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| 16:39 Uhr

Grenzüberschreitend
Geopark steckt die Zukunft ab

Weißwasser. Masterplan für den Muskauer Faltenbogen enthält viele Ideen und über 50 Investitionsobjekte. Von Regina Weiß

Geoparkführer Jürgen Siegemund aus Gablenz kennt den Muskauer Faltenbogen wie seine Westentasche. Mit seinen Touren kann er Geopark-Fans und solche, die es werden könnten, für die Schönheiten vor seiner Haustür begeistern. Um so mehr regt es ihn auf, wenn er von einem Tag auf den anderen Waldwege nicht mehr betreten kann, weil sie vom Harvester „umgepflügt“ wurden. So jetzt im Gebiet der ehemaligen Grube Herrmann geschehen. Siegemund geht  davon aus, dass diese Wege monatelang nicht zur Verfügung stehen werden.

Der Geopark Muskauer Faltenbogen darf sich zwar mit dem Unesco-Label schmücken, hat aber keinen Schutzstatus. Das macht sich just bei der Waldwegproblematik bemerkbar, muss Nancy Sauer, Leiterin der Geopark-Geschäftsstelle in Döbern, eingestehen. Ein Problem aus dem Alltag, das im nächsten Jahr möglichst mit einer Kooperation von Park und Waldbesitzern geklärt werden soll. „Wir wollen Überzeugungsarbeit leisten“, so Nancy Sauer. Letztlich soll es gelingen, die Besitzer der grünen Lunge in das Geotop-Management mit einzubeziehen.

Nicht die einzige Aufgabe, die viel Kraft und Engagement erfordert. Bis Ende Januar muss der Masterplan für den Geopark fertiggestellt sein. Dieser schreibt die Entwicklungsstrategie bis 2028 fest. Freitag wurden in Weißwasser erste Ergebnisse aus dem Werk, das das Büro GEOmontan GmbH aus Freiberg zusammen mit den Geopark-Mitstreitern, Partnern, und interessierten Bürgern erstellt hat, präsentiert.

Wichtig aus Sicht von Manfred Kupetz, Vorsitzender des Fördervereins Geopark, ist die Stärken- und Schwächen-Analyse, die es jetzt gibt. „Das ist ja ganz interessant für die Fördermittelstellen“, so Kupetz. Außerdem geht es um die nachhaltige Entwicklung des Faltenbogens. Dabei ist der Unesco Global Park, wie er sich seit November 2015 nennen darf, auch den Zielen der UNO verpflichtet. Diese müssen sozusagen mit den Ideen und Vorschlägen aus der Region in Einklang gebracht werden. Bei mehreren Workshops und Arbeitsgesprächen haben rund 100 Teilnehmer beim Findungsprozess mitgemacht und mitgeteilt, was für sie die Zukunft des Faltenbogens ausmacht. So braucht der Park Anlaufpunkte in der Region, um besser öffentlich wahrgenommen zu werden. Der Ausbau und der Erhalt der Wege stehen ebenfalls auf der Wunschliste, ebense  mehr Angebote in der Umweltbildung und die Verbesserung der personellen Kapazitäten. Bis Stand Dezember sind bereits rund 50 Projekte zusammengekommen, die zwischen Klein Kölzig, Weißwasser und Trzebiel (Triebel) umgesetzt werden sollen. Das reicht vom Bau vom Parkplatz bis Caravanstellflächen, geht weiter über eine einheitliche Beschilderung bis hin zum Aufbau von Besucherzentren. Für die Alte Ziegelei in Klein Kölzig liegen die Pläne vor. Rund 800 000 Euro sollen in den Umbau fließen. Das Lagerhaus des ehemaligen deutschen Ton- und Steinzeugwerkes in Leknica (Lugnitz) – bekannt auch als ehemalige Tischlerei – soll ebenfalls Besucherpunkt werden. Dort hat man verdaut, dass der erste Förderantrag nicht von Erfolg gekrönt war und startet mit Partner Weißwasser nun Versuch Numero zwei. Weißwasser will mit dem hoffentlich fließenden Fördergeld, den touristischen Teil in seinem Bahnhof finanzieren, so Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext).

Neben dem Masterplan für die Zukunft dürfen die Geoparkverantwortlichen zwei andere wichtige Punkte nicht aus den Augen lassen. So geht es um die finanziell und juristisch unabhängige, deutsch-polnische Betreiberstruktur. Der Europäische Verbund für territoriale Zusammenarbeit soll genau das werden und bis Frühjahr 2019 in trockenen Tüchern sein. Beschlüsse der Kreistage und Kommunen gehen in diese Richtung. Doch bevor gegründet wird, muss ein deutsch-polnisches Rechtsproblem gelöst werden. Den Knoten der unterschiedlichen Haftungspflichten sollen die Innenministerien in Dresden und Potsdam sowie die Landesdirektion in Dresden zerschlagen. „Das wird uns noch viel Zeit, speziell Reisezeit kosten“, so Manfred Kupetz.

Parallel dazu muss die Re-Evaluierung vorbereitet werden. Die Wiederbewertung zur Verteidigung des Unesco-Labels kostet viel Papier und ist genauso aufwendig wie ein Neuantrag. Wenn die vielen Dokumente ausgefüllt sind, schaut auch die deutsche Unesco-Kommission im Geopark vorbei, genau wie zwei internationale Fachleute, die im Frühjahr 2019 erwartet werden. Und dann heißt es warten. Erst ein Jahr später wird feststehen, ob der Geopark weiterhin in der obersten Liga mitspielen kann.