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Geteiltes Echo zum Wolf-Abschuss

Der Wolf "Pumpak" soll in den kommenden vier Wochen abgeschossen werden.
Der Wolf "Pumpak" soll in den kommenden vier Wochen abgeschossen werden. FOTO: pixabay
Dresden/Rietschen. Die Meldung, dass der Wolf "Pumpak" im Landkreis Görlitz abgeschossen werden soll, hat für ein geteiltes Echo in der Politik und bei Bürgern gesorgt. Die RUNDSCHAU gibt einen Überblick über die jeweiligen Argumente - und über den Sachstand. Christian Köhler

Am Donnerstagabend hat der Landkreis Görlitz gemeinsam mit dem Sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft erklärt, den Wolf "Pumpak" in den kommenden vier Wochen zum Abschuss freizugeben. Ein solches Vorgehen ist durch den "Managementplan für den Wolf in Sachsen" (siehe Infobox) festgeschrieben. Laut Ministerium hatte man bereits seit Dezember des vergangenen Jahres über Maßnahmen diskutiert - sich nun aber per naturschutzrechtlicher Ausnahmegenehmigung für die Tötung des Tieres aus dem polnischen "Ruszow-Rudel" entschieden.

Um überhaupt einen Wolf abschießen zu dürfen, müsse, so Frank Meyer vom Umweltministerium, geprüft werden, "ob der Wolfsbestand durch eine Entnahme eines Tieres gefährdet ist und ob es Alternativen gibt." Das sei im Fall in Rietschen und Rothenburg, wo der Wolf mehrfach in Siedlungsnähe aufgetaucht war, nicht der Fall.

Das sind die Gründe, warum "Pumpak" abgeschossen werden soll:

Die Sicherheit von Menschen hat Vorrang vor dem Artenschutz.

Wegen des auffälligen Verhaltens des Wolfes besteht die Gefahr einer weiteren Eskalation. Der Wolf ist bisher nicht aggressiv gewesen, so Frank Meyer vom Umweltministerium, "aber er könnte Menschen angreifen."

Weil "Pumpak" als Welpe von polnischen Förstern angefüttert wurde, ist er daran gewöhnt, auch bei Menschen nach Futter zu suchen.

Laut Umweltministerium würden wegen der Gewöhnung an den Menschen auch Vergrämungsmaßnahmen - wie etwa das Tier mit Gummi-Geschossen von Siedlungen zu vertreiben - nicht erfolgsversprechend sein.

Eine Entnahme, also "Pumpak" einzufangen und beispielsweise in das Moritzburger Wildgehege für Wölfe zu verbringen, würde Probleme mit sich bringen: Dort bereits lebende Wölfe würden "Pumpak" als Revierfeind angreifen und töten, erklärt Frank Meyer.

Die Leiterin des Lupus-Instituts Ilka Reinhardt erklärt, zunächst hätte man versuchen können, dem Wolf das unerwünschte Verhalten abzugewöhnen. "Wenn dies keine Wirkung gezeigt hätte, wäre ein Abschuss angemessen, da man den Anwohnern ein solches Wolfsverhalten nicht dauerhaft zumuten kann." Ähnlich sieht das die Landtagsfraktion der Bündnis 90/Die Grünen. Sie teilt mit: "Der erste Schritt muss sein, den Wolf systematisch zu vertreiben beziehungsweise zu vergrämen. Nur wenn das nicht erfolgreich ist, soll er entnommen werden." Die Fraktion wolle Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) Stellung beziehen lassen.

www.lr-online.de/lausitzer-woelfe

Uwe Seibt: Erst holt man ihn um ihn dann abzuschießen. Man muss doch vorher wissen, dass die sich vermehren und auch Futter brauchen.

Doreen Brenpunkt: Erst schützen und dann schießen… so ist er, der Mensch.

Christian Snelinski: Die sollen mal lieber die Wildschweine hier ausdünnen! Man kann ja nicht mal mehr in unsere Wälder, alles zerwühlt und zertrampelt! Pro Wolf!

Florian Griebner: Schonmal daran gedacht ihn einzufangen und in Tierpark zu geben?! Viele Kinder und Erwachsene haben noch nie echte Wölfe gesehen. Da würde ich ja wohl mal so überlegen. Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Jana Domann: Und das Tier hat einen Chip, dass es auch als "Pumpak" identifiziert werden kann, wenn er abgeschossen werden soll? Natürlich nicht oder? Ich hoffe, dass nehmen die Jäger jetzt nicht als Freibrief, Wölfe abzuschießen.

Ute Michel: Der Mensch lernt nichts dazu, und daher wiederholt er immer wieder die gleichen offensichtlichen Fehler.

Simone Gruda: Es heißt, es wurde nachgewiesen, dass dieser Wolf als Welpe von Menschen gefüttert wurde! Und wegen der Dummheit dieser Menschen muss nun das arme Tier dran glauben.

Gunar Jannack: Der Mensch ist das Problem nicht der Wolf ...

Daniel Jakubik: Herr Landrat Lange wird uns hoffentlich erklären, welche Maßnahmen genau ergriffen wurden, die vor dem Abschuss, der als letztes Mittel gilt, ergriffen wurden.

Zum Thema:
Der Managementplan war von Oktober 2008 bis Mai 2009 in einem Abstimmungsprozess entstanden, an dem sich Vertreter von mehr als 50 thematisch berührten Verbänden, Vereinen, Bürgerinitiativen, Behörden sowie von wissenschaftlichen Instituten beteiligten. Der Landkreis teilt mit: Die vorgesehene Entnahme steht im Einklang mit dem Washingtoner Artenschutzabkommen, der Berner Konvention sowie auf Europäischem sowie Bundes- und Landesrecht.