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| 19:11 Uhr

Wölfe in Sachsen
Genetik und Fotofallen sollen Klarheit bringen

Ob in Weißkeißel die Hunde von Wölfen oder anderen Hunden totgebissen worden sind, ist bisher unklar.
Ob in Weißkeißel die Hunde von Wölfen oder anderen Hunden totgebissen worden sind, ist bisher unklar. FOTO: Anett Kalmar / dpa
Weißkeißel. Hund in Weißkeißel totgebissen. Der vierbeinige Täter kommt aufs Grundstück zurück.

Auf der Langen Straße in Weißkeißel wächst die Sorge. Hintergrund ist der zweite Angriff auf einen Hund innerhalb weniger Tage. Thyson, der im Gegensatz zu einem in Krauschwitz getöteten Hund, die erste Attacke am 27. Dezember verletzt überlebt hatte und vom Tierarzt behandelt wurde, ist Silvester totgebissen worden. „Der Hund war vielleicht fünf Minuten draußen“, schildert Thomas Schneider auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Der vier Jahre alte Mischling wurde vom beleuchteten Grundstück gen Eichendamm verschleppt. Vorher war der Karabiner an der Hundehütte durchgebissen worden, um das Tier als Beute mitzuschleppen.

Wer der Täter ist, darüber streiten sich nun die Geister. Thomas Schneider ist sich sicher, dass es sich bei dem Tier um keinen Schäferhund handelt. Ob es ein Wolf oder ein Hybride ist, bleibe fraglich. „Er wird nur von allen gleich beschrieben“, so Thomas Schneider. Beige-­grau soll sein Fell sein. So ist er in Krauschwitz gesehen worden und ebenso in Weißkeißel mehrfach. Auch am Dienstagabend soll er wieder über eine Pferdekoppel geschlichen sein. Genau dort, wo die Reste von Thyson gefunden wurden. Bis auf Kopf und Vorderläufe war alles weg, weiß Thomas Schneider.

Schon nach der ersten Attacke hatte das Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung eine Kamera auf dem Grundstück installiert. Sie war von 19 bis 6 Uhr programmiert gewesen. Doch der zweite Angriff erfolgte gegen 18 Uhr. Als wenn es das Tier geahnt hätte. Auch eine Videoaufnahme von Bewohnern der Nachbarschaft sei zu undeutlich, um das Tier eindeutig identifizieren zu können.

Das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen weiß um die zwei toten Hunde aus Krauschwitz und Weißkeißel. Beide Kadaver wurden zur Untersuchung an das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) Berlin geschickt und von beiden wurden Genetikproben genommen. Diese werden vom Genetiklabor in Gelnhausen untersucht.

„Genetik und Fotofallen sollen jetzt Klarheit bringen, ob die Hunde von einem Hund oder einem Wolf getötet wurden“, so Jana Endel vom Kontaktbüro. Sollte es der Fall sein, dass ein Wolf die Hunde getötet hat, ist dieses Verhalten natürlich unakzeptabel und der Managementplan sieht in solchen Fällen die Entfernung/ Tötung des Wolfes vor, heißt es auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Im Zuge der Hundeangriffe haben sich Leser wie Friedemann Fetzko aus Krauschwitz daran erinnert, Isegrim mehrfach ortsnah gesehen zu haben. Die Rede war vom Orts­eingang Bad Muskau in Höhe Badepark/Schmiede Klenner, von Köbeln oder dem Oberpark.

„Wolfssichtungen in ortsnahen Bereichen gibt es schon seit Beginn der natürlichen Wiederbesiedlung. So wie man es von anderen Wildtieren wie Rehen, Wildschweinen und Füchsen kennt, laufen Wölfe im Schutze der Dunkelheit auch quer durch Ortschaften und unmittelbar an Häusern vorbei. Dieses Verhalten ist in der Regel nicht konfliktträchtig“, erklärt Jana Endel in diesem Zusammenhang.

Friedemann Fetzko hatte von seiner tierischen Begegnung im Dezember auch dem Wolfsbüro berichtet. Er fühlte sich aber, gelinde gesagt, nicht ernst genommen. Dem wiederspricht Jana Endel. Selbstverständlich würden Hinweise und Meldungen aus der Bevölkerung ernst genommen und ihnen werde, soweit dies möglich ist, gewissenhaft nachgegangen.

Übrigens den größten Schaden verursachte der Wolf im vergangenen Jahr in der Region in einem Damwildgatter in Daubitz. Dort gab es 26  tote Tiere.

(rw)