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Geschichte der Muskauer Schützengilde / Teil 5: Fürst Pückler und Schützen stritten vor Gericht

Weißwasser. Die Muskauer Schützengilde feiert im Rahmen des Stadtfestes vom 17. bis 19. Juni ihr 500-jähriges Bestehen. Ehrenmitglied hat für die RUNDSCHAU die Geschichte zusammengefasst. Günter Tappert

Die Zeit des Mittelalters schwand dahin. Der 30-jährige Krieg tobte durch die deutschen Lande, alte Ordnungen auflösend, alle Gemüter verwirrend. Über Muskau kamen schwere Schreckenstage mit Kontributionen, Plünderungen und Brand. Nichts, nicht einmal die Gruft der Toten war sicher vor der Raubgier der Soldateska. Da verging den Bürgern die Lust zu Spiel und Scherz. Die Stadtwehr wurde kaum noch aufgeboten. Die Schützengilde siechte ihrer Auflösung entgegen.

Aufbau durch Callenberg

Die schwere Zeit ging vorüber. Am 11. Dezember 1644 übernahm ein westfälischer Ritter Curt Reinicke Freiherr von Callenberg die Herrschaft und Stadt. Sobald der Friede geschlossen war, baute er den verwüsteten und vernachlässigten Besitz wieder auf. Er war es auch, der der Schützengilde wieder zu neuem Leben verhalf. Er erbat beim damaligen Kurfürsten Johann Georg von Sachsen, in Muskau wieder das Vogel- und Büchsenschießen einrichten zu dürfen. Am Johannisfest 1656 wurde zum ersten Mal wieder die Vogelstange errichtet und ein fröhliches Schützenfest gefeiert. Muskau sollte hierfür jährlich 40 Gülden für den Vogelkönig abfolgen und diesen von der Biersteuer befreien. Curt Reinicke hat der Schützengilde 1657 eine Ordnung gegeben, aus der hervorgeht, dass jene vom Kurfürsten bewilligten 40 Gulden durch einen jährlichen Zusatz aus den standesherrlichen Renten bis zu 30 Talern erhöht worden waren. Es scheint aber, als sei das Geld nicht immer seiner Bestimmung gemäß verbraucht werden. Rechnungen belegen, dass damit auch der Wiederaufbau des im 30-jährigen Krieg zerstörten Rathauses bezahlt wurde.

In den Informationen über die Rechte und Angelegenheiten der Schützengilde zu Muskau steht: "In den Jahren um 1683, als die Türken Wien belagerten, sei die Gilde fortwährend unter Waffen gewesen und habe die vor der Stadt am Weidendamme zwischen den Bergen und dem Neißestrom aufgeworfenen Schanzen besetzt gehalten." Es trieb sich damals viel Gesindel im Lande umher.

Ähnliche Ereignisse

Die Zeit Curt Reinicke II. brachte Muskau mancherlei Heimsuchungen. Feuersbrünste, Missernte und Dürre. Die Schützengilde schmolz bei der allgemeinen Notlage der Bürgerschaft zusammen, schließlich ging sie ganz ein, so um 1735 bis 1740. Dann kam der große Stadtbrand am 2. April 1766 und 1771 bis 1772 Hungersnöte. Nur die Alten wussten erinnerten sich an die Schützengilde in Muskaus Mauern. Die Bürger wollten ihre Schützenfeste wieder haben. 1777 finden wir die ersten Schriftstücke, die an den damaligen Standesherren, Georg Alexander Heinrich Hermann, Grafen Callenberg, die Bitte enthielten, er möchte der Gilde wieder zu ihrem alten Rechte verhelfen. Das Schützenfest nach etwa 40-jähriger Pause wurde am Johannistag 1776 mit Genehmigung des Grafen Hermann Callenberg abgehalten. Welch Dublizität der Ereignisse im Leben der Gilde. Wiederum durch Krieg (1939 bis 1945) und danach durch Verbot der russischen Besatzungsmacht und der späteren Machthaber war die Existenz der Gilde in der Stadt unterbrochen. In den Köpfen und Gesprächen der älteren Muskauer lebte sie und die schönen Schützenfeste immer noch.

Gutes Verhältnis

Zwischen Callenberg und den Schützen bestand offenbar ein gutes Verhältnis. Sie waren ihm treu ergeben. Er zeigte ihnen sein Wohlwollen, wo er konnte. Wie oft erwähnt er die Schützen in seinem Tagebuch! Da lesen wir, wie er - 24. Juni 1778 -der Gilde eine goldene Medaille an goldener Spange stiftet und sie dem Könige (Anm.d.Verf: Schützenkönige ) durch seine Gemahlin umhängen lässt, oder wie er - 18. Oktober 1779 - der Gilde eine spanische Medaille im Werte von 20 Taler schenkt, wie er selbst - 25. Juni1778 - am Königsschießen sich beteiligt und den besten Schuss tut, die Würde aber einem Maurer Deutschmann überlässt, oder wie er ein andermal -12. August 1780 - dem Schützenkönige Baumaterialien im Werte von 113 Taler (zu damaliger Zeit sehr viel Geld/d.Verf.) schenkt. Die Schützengilde hat ihm gern gedient und hat darin nicht nur eine zu leistende Pflicht, sondern auch eine große Ehre gesehen. Dem Grafen Hermann Callenberg (1774 bis 1785* ) hat die Gilde viel zu verdanken. Fürwahr, er hat sich um das Wiederaufleben der Schützengilde so große Verdienste erworben, dass er mit Recht auf der von seiner Tochter Clementine (1785 bis 1798*), Mutter von Fürst Pückler, später geschenkten Fahne als "Stifter der Gilde" bezeichnet werden konnte. (*Besitzzeit). Die Fahne bestand aus schwerer, heller Seide. Auf der einen Seite trug sie das Callenberg-Pücklersche Wappen in bunten Farben mit Inschrift und auf der anderen Seite befand sich die Inschrift: "Mein erster Wunsch ist meiner Bürger Glück, Mein zweiter ihre Liebe". Die Fahne verschwand 1945.

Nach dem Muskau unter preußische Oberhoheit gekommen war, fing die Gilde an, mit verschiedenen Bräuchen zu brechen. So hat sie sich gleich den Verpflichtungen entzogen, eine Kokarde mit den Farben des standesherrlichen Wappens zu tragen, die jungen Bürger kümmerten sich nicht um den Befehl "dass Niemand das Bürgerrecht erhalten solle, der nicht angelobet, sogleich wenigstens drei Jahre lang in die Schützengesellschaft zu treten", sie ernannte Offiziere ohne Zustimmung durch den Standesherrn - bedingt durch die jahrelange Abwesenheit des Fürsten Pückler.

Pückler verärgert

Pückler fühlte sich in seinem Recht geschmälert und beleidigt. Hinzu kam, dass die Stadt beim Aufbau eines neuen Rathauses (das alte war bei dem Brande 1766 eingeäschert worden und lag in Trümmern) eigenmächtig verfuhr. Wenn Pückler der Gilde auch bei dem Bau des Schützenhauses und beim Abhalten ihrer Feste nichts in den Weg legte, so strich er finanzielle Vergünstigungen gegenüber der Gilde und rief Hilfe und Entscheidung bei der Regierung in Liegnitz an. Diese gab ihm Recht, die Gilde wehrte sich und beantragte sogar richterliche Entscheidung durch das Oberlandesgericht in Glogau, welches wiederum zu Gunsten von Pückler entschied. So blieb ihr nichts übrig, als sich zu fügen. Die Fürstin schlichtete den Streit, ernannte den Bürgermeister Hilke, der bereits an der Spitze der Gilde gestanden und durch Niederlegung seines Postens die Unruhe heraufbeschwor, zum Major. Fürst und Gilde waren froh, dass wieder alles in Ordnung gekommen und Frieden eingetreten war. Darauf bestätigte der Standesherr am 27. März 1830 das Privilegium.

Die Gilde war verhältnismäßig klein, sie zählte 50 Mitglieder. Aber bald fing sie an zu wachsen. Nach zehn Jahren bestand sie aus reichlich 150 Mitgliedern.