Es ist erst wenige Wochen her, dass der Geopark Muskauer Faltenbogen in das neu geschaffene Unesco-Global-Geopark-Programm aufgenommen wurde. Ende Mai soll das Unesco-Label offizell überreicht werden - vor standesgemäßer Kulisse, vor dem Schloss im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, der seinerseits zum Unesco Weltkulturerbe zählt.

Der Titel ist für vier Jahre sicher, 2019 folgt die Titelverteidigung. "Wir haben uns schon 2015 fachlich neu aufgestellt. Das heißt, jeder im Team, ob hier in der Geschäftsstelle in Döbern oder im Infopunkt in Weißwasser, hat seine spezifischen Aufgaben, um die er sich kümmert. So können wir die Auflagen, die mit der Verteidigung des Titels europäischer Geopark und der Aufnahme in das Unesco-Global-Geopark-Programm verbunden sind, am besten umsetzen und neue Produkte anbieten", sagt Nancy Sauer, Leiterin der Geschäftsstelle des Geoparks.

Das Know-how haben "Erfinder" und Verteidiger des Geopark-Gedankens wie Manfred Kupetz, Vorsitzender des Fördervereins Muskauer Faltenbogen, und das seit 2012 tätige kleine Geopark-Team mit viel Durchhaltevermögen, Kreativität und Fleiß erworben, unterstützt durch die Landkreise Spree-Neiße und Görlitz, das Amt Döbern-Land und die Stadt Weißwasser. Darauf soll aufgebaut und der Geopark Muskauer Faltenbogen nun im internationalen Reisemarkt aufgestellt werden.

Der Marktauftritt wird deshalb schrittweise dreisprachig gestaltet. "Zu deutsch und polnisch wird englisch hinzukommen", so Nancy Sauer. Sie nimmt sich gemeinsam mit Partnern wie dem Tourismusverband Niederlausitz, der Stadt Weißwasser und der Touristische Gebietsgemeinschaft Neißeland einem weiteren Vorhaben an: der Sensibilisierung der regionalen Wirtschaft für das einzigartige Naturerbe in Deutschlands Südosten und Polens Südwesten. Dazu wird es im April ein größere Auftaktveranstaltung geben.

"Der Geopark schafft eine besondere regionale Identität. Ganz anders als ein Emissionshandel, bei dem sich Unternehmen für Umweltverschmutzung quasi frei kaufen können. Hier können sie erleben, sehen, riechen, fühlen wie eine Landschaft aussieht, die infolge jahrhundertelangen Rohstoffabbau entstanden ist. Und was sie zu bieten hat, wenn man sie in Ruhe lässt und nur sanft touristisch entwickelt."

Natur erleben und Wissen tanken, dazu wird es auch in diesem Jahr wieder viele Gelegenheiten geben. Die reichen von der Saisoneröffnung am 15. April am Marstall in Bad Muskau, über das Anradeln am 23. April bis zu Geoparktagen am 7. und 8. Mai, Touren, die zertifizierte Geopark-Führer anbieten, und Angeboten für Kinder und Jugendliche. Dazu gehören das internationale Geopark-Camp und Angebote, die das Netzwerk Umweltbildung für Kitas und Schulen in Sachsen auf dem Plan hat, darunter ein Filmprojekt mit Zehn- und Elftklässlern des Landau-Gymnasiums in Weißwasser und polnischen Schülern. "Die Schüler werden den Geopark filmisch vorstellen", erläutert Theresia Bouhaka vom Geopark-Infopunkt Weißwasser. "Sie werden ihre Projektarbeit zum Abschluss des Schuljahres präsentieren und eine Note dafür bekommen. Der Film wird in deutsch, polnisch und englisch vertont, sodass wir ihn auf Messen und Veranstaltungen zeigen können."

Zur nächsten Internationalen Tourismusbörse (ITB) Anfang März in Berlin wird sich der Geopark Muskauer Faltenbogen erneut präsentieren - noch ohne das in Projektarbeit mit polnischen und deutschen Gymniasten entstehenden Videoclip, aber mit viel Enthusiasmus. Weitere Messe-Termine sind die Oberlausitzer Gewerbe- und Leistungsschau Konventa im April und die Internationale Tourismusbörse Wroclaw im Februar.

Zum Thema:
2015 zählte der Geopark Muskauer Faltenbogen rund 33 500 Besucher. 3000 davon nahmen an Geopark-Führungen durch zertifizierte Geoparkführer auf deutscher Seite und polnischer Seite teil, darunter 1000 Kinder. Der Einladung zu geoparkeigenen Veranstaltungen wie Frühlingsspaziergang, Anradeln oder Geoparktage folgten rund 1200 Personen. In den GeoErlebniszentren Döbern, OkSiR und Jerischke wurden 1500 Besucher gezählt. Umweltbildungsprojekte (unterrichtsbegleitend, Weiterbildung, Wandertage) wurden von 600 Teilnehmern besucht. Auf Geopfaden (Themenradwege, Alte Babina, Drachenberge, Alt-Keula-Tour, Weißkeißel-Rundweg, Keramiktour) waren schätzungsweise 27 000 Radtouristen unterwegs, wobei auf dem Geotouristischen Pfad Alte Grube Babina (Polen) mit der einzigen Meßstelle 17 015 Besucher registriert wurden. In den vergangenen Jahren wurden 4,5 Millionen Euro in den touristischen Ausbau des Geoparks Muskauer Faltenbogen investiert, darunter eine Million Euro auf polnischer Seite.