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| 13:59 Uhr

Geschichte
Geschichte der Glasindustrie entdecken

Christine Lehmann und Nancy Sauer begleiten das Projekt „Uncover - Glasindustriegeschichte entdecken“ in Weißwasser.
Christine Lehmann und Nancy Sauer begleiten das Projekt „Uncover - Glasindustriegeschichte entdecken“ in Weißwasser. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Weißwasser. Bis zum Jahresende soll in einem neuen Projekt mit Schülern und Studenten eine digitale Route entstehen, auf der Besucher per Tablet viel Interessantes über die Geschichte der Glasindustrie in Weißwasser erfahren. Von Gabi Nitsche

2020 ist das Jahr der Industriekultur in Sachsen. Da spielen vor allem Dresden und Chemnitz eine große Rolle. Weißwasser sei einer der Nebenschauplätze, so Christine Lehmann. Das Glasmuseum gehört dringend dazu. „Wir wollen dahingehend viel neu denken“, deutet die Weißwasseranerin an. Denn: 1873 begann mit der ersten Glasschmelze in der Gelsdorfhütte die einzigartige Entwicklung des kleinen Heidedorfes Weißwassers im Muskauer Faltenbogen zur Industriestadt.

Entlang der Eisenbahnlinie „tummelten“ sich innerhalb weniger Jahrzehnte elf Glashütten. Zudem entstanden zahlreiche Zulieferbetriebe und Einzelhandelsgeschäfte, die die wachsende Bevölkerung versorgten. „Die Spuren dieser Geschichte sind heute kaum noch sichtbar oder befinden sich im Verschwinden – erst vor wenigen Tagen stürzte der Giebel der Gelsdorfhütte ein“, beschreibt Christine Lehmann die Situation.

 Die Mitglieder des Fördervereins Glasmusuem beschäftigen zunehmend solche Fragen, sagt sie, wie: Wie können wir unter diesen Umständen jungen Menschen die einstige Bedeutung Weißwassers vermitteln? Wie eine positive Identifikation künftiger Generationen mit dem Ort und seiner Glasmachertradition erreichen?

„Ein Vorhaben ist die digitale Route durch die Stadt, welche Orte der Industriegeschichte für alle erlebbar macht“, so Christine Lehmann. Die Weißwasseranerin und Nancy Sauer sind die kreativen Köpfe des neues Projektes, dessen Ziel es sei, die Route bis Jahresende auf die Beine zu stellen. Dank der Frauen-Power gelang es auch, die Kulturstiftung des Freistaats Sachsen von der Idee zu begeistern. Das mit dem Ergebnis, dass es für eine Förderung ausgewählt wurde. Beim Projekt ­ „Uncover – Glasindustriegeschichte entdecken“ machen der Förderverein Glasmuseum Weißwasser und der  Unesco Global Geopark Muskauer Faltenbogen gemeinsame Sache.

„Es geht uns darum, wie man das Glasmuseum in die Zukunft bringen kann. Nur die Vergangenheit zu zeigen, reicht dafür nicht“, ist Christine Lehmann überzeugt. „Das funktioniert vermutlich nur, wenn die Jugend einbezogen wird, wir deren Blick auf die Vergangenheit gelten lassen, und neue Medien einsetzen.“ Deshalb braucht es fürs Gelingen unbedingt das Mittun von Weißwasseraner Schülern. Auch, weil es darum gehe, die Sprache der Jugend zu treffen und diese Route mit einfachen Worten zu begleiten, nicht mit wissenschaftlichen.

Es sind drei Bausteine, die das Projekt ausmachen. Der erste sind die Jugendlichen. „Vier Schüler vom Landau-Gymnasium sind schon mit im Boot, aber es können gern mehr technisch und historisch interessierte Jugendliche aus den Klassen 8 bis 10 mitmachen. Das Projekt eignet sich bestens, sich ein Stück selbst zu verwirklichen. Denn die Schüler würden ja mit Studenten zusammenarbeiten“, so Christine Lehmann.

Die Idee ist, dass die jungen Leute aus den hiesigen Schulen, von den Projektbetreuern einen gewissen Input erhalten, um die Sache überhaupt angehen zu können. Nancy Sauer: „Sie lernen den Faltenbogen kennen, das Glasmuseum. Wir machen mit ihnen Stadtrundgänge. Sie lernen, wie man im Stadtarchiv recherchiert. Im Ergebnis dessen soll sich jeder, oder wenn es viele Schüler sind gern auch zwei, einen geschichtsträchtigen Ort aussuchen und sich dann intensiv damit beschäftigen.“

Insgesamt geht es um zehn solcher Orte in Weißwasser. Die Telux könnte zum Beispiel einer sein. Da stecke so viel Historie drin, der man nachgehen könne. „Wir stellen uns auch Interviews mit Zeitzeugen vor, so dass im Endprodukt Geschichte erzählt wird.“

Der zweite Baustein, auf dem „Uncover“ fußt, sind Studenten der TU Dresden, Lehrstuhl Computergrafik und Visualisierung. Denn die Möglichkeiten der TU  seien enorm, sagen Christine Lehmann und Nancy Sauer, wenn es um 3D-Animationen für das Projekt gehe. Das Interesse des Lehrstuhlleiters sei sehr groß. Jedoch schwierig sei es, die Studenten dafür zu begeistern, nach Weißwasser zu kommen. „Wir müssen jetzt noch einmal intensiv miteinander reden, denn wir brauchen die Kooperation“, gibt Christine Lehmann den nächsten Schritt vor.

Der dritte Baustein ist die Route selbst. Angedacht sei der Start am Bahnhof Weißwasser. In etwa einer Stunde sollte man von dort aus  auf einem Weg durch die Stadt die Industriegeschichte erkunden können. Dabei will man sich auf das Kerngebiet fokussieren. Zum Beispiel erzählen auch viele Gründerzeit-Häuser Geschichte, die ja mit der Industrialisierung zusammenhänge. „Sicherlich wird es auch einen Flyer dafür geben. Aber wir denken daran, dass sich die Besucher ein Tablet ausleihen, damit durch die Stadt laufen und dann an den historischen Orten gucken, wie zum Beispiel an der Gelsdorfhütte, wie diese mal aussah, wie dort gearbeitet wurde, welche persönlichen Geschichten damit verknüpft sind“, blickt Christine Lehmann in die Zukunft.

Seit Frühjahr 2017 sei an der Idee für das Projekt getüftelt, im August der Förderantrag gestellt worden. Inzwischen liegt die Zusage vor. „Wir gehen von 20 000 Euro Gesamtkosten aus. Ein Drittel wird über Eigenleistungen durch das Glasmuseum, das Soziokulturelle Zentrum Telux und den Förderverein des Geoparkes aufgebracht“, sagt Nancy Sauer und zählt weiter auf: 6600 Euro übernimmt die Kulturstiftung. „6700 Euro wollen wir über Sponsoren absichern, und da sind wir sehr dankbar, dass mit  Firmen wie Telux Glasproducts- & Components GmbH, Spiegelart, Willms und WBG verlässliche Partner an unserer Seite sind.“ Dazu gehöre auch das Institut für Stadtumbau und Ortserneuerung Kaiserslautern mit Prof. Holger Schmidt, der in Weißwasser infolge verschiedener Projekte für die Stadtentwicklung kein Unbekannter ist. „Weitere Unterstützer sind herzlich willkommen“, lädt Christine Lehmann ein.

Schüler, die Interesse haben, oder Unterstützer können sich per E-Mail an info@glasmuseum-weisswasser.de wenden.

Blick auf die Gelsdorfhütte in Weißwasser.
Blick auf die Gelsdorfhütte in Weißwasser. FOTO: Regina Weiß