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| 17:50 Uhr

Medizinische Versorgung
Genesung von Patient „Hausarzt“ dauert

Der Hausärztemangel lässt Patienten schier verzweifeln.
Der Hausärztemangel lässt Patienten schier verzweifeln. FOTO: fotolia
Weißwasser. Kassenärztliche Vereinigung: Sachsen erhöht Förderung. Für eigene Hausarztpraxen gibt es jetzt 100 000 Euro. Von Gabi Nitsche

 Mit der Genesung des Notfallpatienten „Hausarzt“ in Weißwasser geht es nur langsam voran. So richtig scheint dieser noch nicht über den Berg zu sein, wie die jüngsten Informationen der Kassen­ärztlichen Vereinigung Sachsen (KV) vermuten lassen. Kurzfristig sei eine umfassende Lösung leider nicht zu erwarten, bedauert Geschäftsführer Michael Rabe. „Umso wichtiger sind aus unserer Sicht jetzt einzelne kleine Schritte, die die Niederlassungschancen auch für Weißwasser signifikant erhöhen.“

Seit einigen Wochen ist es der KV möglich, in besonders betroffenen Regionen wie Weißwasser für die Übernahme hausärztlicher Praxen oder für neue Niederlassungen Förderpauschalen in Höhe von 100 000 Euro zu vergeben. Bisher waren maximal bis zu 60 000 Euro auszahlbar, so Rabe. Dieser betont: „Für Sachsen bedeutet der Beschluss des Landesausschusses eine grundlegende Änderung der langjährigen Förderpraxis. Es verbessert sich dadurch aus unserer Sicht die hiesige Position im bundesweiten Wettbewerb um hausärztliche Niederlassungen ganz erheblich.  Zusätzlich zur Förderpauschale wird auch weiterhin unterstützt, indem ein Mindestumsatz gewährt wird.

Darüber hinaus sei es gelungen, gemeinsam mit dem Kreiskrankenhaus Weißwasser eine hausärztliche Behandlungsoption für Weißwasser zu schaffen. So habe der Zulassungsausschuss Ärzte Dresden als zuständiges Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung kürzlich dem Antrag des Krankenhauses auf Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung im Rahmen einer Institutsermächtigung stattgegeben. Damit werden voraussichtlich ab Februar – vorerst befristet bis zum Dezember 2019 – geeignete Ärzte des Krankenhauses neben ihrer stationären Tätigkeit auch ambulante hausärztliche Behandlungen durchführen können, so KV-Chef Michael Rabe. Dies war bisher aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Trennung von stationärer und ambulanter Versorgung nicht möglich.

Im Rahmen der Berichterstattung über die  neue Intensivtherapiestation kurz vor Weihnachten hatte die RUNDSCHAU diese gute Nachricht bereits veröffentlicht. Vor allem für Diabetes-Erkrankte, die seit der Schließung der einzigen Facharzt-Praxis dafür in Weißwasser im März 2017 vor großen Problemen stehen, sollen dort einen Anlaufpunkt finden, hatte Geschäftsführer Steffen Thiele gesagt. Hunderte Patienten, vor allem ältere, waren total verzweifelt, weil sie nicht mehr wussten, wohin, haben doch die anderen Arztpraxen in Weißwasser überwiegend ihre Kapazitätsgrenzen weit über Gebühr ausgereizt. Neue Patienten anzunehmen, da waren diesen meist die Hände gebunden.

Unabhängig von der vorgesehenen Institutsambulanz am Krankenhaus ist Weißwasser eine von zwei neuen sächsischen Modellregionen. Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU): „Wir wollen dort solche Maßnahmen modellhaft erproben, die die medizinische Versorgung unter Einbeziehung von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten zukunftsfähig machen.“ Die Fachgespräche dazu stehen noch bevor.

Die RUNDSCHAU fragte bei der KV auch nach, wie es sich mit der Kostenübernahme für gesetzlich versicherte Patienten verhält, die vor lauter Verzweiflung Privatsprechstunden nutzen. Denn in Weißwasser hat ein ehemaliger niedergelassener Hausarzt vor Kurzem für seine Privatsprechstunde öffentlich geworben.

Die KV weist hin: Bei Inanspruchnahme privatärztlich tätiger Mediziner sind die Patienten selbstverständlich persönlich zur Zahlung der Gebührenrechnung des Arztes verpflichtet. „Es sei denn, eine private oder unter Umständen auch eine gesetzliche Krankenversicherung hat im Vorfeld der Behandlungen die Übernahme der entstehenden Behandlungskosten ausdrücklich zugesichert.“
Was sich derzeit noch nicht praktisch bemerkbar macht im Raum Weißwasser, ist das sächsische Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“. Das hat die finanzielle Förderung von ausgewählten deutschen Medizinstudenten im ungarischen Pecs zum Inhalt. Doch es wird seine Wirkungen für Sachsen tatsächlich erst in einigen Jahren entfalten können, so der KV-Chef. Denn die Tätigkeit als Hausarzt verlange neben dem erfolgreichen Abschluss eines Medizinstudiums auch die Absolvierung einer fünfjährigen fachärztlichen Weiterbildung. „Gegenwärtig hat allerdings noch keiner der Geförderten die Voraussetzungen erfüllt, um die fachärztliche Weiterbildung beginnen zu können.“