Fachlich gesehen wird der Weißwasseraner Feuerwehr von allen Seiten Jahr für Jahr viel Lob zuteil. So auch am Freitag bei der Jahreshauptversammlung in der Tanzschule Weisse. Die Mitglieder verstehen ihr Handwerk, betonte zum Beispiel Ingelore Ruge vom Brand- und Katastrophenschutzamt im Landkreis. Wer in Not gerät, deren Hilfe benötigt, kann sich hundertprozentig auf die Retter in Uniform verlassen. In ihren Reihen befinden sich nicht zuletzt etliche Kameraden, die ihr anfängliches Hobby zum Beruf machten und in verschiedenen Großstädten bei der Feuerwehr in Lohn und Brot stehen. In ihrer Freizeit bringen sie sich in Weißwasser ehrenamtlich mit ein - für 2015 schlagen 296 Einsätze zu Buche und damit 57 mehr als im Vorjahr. Die Männer und Frauen konnten 27 Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen retten. Mit 2472 Ausbildungsstunden konnte die Weißwasseraner Wehr laut Leiter Gerd Preußing gegenüber 2014 etwas zulegen. Einige geben als Kreisausbilder ihr Wissen an andere Wehren weiter.

Alles super. - Wenn die Wehr doch nicht schon seit Generationen an Grüppchenbildung kranken würde. Meinungsverschiedenheiten machen hinter vorgehaltener Hand die Runde. Auch am Freitagabend. Nur offen sprachen es jene, die der Wehrleitung und den hauptamtlichen Feuerwehrleuten in Weißwasser kritisch gegenüberstehen, nicht an. Aber bei den anstehenden Wahlen blieb es nicht verborgen.

Gerd Preußing hatte sich als Chef noch einmal für fünf Jahre, wie er betonte, zu Wahl gestellt. Das trotz seiner beruflichen Belastung als Referatsleiter in der Stadtverwaltung. Ihm gehe es um das Potenzial in der Feuerwehr, und er wünsche sich, sie voranzubringen. Nach geheimer Abstimmung stand fest: 35 stimmten für ihn, vier gegen ihn und sechs enthielten sich der Stimme.

Gleich drei Kameraden wollten Vize-Chef werden: Markus Grimmer, Norman Raabe und (erneut) Frank Wolsch. Grimmer, seit über 20 Jahren dabei, hatte lange überlegt, mit vielen gesprochen und sei von einigen auch gebeten worden, zu kandidieren. "Ich möchte Gerd unterstützen, der schon genug um die Ohren hat, und dann unsere Berg- und Talfahrt in der Wehr beenden. Wir brauchen ein langfristiges Hoch." Das Klima in der Wehr habe sich jetzt verbessert. "Wir sind eine gute Truppe und können es schaffen", so Grimmer. Norman Raabe sei nicht einer der großen Worte, sagte er. Seine Devise sei, entweder man macht etwas oder redet nur. Für Frank Wolsch sei das in jüngster Zeit wahrgenommene Wir-Gefühl ausschlaggebend gewesen, noch einmal anzutreten. Doch die Entscheidung fiel letztlich bei der Stichwahl zwischen Markus Grimmer und Norman Raabe - 28:13 (vier Stimmen ungültig) eindeutig aus. In den Feuerwehrausschuss wurden Henry Kossack, Frank Hilbig, Markus Kania und Thomas Beck gewählt. Es gab acht Bewerber.

Gerd Preußing setzt seine Hoffnung auf diese neue Konstellation. "Jede Gruppierung ist nun vertreten", kommentierte Preußing gestern. Norman Raabe, der eigentlich sein Stellvertreter sein wollte, habe laut Preußing noch am Freitagabend den Austritt aus der Wehr erklärt.

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Bei 166 der insgesamt 296 Einsätze im Jahr 2015 waren freiwillige Kameraden dabei, 74 mehr als 2014. "Wir stoßen hier an die personellen Grenzen, besonders Montag bis Freitag von 6 bis 18 Uhr. Hier stehen uns die wenigsten ehrenamtlichen Kameraden zur Verfügung", so Wehrleiter Gerd Preußing. Mit 51 ist die Zahl der aktiven Kameraden konstant geblieben. Nach der Feuerwehr-Mindestverordnung wären 84 notwendig. Das größte Problem stellt aber nach wie vor die Tageseinsatzbereitschaft dar, obwohl die Zahl der Einsatzbereiten von elf auf 14 erhöht werden konnten. Von diesen sind elf Angestellte der Stadtverwaltung. Der eingeschlagene Weg, Feuerwehrleute innerhalb der Verwaltung zu integrieren oder Mitarbeiter für ein Mitwirken in der Feuerwehr zu gewinnen, ist laut Preußing der richtige und muss weiter beschritten werden.