Während eine Vielzahl von Menschen – gerade in der Anonymität des Internets – Gendern und die Frage, wie sinnvoll das ist, mehr beschäftigt als die Frage von Krieg und Frieden, fehlt es zum Teil an Grundwissen bei Themen wie Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung. Und das nicht etwa „nur“ im Alltag, sondern auch bei Pädagogen, die beispielsweise in der Familienbetreuung, in Schulen oder in Jugendberatungen tätig sind. Auch das trifft freilich nicht auf alle zu, jedoch können Hinweise, Fachgespräche und praktische Tipps im Umgang mit trans-, inter- und geschlechtsdiversen Kindern und Jugendlichen hilfreich sein.

Aufklärungsarbeit ist noch nicht abgeschlossen

Das jedenfalls ist das Ziel einer Veranstaltung in der Station Junger Naturforscher und Technker in Weißwasser gewesen, die der Verein Kultursofa Weißwasser gemeinsam dem Verein „Gerede“ aus Dresden auf die Beine gestellt hatte. Dabei reflektierten und diskutierten die Teilnehmer aus unterschiedlichen Disziplinen der Jugendbetreuung ihre eigenen Vorstellungen vom Geschlecht. So einige noch zu bewältigende Aufgaben im pädagogischen Umgang sind dabei zur Sprache gekommen.
Der Dresdener Verein etwa klärt über Diskriminierungserfahrungen auf, hat bis 2021 mit „Weltoffenes Sachsen“ Schulungen und Projekte in Ostsachsen durchgeführt, um aufzuklären. Seit diesem Jahr hat Sachsen – trotz 1600 queerfeindlichen Angriffen allein 2020 – das einzige Aufklärungsprojekt und dessen Förderung in diesem Bereich ersatzlos gestrichen.
Anne Liebeck vom Verein „Gerede“ freut sich über die gemeinsame Veranstaltung und das große Interesse am Thema. „Geschlechtersensible Arbeit, insbesondere mit Hinblick auf geschlechtliche Vielfalt jenseits der ‚Norm‘ von männlich und weiblich, ist enorm wichtig“, erklärt sie. Sie berge viele Chancen, aber natürlich auch Herausforderungen. „Heute haben wir es uns gemeinsam zum Ziel gemacht, diese Chancen und Herausforderungen zu beleuchten und ihnen professionell pädagogisch zu begegnen.“
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Neben medizinischen und psychologischen Fragen sind auch soziale in Weißwasser beleuchtet worden. Schließlich ist trotz der vergangenen, intensiven Bemühungen in der Gesellschaft, Bewusstsein dafür zu erzeugen, dass etwa mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht in allen Fällen das letzte Wort gesprochen ist, noch nicht erschöpfend behandelt. Nicht nur in ländlichen Gegenden ist das „Coming Out“ ein schwieriger Prozess, der eben auch soziale Probleme hervorruft.
„Die Organisation mit Anne Liebeck vom Gerede e.V. Dresden verlief hervorragend“, so der Vereinsvorsitzender Carsten Proft vom Kultursofa. Die Resonanz verschiedener Institutionen der Stadt und des Umlandes hätten gezeigt, dass die Aufklärungsarbeit in diesem Bereich durchaus auf Interesse stößt und nicht abgeschlossen ist.