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Kommunalpolitik
Gewerbegebiet ist fast ausgelastet

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext).
Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). FOTO: Regina Weiß / LR
Weißwasser. Die Wirtschaftsförderung in Weißwasser ist schon seit Jahren immer wieder Kritikpunkt im Stadtrat. Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) berichtete jetzt über die Arbeit in dem Bereich. Von Gabi Nitsche

Ein Drittel weniger Personen im erwerbsfähigen Alter leben in Weißwasser, wenn Oberbürgermeister Torsten Pötzsch die Jahre 2007 und 2017 vergleicht. Was sich relativ wenig verändert hat, so Pötzsch, ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Stadt mit damals 5917 und 5713 in 2016. Dagegen hat die Zahl der Auspendler stark zugenommen. Waren es vor zehn Jahren 4798, sind es vor einem Jahr 5453 gewesen laut Statistischem Landesamt Sachsen, die außerhalb von Weißwasser ihrem Job nachgehen. Ein Grund zum Freuen ist dagegen die Zahl der Arbeitslosen, die sich mehr als halbiert hat. An diesen Fakten komme man auch in Weißwasser nicht vorbei, wenn über das Thema Wirtschaftsförderung gesprochen werde. Und genau das wollte die CDU-Fraktion des Weißwasseraner Stadtrates. Den Antrag, vor dem Stadtrat Bericht zu erstatten, hatte die Fraktion vor einem Jahr gestellt. Nach mehrmaligen Erinnerungen äußerte sich nun in dieser Woche OB Torsten Pötzsch dazu. Denn seit über zwanzig Jahren, Pötzsch ist seit 2010 im Amt, ist die Wirtschaftsförderung dem OB-Bereich zugeordnet. Konkret eine halbe Stelle in Persona von Thorsten Rennhak.

Weißwasser hat ein Industriegebiet, 23,5 Hektar groß, welches zu 80 Prozent belegt ist. Pötzsch erklärt, dass für die noch freien Flächen mehrere Anfragen vorliegen beziehungsweise es Optionen gebe. „In Kürze werden wir die restlichen 20 Prozent verkauft haben“, kündigte er am Dienstag den Räten gegenüber an. Es sei notwendig, neues Potenzial zu schaffen. Hier verspreche er sich viel aus der Kooperation mit der Wirtschaftsfördergesellschaft ASG Spremberg.  Welzow und Weißwasser haben die Zusammenarbeit erst vorige Woche vereinbart.

Wirtschaftsförderung bedeute vorrangig, vorhandene Unternehmen, Einzelhandel und Dienstleistungen zu erhalten und zu stärken. Zwischen 2012 und 2016 stehen 106 entsprechende Kontakte zu Buche. Pötzsch sprach des Weiteren von 112 Beratungen zum Thema Ansiedlung und Bestandspflege. Dabei gab es Unterstützung von Land, Kreis, den Kammern, der Agentur für Arbeit, der Wirtschaftsinitiative Lausitz und des Wirtschaftsclubs Sachsen. In vielen Unternehmen fehlen Fachkräfte. Weißwasser richtete ein Rückkehrertelefon ein, notierte bisher 46 Anfragen und veranstaltete im Dezember den ersten Rückkehrertag mit großer Nachfrage.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Kaufkraft, so Pötzsch. Wie in vielen anderen Städte sei der Leerstand ein Problem. Immer mehr Dienstleister wie Versicherungsagenturen besetzen Geschäfte in zentraler Lage, so Pötzsch. Läden schließen, weil es keinen Nachfolger gibt. Mit der Förderung von Kleinunternehmen will die Stadt helfen. Doch noch steht die Bewilligung durch die SAB aus - genau wie für die Stelle eines Citymanagers. Mit dem geförderten Projekt Perspektive(n) sind aktuell über dreißig Unternehmen beraten,  17 Langzeitarbeitslose über 27 Jahre in den Arbeitsmarkt eingegliedert worden.

Wirtschaftsförderung – dafür sorgen auch große Veranstaltungen. Als gelungenes „anderes Marketing“ bezeichnet Pötzsch, was infolge Crossing Christmas im ehemaligen Einkaufszentrum am Halbendorfer Weg passierte – „es wurde neu belebt“ mit verschiedenen Geschäften. Beim ehemaligen Toom-Markt an der Heinrich-Heine-Straße dagegen würden sich die Investoren noch „etwas bedeckt“ halten. Geht es nach Pötzsch, würde er gern eine Bildungseinrichtung in der ehemaligen Glasfachschule ansiedeln. Wirtschaftsförderung – das sind laut Pötzsch auch die grenzüberschreitenden Projekte mit Polen, die Aktivitäten der Lausitzerunde und vieles mehr. Als wichtige Partner nannte er die Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz (ENO). Der OB rief dazu auf, gemeinsam an einer „enkeltauglichen Zukunft“ zu bauen. SPD-Stadträtin Kathrin Jung forderte, „erst einmal sollte die Stadt kindertauglich sein.“ Zum Bericht vom Oberbürgermeister sagte sie: „Mich hätten einige Fakten interessiert – Gewerbeanmeldungen, leere Geschäfte ...“ Die angeführten 106 Kontakte seien nicht sehr viel für den Zeitraum. Vielleicht könne man das ausbauen. „Die Wirtschaftsförderung wird oftmals vor Ort nicht so wahrgenommen.“ Pötzsch werde die Fakten nachreichen, sagte dieser.