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| 15:27 Uhr

Heimatgeschichte
Uhyster wollen das Adelspädagogium retten

 Das Adelspädagogium ist ein von außen durchaus unscheinbares Gebäude. Doch sein Stellenwert für Uhyst ist beachtlich.
Das Adelspädagogium ist ein von außen durchaus unscheinbares Gebäude. Doch sein Stellenwert für Uhyst ist beachtlich. FOTO: Regina Weiß
Uhyster wollen das Adelspädagogium retten und gehen mit einer Geschichtsbroschüre in die Offensive. Von Regina Weiß

Die Wäschestangen sehen so aus, als ob hier schon lange keiner mehr Handtücher und Hosen aufgehangen hat. Dafür wuchert das Grün um so üppiger. Auf der einen Seite hat es die Hausfront schon fast komplett eingekesselt. Briefkästen zeugen von letzten Bewohnern und Plakate in den Fenstern von Kunstaktionen, die das Haus in den Mittelpunkt rücken sollten. Jetzt wohnt hier nur noch der Marder, vermutet Johanna Gruner. Dabei wohnt in dem unscheinbaren Haus hinter der Feuerwehr und in Sichtweite zur Kirche Geschichte.

2008 ist die letzte Mieterin ausgezogen, 2009 hat sich der Förderverein Adelspädagogium Dannenberghaus Uhyst gegründet. Die umtriebige Johanna Gruner ist die Vereinsvorsitzende. Im Jahr des Vereinsjubiläums wollen sie nun das Haus in den Mittelpunkt rücken, weshalb sich damals die Interessengemeinschaft zusammengefunden hat. Sie haben eine Broschüre herausgegeben, die sich mit den Uhyster Anstalten und dem Adelspädagogium befasst. Es wurde im Auftrag des damaligen  Gutsherrn Friedrich Caspar von Gersdorf errichtet und im Februar 1747 eingeweiht. 272 Jahre später hat der Zahn der Zeit mächtig an der Bausubstanz genagt. „Ein Denkmal von internationaler Bedeutung benötigt dringend Hilfe“ lautet deshalb der (Unter-)Titel dieser Schrift. Johanna Gruner ist froh, das fundierte Heft in den Händen zu halten. „Ich weiß nicht, wie das alles ausgeht. Aber durch Bewegung passiert was“, ist sich die Uhysterin sicher. Wenn es keiner in die Hand nehme, passiere nichts. Zuerst müsse sich jemand finden, der das Eigentum klärt. Laut Johanna Gruner befindet sich das Haus in Privatbesitz einer Erbengemeinschaft.

Aber was macht es nun so besonders? Dazu können die Uhyster fundiert Auskunft geben. Und das haben sie vor allem Lubina Mahling zu verdanken. „Sie ist unsere geschichtliche Beraterin. Und wir sind sehr, sehr froh, dass wir sie haben“, lobt Johanna Gruner. Denn die Wissenschaftlerin sei ständig in Bewegung, weiter zu bohren und zu forschen.

1743 verlegte der Reichgraf von Gersdorf das Seminar zur Ausbildung von Pfarrern und Lehrern von Klix nach Uhyst. Es war der Grundstein für die Uhyster Anstalten. Sie wurden nach dem Vorbild der Franckeschen Stiftungen in Halle organisiert.  Das Besondere für Uhyst war, dass hier sorbischen Mädchen und Jungen der Zugang zu höherer Bildung verschafft wurde. Das alles natürlich in Verbindung mit der Herrnhuter Brüdergemeine und damit im christlichen Sinne, aber für Johanna Gruner vor allem bemerkenswert, weil Bildung den Weg frei macht für Fortschritt. „Damit entwickelt sich Uhyst zu einem einmaligen schulisch-geistlichen Zentrum der Lausitz, aus dem zahlreiche sorbische Geistliche und Gelehrte hervorgingen“, heißt es in der Broschüre. Hervorhebenswert ist weiterhin eine sorbische Grammatik und ein sorbisch-deutsches Wörterbuch, die damals geschaffen wurden und die für immer mit Uhyst in Verbindung stehen.

Als nächstes zog das Adelspädagogium in das Haus ein. 1784 nahm es seine Arbeit auf. Balthasar von Campenhausen brachte es später zum Finanzminister des Zaren. Karl Axel Christer von Bruiningk machte sich als baltischer Landespolitiker sowie Reformlandwirt einen Namen. Nicht zu vergessen Hermann Fürst zu Pückler-Muskau. Für Johanna Gruner geschichtliche Fakten, die zeigen, welche Bedeutung Uhyst damals als Bildungszentrum hatte. Ihr Anliegen und das ihrer Mitglieder: Es soll gerettet werden, was zu retten ist. Die Broschüre wird deshalb nicht nur für fünf Euro bei der Bäckerei Schütze und im Touristinformationzentrum am Bärwalder See zum Verkauf angeboten, sie ist auch an alle wichtigen Behörden im Umkreis verschickt worden. Damit soll zumindest ein Denkprozess angestoßen werden.

„Wenn sich das Seenland weiter entwickeln will, Touristen anziehen will, dann braucht es weitere Attraktionen“, findet Johanna Gruner. Das ehemalige Adelspädagogium könnte zu solch einer entwickelt werden. Man muss es nur wollen. Den Anstoß geben die Uhyster jetzt mal.

 Das Adelspädagogium ist ein von außen durchaus unscheinbares Gebäude. Doch sein Stellenwert für Uhyst ist beachtlich.
Das Adelspädagogium ist ein von außen durchaus unscheinbares Gebäude. Doch sein Stellenwert für Uhyst ist beachtlich. FOTO: Regina Weiß