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| 22:17 Uhr

Polizeiarbeit
Görlitzer Polizeizellen haben Kinderzimmergröße

Auch die Volkspolizei der DDR durfte beim Tag der offenen Tür in Görlitz nicht fehlen - hier in Form der alten Polizeiautos.
Auch die Volkspolizei der DDR durfte beim Tag der offenen Tür in Görlitz nicht fehlen - hier in Form der alten Polizeiautos. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Görlitz. Jedes Oberlausitzer Revier verfügt zudem über eigene Mini-Gefängnisse. Von Torsten Richter-Zippack

Sie sind gefliest, verfügen über jeweils ein Fenster ohne Öffnung und Ausblick, bieten eine Stehtoilette, eine Holzpritsche und einen Wasseranschluss. Mehr ist in den insgesamt drei Gewahrsamszellen der Polizeidirektion Görlitz nicht drin. „Mit einer Größe von zehn bis zwölf Quadratmetern sind sie etwa so groß wie ein Kinderzimmer“, zieht Polizeihauptmeister Steffen Schönfelder während des jüngsten Tages der offenen Tür in der Polizeidirektion einen schlüssigen Vergleich. Kinder werden dort allerdings nicht festgehalten, dafür Erwachsene, die krimineller Taten verdächtigt werden. Knapp 48 Stunden könne jemand in der Zelle zubringen. Bis dahin muss der Haftrichter entscheiden, ob es in Haft geht oder die Freilassung erfolgt.

Die spartanische Ausstattung geschieht nicht aus Rachegelüsten oder Böswilligkeit, sondern hat einen ganz einfachen Grund. „Die Gefangenen befinden sich zumeist in einer psychischen Ausnahmesituation“, erklärt Schönfelder. Mancher verfolge Selbstmordgedanken. Je weniger in der Zelle drin ist, desto geringer sei die Verletzungsgefahr.

Zudem habe der Häftling die Zeit im Gewahrsam nur mit Unterhose bekleidet zu verbringen. Entsprechend warm ist es jedenfalls in diesen Räumen. Der Rest der Bekleidung wandere in die Aservatenkammer. Wird derjenige entlassen, gibt es die persönlichen Dinge zurück.

Wer Hunger hat, bekommt spartanische Kost. Allerdings gibt es durchaus Ausnahmen: „Möchte jemand einen Döner oder chinesische Kost, können wir ihm diese besorgen. Das kostet dann aber entsprechend“, stellt Polizeihauptmeister Schönfelder klar. Selbst das Standard-Essen werde dem Zellengast in Rechnung gestellt, ebenso wie die Blutabnahme vonseiten eines Arztes. Im roten Lebenssaft werde nach Spuren von Alkohol und Drogen gefahndet.

Um eines muss sich der Insasse der Zelle jedenfalls nicht kümmern. „Die Reinigung übernimmt eine Firma“, sagt Steffen Schönfelder. Darüber hinaus seien auch Spezialreinigungen möglich, sollte der Raum beispielsweise mit Blut verschmutzt sein.

Kurios ist, dass in den drei Zellen der Görlitzer Polizeidirektion bislang noch niemand einsitzen musste. „Das Gebäude ist erst seit Anfang 2016 in Betrieb“, nennt Polizeisprecher Torsten Jahn einen Grund. Außerdem besitze jedes Oberlausitzer Polizeirevier selbst fünf bis sechs Zellen, um Verdächtige festzuhalten.

Bevor ein Krimineller in den 48-Stunden-Bau einfährt, hat er zuvor ein ganzes Procedere zu durchlaufen. Nach der Festnahme durch die Streifenpolizisten werden am Tatort Spuren gesichert. Auf der Wache nimmt ein Beamter einen Fingerabdruck. Darüber hinaus werden alle möglichen biometrischen Daten aufgenommen, beispielsweise Größe, Gewicht, Augenfarbe, Schuhgröße und weiteres. Selbst von jedem Tattoo, jedem Piercing und jeder Narbe werden Detailbilder angefertigt. Pro Tag werde dieses Szenario 30 bis 40 Mal durchgespielt. Anschließend kommt es zur Vernehmung, die per Video festgehalten wird. Schließlich, so heißt es, könne dann der Tatverdächtige im Nachhinein nicht behaupten, der Vernehmende habe ihm möglicherweise gedroht. Erst dann gehe es unter Umständen in die Zelle.

In der Polizeidirektion Görlitz, die für die Landkreise Görlitz und Bautzen zuständig ist, gibt es 1500 Mitarbeiter, verteilt auf sieben Polizeireviere. 1200 dort Tätige sind Beamte, die übrigen angestellt, sagt Polizeisprecher Torsten Jahn. Sachsenweit existieren neben Görlitz vier weitere Polizeidirektionen, und zwar in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau.

Vorführung der Polizeihundestaffel, hier beim Stellen eines Tatverdächtigen. In der Polizeidirektion Görlitz gibt es derzeit elf Hundeführer, 15 sollten es sein.
Vorführung der Polizeihundestaffel, hier beim Stellen eines Tatverdächtigen. In der Polizeidirektion Görlitz gibt es derzeit elf Hundeführer, 15 sollten es sein. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack