ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:44 Uhr

Görlitzer Kreistag debattiert über den Wolf
Landrat sieht sozialen Frieden gestört

 Landrat Bernd Lange (CDU) sieht den sozialen Frieden in den besonders stark vom Wolf besiedelten Gebieten „nicht mehr nur gefährdet, sondern gestört.
Landrat Bernd Lange (CDU) sieht den sozialen Frieden in den besonders stark vom Wolf besiedelten Gebieten „nicht mehr nur gefährdet, sondern gestört. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Regina Weiß
Görlitz. Der Görlitzer Kreistag befürwortet einen Antrag der CDU/FDP-Fraktion, der bei hoher Wolfsdichte Abschusspläne vorsieht. Die Linke bezweifelt die Rechtmäßigkeit, der Landrat ist in Sorge. Von Uwe Menschner

. Der Görlitzer Kreistag stellt konkrete Forderungen hinsichtlich des Wolfsmanagements an den Freistaat Sachsen. Die Abgeordneten folgten dabei mehrheitlich einem Antrag der CDU/FDP-Fraktion. Dieser sieht unter anderem eine hundertprozentige Förderung von Herdenschutzmaßnahmen (einschließlich Herdenschutzhunden), zeitnahe und unkomplizierte Schadensregulierungen, die Vereinfachung des Verfahrens zur Entnahme auffälliger Wölfe, Abschusspläne beziehungsweise -quoten in Gebieten mit besonders hoher Wolfsdichte sowie den Erhalt des Kontaktbüros Wolf in Rietschen mit mindestens zwei Vollzeitstellen vor. Beim Bund soll sich der Freistaat für die Aufnahme des Wolfes in den Anhang V der FFH-Richtlinie einsetzen, der jagdbare Arten enthält. Ziel sei die Herstellung von Rechtssicherheit für Entscheidungen im Rahmen des Wolfsmanagements bis hin zur „Entnahme.“ Dass die derzeitigen Regelungen dafür nicht geeignet sind, zeige der Umstand, dass eine solche Entscheidung zu mehreren hundert Strafanzeigen gegen den Landrat führte.

„Artenschutz ist nicht teilbar“, erklärte der CDU-Abgeordnete Christian Berndt. „Er muss auch für Rehe, Damwild und andere Tierarten gelten, die durch den Wolf gefährdet sind.“ In dem Antrag werden die „ausgebliebene Umsetzung bereits beschlossener Maßnahmen“ sowie die „fehlende Akzeptanz und Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Erfahrungen anderer Länder im Umgang mit dem Wolf“ beklagt. Christian Berndt hält die Ergebnisse der vom Görlitzer Senckenberg-Museum für Naturkunde durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen für „politisch gefiltert“. Landrat Bernd Lange (CDU) sieht den sozialen Frieden in den besonders stark vom Wolf besiedelten Gebieten „nicht mehr nur gefährdet, sondern gestört. Das bereitet mir große Sorge.“ In vielen Punkten decken sich die Forderungen der in einer gemeinsamen Fraktion zusammengeschlossenen CDU- und FDP-Abgeordneten mit dem bereits von der Staatsregierung vorgestellten Entwurf einer „Wolfsverordnung“. Auch diese sieht die „Vergrämung und Entnahme“ von Wölfen in genau definierten Fällen vor. Weiterhin sollen demnach mehr Wölfe für die Gewinnung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit Sendern versehen und die Zuständigkeiten beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gebündelt werden. Welche Auswirkungen dies auf das Kontaktbüro in Rietschen hat, ist noch nicht konkretisiert worden.

Einen weiteren Antrag zum Thema Wolfsmanagement hatte die AfD-Fraktion eingebracht. Diese forderte darin, „wolfsfreie Zonen“ auszuweisen. „Es geht uns nicht darum, den Landkreis wolfsfrei zu machen, wie man es vielleicht missverständlich interpretieren konnte. Wölfe, die in besiedelte oder beweidete Gebiete eindringen, müssen aber entnommen werden“, so die Abgeordnete Silke Grimm. Außerdem gelte es, den „guten Erhaltungszustand“ der „eurasischen Metapopulation“ festzustellen, zu der die Lausitzer Wölfe gehörten.

In Kenntnis des CDU/FDP-Antrags reichte die AFD einen Änderungsantrag zu diesem ein, in dem sie dem Kontaktbüro Rietschen „mindestens eine bis maximal zwei Vollzeitstellen“ zugestand und zusätzliche wissenschaftliche Untersuchungen an tot aufgefundenen Wölfen forderte. Dieser Antrag fand jedoch keine Mehrheit.

In den Reihen der Kreisräte gab es freilich auch Stimmen, die sich gegen eine Verschärfung der Regeln für das Wolfsmanagement aussprachen. Sabine Kunze (Die Linke) bezeichnete die Wolfspopulation als „Markenzeichen für die Region“ und wandte sich gegen sogenannte wolfsfreie Zonen: „Diese würden bedeuten, dass die dort lebenden Wölfe abgeknallt werden können. Das widerspricht den Gesetzen, auch mit der neuen Wolfsverordnung.“ Thomas Zenker (Freie Wähler) erklärte, er sehe sich „fachlich nicht in der Lage, fundiert über den Erhaltungszustand der Wölfe zu urteilen“. Das müsse man den Fachleuten überlassen und auch deren Urteil vertrauen.