Wunden gehören zu den ständigen Begleitern zahlreicher Krankheiten. Dies trifft besonders, aber nicht nur auf die Diabetes zu. Auch bei Durchblutungsstörungen, Krampfadern oder Tumoren kann es zu offenen Stellen in der Haut und dem darunter befindlichen Gewebe kommen. „Manchmal ist die Ursache aber auch viel profaner: Wenn man zum Beispiel zu enge Schuhe trägt“, erklärt Rainer Stengel.

Der Diabetologe ist Chefarzt für Innere Medizin am Emmaus Krankenhaus Niesky und hat in dieser Funktion viel mit Patienten zu tun, die über schlecht abheilende Wunden klagen. Dasselbe trifft auch auf seine Kollegen Chefarzt Nils Walther und Oberarzt Frank Hübschmann aus der Chirurgie sowie für den Chefarzt für Anästhesie, Jörg Drechsel, zu. Gemeinsam haben die vier Doktoren, welche die ärztliche Spitze des Nieskyer Krankenhauses bilden, ein Problem erkannt: „Die Wundbehandlung muss verbessert werden.“

Chronische Wunden vom Facharzt behandeln lassen

Im Normalfall bildet sie einen von vielen Aspekten bei der Behandlung und beschränkt sich auf die lokale Versorgung der Wunde und ihrer unmittelbaren Umgebung. Doch was ist, wenn die offene Stelle nicht abheilt? Nach acht Wochen gilt eine Wunde laut der Fachgesellschaft „Initiative Chronische Wunden“ als chronisch. „Eine solche Wunde lässt sich durch ausschließlich lokale Behandlungsmaßnahmen kaum heilen“, weiß Chrirurgie-Chefarzt Nils Walther.

Stattdessen müsse man die auslösenden Ursachen herausfinden: Liegt eine Durchblutungsstörung vor? Ist die Wunde durch Pilze oder Bakterien infiziert? Hat der Patient eine geschwächte Immunabwehr, die das Verheilen erschwert? Fragen, die eine Betrachtung über das einzelne Fachgebiet hinaus erfordern.

Aufbau eines Wundzentrums in Niesky

Um hier für Verbesserung zu sorgen, geht das Emmaus Krankenhaus Niesky mit dem Aufbau eines „Wundzentrums“ neue Wege. Mediziner und Pflegekräfte aus unterschiedlichen Fachgebieten arbeiten bei der Versorgung hartnäckig verbleibender Wunden eng zusammen. Für die Koordination sorgt Wundmanager Stefan Kretschmer, ein erfahrener Krankenpfleger, der seit dem Oktober am Emmaus-Krankenhaus arbeitet. „Anders als seine bisher schon bei uns tätigen drei Kollegen ist er von der normalen Stationsarbeit freigestellt“, erklärt Oberarzt Frank Hübschmann. „Das ermöglicht es mir, die Patienten in Bezug auf ihre Wundversorgung ganzheitlich zu sehen“, so Stefan Kretschmer, der seit 25 Jahren in der Krankenpflege arbeitet und sich auf diesen Aspekt spezialisiert hat.

Der 46-Jährige begleitet die behandelnden Ärzte bei der Visite und berät sie bei der Wundbehandlung, dokumentiert den Heilungsprozess und sorgt dafür, dass alle Beteiligten denselben Kenntnisstand haben. Er legt aber auch am Patienten Hand an, plant das „Verbandsregime“ und wechselt komplizierte Verbände selbst.

Information, Aufklärung und Schulung

Das Nieskyer Wundzentrum soll aber nicht nur nach innen, sondern auch nach außen wirken: Auf die Patienten selbst und auf ihre Angehörigen, auf die niedergelassenen Ärzte und auch auf andere Krankenhäuser in der Umgebung. „Einen wichtigen Teil meiner Arbeit bildet die Information, Aufklärung und Schulung“, berichtet Stefan Kretschmer.

Zu diesem Zweck besuchen er oder auch die Chef- und Oberärzte Stammtische niedergelassener Ärzte und informieren diese über den Fachgebiet übergreifenden Ansatz des Emmaus-Krankenhauses. „Es ist wichtig, dass die Wundbehandlung auch nach der Entlassung so fortgesetzt wird, wie wir sie begonnen haben“, betont Chefarzt Rainer Stengel. Diskussionen sind dabei möglich und auch durchaus gewünscht. Die Nieskyer sind „selbstverständlich“, wie Nils Walther betont, auch für die Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern offen: „Wir können als Krankenhaus der Grundversorgung nicht alle Krankheitsbilder selbst behandeln. Andererseits bieten wir den Kollegen gern unsere Expertise in der Wundversorgung an.“

Einen großen Stellenwert nimmt die Aufklärung der Betroffenen selbst und ihrer Angehörigen ein. „Die Patienten können viel zu einem besseren Heilungsprozess beitragen oder auch dazu, dass es gar nicht erst zur Ausbildung chronischer Wunden kommt“, betont Wundmanager Stefan Kretschmer. Dies beginnt schon mit Änderungen in den Lebensgewohnheiten, wie dem Verzicht auf das Rauchen oder mit einer gesünderen Ernährung, die sich positiv auf eine eventuelle Diabeteserkrankung auswirkt. Damit einhergehende Wunden können im Extremfall bis hin zur Amputation von Gliedmaßen führen. Doch manchmal geht es auch viel einfacher: Durch das Tragen passender Schuhe.