft kritisiert die aus dem Test gezogenen Schlussfolgerungen und nennt einen reinen Preisvergleich "irreführend", da er wichtige Kostenfaktoren nicht berücksichtige. Auch müssten die Versorger regional unterschiedliche Umweltauflagen erfüllen.