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| 19:24 Uhr

Ausstellung zu NS-Raubkunst
Görlitzer Sammlungen forschen zu NS-Raubkunst

Görlitz. Das Museum versucht nach einem Beschluss des Stadtrats, die rechtmäßigen Erben ausfindig zu machen.

Die Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur haben einen Teil ihrer Vergangenheit aufgearbeitet und zur Herkunft von NS-Raubkunst recherchiert. Die Ergebnisse werden nun in einer Präsentation innerhalb der Galerie der Moderne im Kaisertrutz sichtbar gemacht. Die Ausstellung „NS-Raukunst in den Görlitzer Sammlungen“ wird mit einer Vernissage am Freitag, 16. Februar, eröffnet.

In den Jahren 1933 bis 1945 wurden die Bestände der damaligen Städtischen Kunstsammlungen Görlitz, der heutigen Görlitzer Sammlungen, um rund 1500 Objekte erweitert, erklärt Mitarbeiterin Kerstin gosewisch. Bereits seit den 1990er-Jahren war bekannt, dass sie während der Zeit des Nationalsozialismus zum Teil unter unrechtmäßigen Umständen erworben worden sind. Sie stammten aus jüdischen Privatsammlungen, deren Eigentümer von den Nationalsozialisten enteignet, aus dem Land getrieben oder umgebracht worden waren.

Mit Unterstützung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen konnte in den Jahren 2016 und 2017 die Provenienzen jener Neuerwerbungen systematisch erforscht werden. Die Recherchen führten die Kunsthistorikerin Dr. Katarzyna Zinnow und die Kulturwissenschaftlerin Silke Maria Hampel durch. Zentrale Quellen bildeten die lückenlos überlieferten Inventarbücher des Museums.

Im Ergebnis konnten 150 eindeutige Funde und fünf Verdachtsfälle festgestellt werden. Bei Letzteren ist die exakte Provenienz der Stücke anhand der Museumsunterlagen sowie weiterer Archivalien nicht mehr nachvollziehbar. Entsprechend der Transparenzrichtlinien der Washingtoner Prinzipien werden sie im Portal Lost Art (www.lostart.de) als Fundmeldungen eingestellt. Von den 150 Kunstgegenständen befinden sich noch neun Objekte in der Sammlung. Sie werden zusammen mit Reproduktionen der bereits restituierten beziehungsweise seit 1945 verschollenen Kunstwerke und Informationen zu den früheren Eigentümern in der Galerie der Moderne gezeigt, kündigt Kerstin Gosewisch an. Die Stadt Görlitz als Trägerin des Museums und Eigentümerin der Sammlungsgüter sieht sich der Washingtoner Erklärung von 1998 verpflichtet. Darin hatten sich 44 Unterzeichnerstaaten verständigt, von den Nationalsozialisten beschlagnahmte Kunstwerke zu identifizieren, Alteigentümer und Erben ausfindig zu machen und mit diesen eine gerechte und faire Lösung zu finden. Die daraufhin formulierte Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände sieht die Auffindung und Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern vor.

Mit einem Beschluss bestätigte der Stadtrat der Großen Kreisstadt Görlitz diese Verfahrensweise in seiner Sitzung am 25. Januar diesen Jahrs. Entsprechend dieser freiwilligen Selbstverpflichtung wird das Museum versuchen, die rechtmäßigen Erben der nunmehr zweifelsfrei als NS-Raubkunst identifizierten Stücke ausfindig zu machen und ihnen eine Rückgabe anzubieten. Die Kabinettausstellung kann bis 11. November 2018 im Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1,besichtigt werden.

(red/dh)