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Gleichschaltung auch auf dem grünen Rasen in Weißwasser

Weißwasser. Unklar war im Jahre 1933 das Verhalten der Führung des DFB. Sie glaubte, dass der Fußballsport aus der aktuellen politischen Entwicklung kaum Schaden erleiden könnte. Die Gewalt der Nazis wurde verkannt, zumindest unterschätzt. Von Dieter Papritz

Inzwischen war längst folgende Einstellung vorherrschend: ,,Wer sich Hitler ohne Einschränkung zuwendet, konnte auf Förderung hoffen.” Bezeichnend für die Haltung des damaligen DFB war, dass er Hitlers Geburtstag zum Anlass nahm, um 5000 Mark an die Hitlerspende zu überweisen. Der Oberlausitzer sowie der schlesische Fußball wurden ab 1933 systematisch im Sinne des Nationalsozialismus gleichgeschaltet. Die neuen Vereinsvorstände hatten sich im nazistischen Sinne zu formieren. In den dreißiger und bis Mitte der vierziger Jahre hatte der Weißwasseraner Fußball sein Domizil beim niederschlesischen Fußballverband und spielte erfolgreich in der damaligen Niederschlesischen Bezirksklasse Ost-Lausitz.

Strukturänderungen

Mit dem Jahr 1933 änderten sich die Strukturen im Niederlausitzer Fußballsport. Die Gauliga entstand. Um den Aufstieg zur Gauliga treffen die Gruppensieger von Frankfurt/O. und der Lausitz, der 1.FC Guben und der 1.FC Forst aufeinander. Nach der 3:0 und 1:4, bei Tor- und Punktgleich, kommt es vor 4000 Zuschauern in Cottbus zum Entscheidungsspiel, das Guben 4:2 gewinnt und zur Gauliga aufsteigt. Der damalige VfB Weißwasser hingegen schaffte als Meister der Oberlausitz nicht den Sprung in die Schlesische Gauliga. Durch die politische Entscheidung die Kreise Hoyerswerda und Weißwasser auch im Fußball dem Gau Brandenburg anzuschließen, spielen diese Mannschaften künftig wieder in der Lausitz.

Die Saison 1934/1935, Abschlusstabelle Ost-Lausitz 1935: 1. CSC Friesen 66:24 Tore 31:9 Punkte; 2. TSV Weißwasser 44:23 Tore 26:10 Punkte; 3. VfB Senftenberg 40:34 Tore 26:14 Punkte; 4. Brandenburg Cottbus; 5. FC 01 Forst; 6. SpVgg. Döbern; 7. Askania Forst; 8. SV Kunzendorf; 9. Union Cottbus; 10. Spremberger SC 11. FC Grube Ilse.

Bedingt durch winterliche Spielausfälle, kam es im Februar 1935 zum Schlüsselspiel, das der CSC Friesen mit einem knappen 1:0 Erfolg über den ärgsten Konkurrenten, dem TSV Weißwasser gewann. Leider verpasste Friesen den Aufstieg in die Gauliga.

Die Saison 1935/36, Abschlusstabelle Staffel Ost: 1. CSC Friesen 87:23 Tore 35:5 Punkte; 2. Amicitia Forst 78:27 Tore 35:5 Punkte; 3. SpVgg. Döbern 56:37 Tore 28:10 Punkte; 4. TSV Weißwasser 59:33 Tore 28:12 Punkte; 5. FC01 Forst; 6. SpVgg. Forst; 7. Askania Forst; 8. SV Kunzendorf; 9. Victoria Cottbus; 10. Berge; 11. Union Cottbus

In der Spielzeit 1936/37 wurde der TSV Weißwasser in die West-Lausitz-Staffel zugeordnet.

Abschlusstabelle 1937 Bezirksklasse Westlausitz: 1. Amicitia Forst 79:19 Tore 36:4 Punkte; 2. SpVgg. Forst 66:32 Tore 25:15 Punkte; 3. SpVgg. Döbern 50:32 Tore 24:16 Punkte; 4. TSV Weißwasser 41:32 Tore 22:18 Punkte; 5. Cottbuser FV 98; 6. SpVgg. Finsterwalde; 7. Sfr. Seifersdorf; 8. VfB Senftenberg; 9. FC Ilse; 10. Viktoria Cottbus; 11. SV Hoyerswerda

Was der Fußball doch für eigenartige Geschichten schreibt. Die in den letzten Jahren so erfolgreiche Mannschaft des SV Hoyerswerda (Vorjahrmeister und Teilnehmer der Aufstiegsrunde zur Gauliga) war nun der klare Absteiger. Der TSV Weißwasser hatte 1937 beim 1. Tschammerpokal (benannt nach dem Reichssportführer, der übrigens aus der Oberlausitz, Kleindehsa bei Löbau, stammte) eine echte Sternstunde. Man schlug in der Zwischenrunde den großen Favoriten SV Marga mit 2:1, um bereits in der 3. Runde bei Wacker Ströbitz mit 1:7 Toren einen sensationellen Sieg gelandet zu haben. In der Saison 1937/38 veränderte sich durch die Eingliederung von Frankfurter Mannschaften in die Bezirksklasse Staffel Ost und West die Zusammensetzung der Mannschaften. Weißwasser spielte absofort in der Niederschlesischen Bezirksklasse Staffel West. Spielgegner in dieser Staffel waren STC Görlitz, SSV Bunzlau, Saganer SV, STC Hirschberg, ATV Penzig, Gelb-Weiß Görlitz und TSV Niesky. Der am 1. September 1939 ausbrechende 2. Weltkrieg hat noch nicht richtig begonnen, da gab es bereits einschneidene Veränderungen. Durch die Kriegsereignisse geprägt, Einberufung zur Wehrmacht , Dienstverpflichtungen, kurzfristige Abberufungen zu Einsätzen der Feuerwehr, des DRK, des TH u. a. Organisationen, kam es zu dezimierten Mannschaften der zivilen Vereine. Behinderungen im Reiseverkehr, Eingriffe und Bevormundungen der öffentlichen Parteibonzen, später einsetzende Luftangriffe und vieles mehr ließen einen geordneten Spielbetrieb nicht mehr zu. Am 16. 12. 1939 tagten in Forst und Cottbus die Verantwortlichen vom Fachamt Fußball, um über Modalitäten der Kriegsmeisterschaft zu beraten. Die Gruppe Cottbus spielte vier Jahre lang mit acht Mannschaften im fast gleichen Outfit. Friesen, Brandenburg, FV 98, Wacker 09 und Viktoria 97 bildeten das Gerippe. Dazu kamen kurzzeitig die Turner aus Sachsendorf und der Luftwaffen SV. Weißwasser, Peitz, Kolkwitz, Schmellwitz, Welzow und Spremberg-Heinrichsfeld gaben nur einjährige Gastspiele. In der Saison 1939/40 schlug der TSV Weißwasser im Mai 1940, mit nur 10 Mann antretend, die starken Flieger in Cottbus mit 2:7 Toren.

Punktspielübersicht 1939/40: 1. Friesen 37:18 Tore 21:5 Punkte; 2. Sachsendorf 23:22 Tore 15:11 Punkte; 3. Weißwasser 28:20 Tore 12:10 Punkte; 4. Brandenburg; 5. Luftwaffen SV; 6. FV 98; 7. Wacker 09; 8. Viktoria 97

Am 29.September 1940 beginnt die zweite Kriegsmeisterschaft in der Westlausitz mit Spielen in fünf Gruppen wie gehabt. Der TSV Weißwasser wurde in die Spremberger Gruppe eingereiht. Alle fünf Gruppensieger spielten in Hin-und Rückspielen die Westlausitz-Meisterschaft aus (1941). 1. SV Marga; 2. TV Sachsendorf; 3. Eintracht Welzow; 4. LSV Finsterwalde; 5. TSV Weißwasser.

Im Sommer 1941 finden erstmals die Spiele um den Pokal des OB von Cottbus - genannt ,,Ehrenpreis der Stadt Cottbus”- in insgesamt 11 Gruppen der Westlausitz statt. Die elf Sieger qualifizieren sich in Ausscheidungssppielen für die Endspielteilnahme. In der Staffel Spremberg, Gruppe 4, spielten der TSV Weißwasser, TSV Birkenstädt, SV Slamen-Ziegelei und der TSV Heinrichsfeld.

Dabei konnte sich Weißwasser in der Gruppe 4 nicht qualifizieren. Die Niederlagen der Deutschen Wehrmacht in Afrika und Stalingrad leiten die Wende des Krieges ein. Die Lage an den Fronten und im Reichsgebiet spitzt sich in allen Bereichen dramatisch zu. Fußball wird in der Lausitz nur noch in zwei Minigruppen gespielt. Die fünfte Kriegsmeisterschaft 1943/44, mit einem arg dezimierten Teilnehmerfeld, sollte auch zugleich die Letzte sein. Es verliert sich die Spur vom Weißwasseraner Fußball, weil die Kriegswirren 1944 zum endgültigen Ende des schlesischen Fußballs führten.

Über die Nachkriegsentwicklung im Weißwasseraner Fußballsport wird der Autor Günter Jainsch aus Schleife in weiteren Teilen berichten.