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Gigantische Holzernte in Gablenzer Wäldern

Frank Hartig an einem der riesigen Holzstapel.Der Harvester im Einsatz.
Frank Hartig an einem der riesigen Holzstapel.Der Harvester im Einsatz. FOTO: Fotos: Ingolf Tschätsch
Durch Fahrzeuge tief aufgewühlte Waldwege; Flächen, übersät mit abgesägten Baumkronen; Holzstapel, die sich zuhauf türmen; vom frühen Morgen bis in die Abendstunden dauernder Technikeinsatz; eine durch die Holzabfuhr teilweise verschmutzte Fahrbahn. Gablenzer Bürger sind beunruhigt über das, was in den Wäldern vor sich geht. Von Ingolf Tschätsch

Seit Monaten läuft eine Holzernte bisher nie dagewesenen Ausmaßes in den Gablenzer Wäldern. Riesige Holzklafter an der Straße gegenüber dem alten Sportplatz künden von den enormen Mengen, die täglich aus dem Wald geholt werden. In der Gemeinde werden Stimmen laut, die von Raubbau und Waldfrevel sprechen. Teilweise mit Sorge, Skepsis und Misstrauen verfolgen die Gablenzer das Geschehen. „Ein Wessi verscherbelt unseren Wald“ , so oder ähnlich heißt es hinter vorgehaltener Hand.
Ein Wessi ist es tatsächlich, dem der Wald dort gehört. „Im Dezember 2005 hat Sebastian Freiherr von Rotenhan Flächen in der Gemarkung Gablenz und Weißwasser gekauft. 410 Hekar insgesamt, im Bereich Gablenz/Kromlau sind es aber keine 100 Hektar“ , erzählt Frank Hartig, mit dem sich die RUNDSCHAU im Wald am alten Gablenzer Wasserwerk verabredet hat. Hartig ist Ossi, hat an der Forstfakultät Tharandt der TU Dresden studiert, das Staatsexamen gemacht - ein Mann vom Fach. Seit 2001 ist er bei Rotenhan im Forstbetrieb Reuthen in Brandenburg angestellt, ist sozusagen die rechte Hand des Freiherrn. In dieser Funktion kümmert er sich auch um die Belange des Forstbetriebes Kromlau, zu dem Wälder in Gablenz und im Gebiet um Weißwasser gehören.
Frank Hartig seien kritische Diskussionen unter der Bevölkerung zur gegenwärtigen Holzernte im Gebiet Gablenz noch nicht zu Ohr gekommen, wie er sagt. „Ja, ganz am Anfang, als der Freiherr in Reuthen mit seiner Waldbewirtschaftung begann, gab es Aufregung. Aber das ist vorbei. Seitdem ist es eigentlich ruhig“ , so der Forstleiter. Wie er betont, werde von der Rotenhanschen Forstverwaltung vom Prinzip her keine andere Waldbewirtschaftung betrieben als im Landeswald.

Qualitätsstandards eingehalten
Hartig verweist auf die Zertifizierung aller Betriebe des Freiherrn. Danach würden beispielsweise die Standards einer naturnahen Waldwirtschaft und einer schonenden Holzernte berücksichtigt. „Erst vor 14 Tagen haben wir die Zertifizierung für die Gablenzer Wälder erhalten“ , fügt der Fachmann hinzu. „Anders als bei der Bewirtschaftung durch den Forstbezirk ist vielleicht die größere Intensität des Holzeinschlags“ , bemerkt Frank Hartig.
Ja, es würden schon Nägel mit Köpfen gemacht werden, lässt der Reuthener daran keinen Zweifel. Damit spielt er auf den von der Bevölkerung angesprochenen enormen Umfang der Arbeiten an. So komme der größte und stärkste Rad-Harvester (eine Vollerntemaschine), den es in Deutschland gibt, im Revier zum Einsatz. 80 Festmeter schafft das Gerät am Tag. Fast 8000 Festmeter werden es sein, die nach Beendigung der Holzernte aus den Gablenzer und Kromlauer Wäldern geholt werden, seit dort im September 2006 mit dem Einschlag begonnen wurde.
Laut Hartig sollte Weihnachten bereits Schluss sein, doch nun dauert es noch einige Tage länger. Die Stämme gehen in verschiedene Verarbeitungsbetriebe, so auch zu Klausner nach Kodersdorf.
Wie der Forstleiter unterstreicht, sei rund 20 Jahre in den Gablenzer Fluren forstwirtschaftlich kaum etwas passiert. Man habe den Wald einfach wachsen lassen, der jetzt so dicht geworden sei, dass kaum noch genügend Licht auf den Boden dringt und sich die Bäume zum Teil schon gegenseitig behindern. Viele seien schon krank oder geschwächt. Diese Methode der Bewirtschaftung sei heute nicht mehr zeitgemäß. „Ich kann die Leute schon verstehen. So viele Jahre herrschte absolute Ruhe im Wald, es tat sich nichts, und jetzt plötzlich kommen wir und greifen massiv in die Bestände ein. Ich kann aber versichern, wir machen hier nichts Unrechtes, alles geschieht auf der Grundlage der Gesetze. Für uns steht die naturgerechte, nachhaltige forstliche Arbeit im Vordergrund“ , bringt es Hartig auf den Punkt. Er vermisse die zweite Schicht in den hiesigen Wäldern, alles sei auf eine Höhe gewachsen.
„Wird ein Baum von einem Schädling befallen, kann er umgehend auf die Krone des nächsten Baumes überspringen und im Nu ist ein gesamter Bestand gefährdet“ , so der Experte. Apropos Kronen. Diese seien vom Wuchs viel zu schwach ausgebildet, meint er und erklärt: „Ein Drittel der Krone soll grün sein, denn die Nadeln sind das Kraftwerk des Baumes.“
Frank Hartig weist auf eine junge Buche: „Sehen Sie, jetzt kann sie sich erst richtig entwickeln, nachdem die anderen Bäume um sie herum gefällt worden sind und sie nun Raum und Licht hat, sich auszubreiten. Auf diese Weise wird diese zweite Schicht geschaffen. Andere Baumarten und Sträucher, der gesamte Unterwuchs, erhält bessere Möglichkeiten, um zu wachsen. So wird auch der einseitigen Monokultur durch die Kiefer entgegengewirkt.“
Wie sieht es aber mit den herumliegenden Baumkronen aus, will die RUNDSCHAU wissen. „Ich weiß, vielleicht ein nicht gerade ästhetisches Bild. Unmittelbar an den Hauptwegen werden wir sie beräumen, die anderen bleiben liegen. In ungefähr fünf Jahren haben sie sich zersetzt, sind der beste Naturdünger für den Wald“ , erläutert Frank Hartig. Bliebe noch das Problem der zerfahrenen Waldwege.

Schwere Brocken
„Wir können das Holz nicht mit dem Hubschrauber abtransportieren. Man muss bedenken: Ein Fahrzeug transportiert im Durchschnitt rund 20 Festmeter Holz. Ein Festmeter wiegt bis zu anderthalb Tonnen. Da bleiben natürlich tiefe Reifenabdrücke, vor allem bei Regen, nicht aus. Die größten Schäden werden wir nach Beendigung des Holzeinschlages beseitigen“ , so Freiherr von Rotenhans Stellvertreter.

Zur Person Sebastian Freiherr von Rotenhan
  Der Stammbetrieb von Sebastian Freiherr von Rotenhan befindet sich in Rentweinsdorf etwa 20 Kilometer nördlich von Bamberg in Bayern.
Der Land- und Forstwirt von Rotenhan ist Abgeordneter im bayerischen Landtag (CSU).
Rund 7000 Hektar (eigenes und verwaltetes Land) umfasst die Fläche der Rotenhanschen Forstbetriebe in Bayern, Sachsen und Brandenburg.

Vor fünf Jahren erwarb er 1850 Hektar Wald im brandenburgischen Reuthen , wo sich auch der Sitz seines Forstbetriebes befindet.