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| 21:45 Uhr

Kampf um die Geschlechter
Die Lausitzer sehen die Gendersprache skeptisch

 Statt der Symbole für Mann und Frau steht an diesem WC schlicht Toilette. Für eine  Unisex-Toilette oder auch All-Gender-Toilette. Die ersten Schulen in Deutschland haben sie eingerichtet für Kinder, die sich in einer klassischen Geschlechterordnung nicht wiederfinden. Foto: Swen Pförtner/dpa
Statt der Symbole für Mann und Frau steht an diesem WC schlicht Toilette. Für eine Unisex-Toilette oder auch All-Gender-Toilette. Die ersten Schulen in Deutschland haben sie eingerichtet für Kinder, die sich in einer klassischen Geschlechterordnung nicht wiederfinden. Foto: Swen Pförtner/dpa FOTO: dpa / Swen Pförtner
Görlitz/Senftenberg. Die Städte Hannover und Augsburg haben jetzt die gendergerechte Sprache eingeführt. Damit soll der Diskriminierung der Geschlechter entgegengewirkt werden, heißt es. Auch in der Lausitz ist die gendergerechte Sprache inzwischen angekommen. Von Torsten Richter-Zippack

„Sachbearbeiter (m/w) gesucht“ hieß es bislang in vielen Stellenanzeigen. Zumindest im Görlitzer Landratsamt ist jetzt damit Schluss. „Sachbearbeitung (m/w/d)“ steht seit Jahresbeginn in den Ausschreibungen. Der Beruf wird versächlicht, das „d“ bedeutet divers.

Es ist für Menschen bestimmt, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen. „Mit der offiziellen Einführung des dritten Geschlechts zu Beginn des Jahres will auch die Landkreisverwaltung alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht ansprechen“, begründet Sprecherin Julia Bjar.  Ohnehin sei die Behörde bemüht, gendergerecht zu formulieren und gleichzeitig eine verständliche und flüssige Verwaltungssprache zu verwenden. Statt „Männer“ und „Frauen“ wird nunmehr von „Menschen“ und „Personen“ gesprochen. Aus Studenten werden Studierende, aus Ehrenamtlern Ehrenamtliche. Allerdings, so schränkt Julia Bjar ein, werde nicht auf Teufel komm raus gegendert. „Dabei gilt es, stets das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen in Einklang zu bringen.“

Der Kreis Bautzen leistet sich eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte, die bei Beschlüssen und der Einführung neuer Schriftstücke sowie Stellenausschreibungen des Landkreises auf gendergerechte Sprache achtet, erklärt Sprecherin Dunja Reichelt.  Derzeit werde an einem Leitfaden für bürgerfreundliche Sprache gearbeitet, der auch das Gendern berücksichtigt. Gleichzeitig sagt Reichelt, dass Gleichberechtigung gelebt werden müsse und nicht durch Sprachkonstruktionen künstlich erzeugt werden sollte.

Anders in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover: Dort ist Mitte Januar eine „Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ präsentiert worden. Gendersprache ist nach Angaben des Rathauses nunmehr verpflichtend. Dabei wird auch das Gender-Sternchen verwendet. So heißt es ab sofort beispielsweise „Antragsteller*innen“ beziehungsweise „Redeliste“ statt bislang „Rednerliste“. Die Stadt wolle der „Vielzahl geschlechtlicher Identitäten Rechnung tragen“, heißt es auf der Internetseite. Etwas abgeschwächt verwendet seit Kurzem auch Augsburg in Bayern die Gender-Sprache. „Verbindliche Vorgaben oder Empfehlungen wie kürzlich von der Landeshauptstadt Hannover eingeführt, haben wir nicht“, sagt indes Stephan Hornak vom Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Dennoch lebe die Behörde bereits die geschlechtergerechte Kommunikation. Der „Ansprechpartner“ ist abgeschafft. Stattdessen heiße es „Auskunft erteilt“ plus dem Namen des zuständigen Bearbeiters. In der Neuen Bühne Senftenberg dagegen findet das Gender-Sternchen Verwendung. So werden die Begriffe „Partner*innen“ und „Sponsor*innen“ genutzt. Zwecks einer Nachfrage war im Theater bislang niemand erreichbar. Anders dagegen im Senftenberger Rathaus:  „Die Kreisstadt wird weiterhin die Begriffe Senftenbergerinnen und Senftenberger verwenden. Über die Einführung der gendergerechten Sprache wird nicht nachgedacht“, stellt Sprecher Andreas Grobe klar. Nicht so in Hoyerswerda: „Gendergerechte Sprache wird bei uns nicht nur in Stellenausschreibungen, sondern auch im täglichen Schriftverkehr angewendet. Wir sind uns der besonderen Bedeutung der Gleichstellung voll bewusst“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Großen Kreis-stadt, Angela Donath.  Aber: „Ganz persönlich habe ich mitunter auch das Gefühl, dass die gendergerechte Sprache geradezu zur Überspitzung herausfordert“, sagt Donath weiter. Als Beispiel führt sie Vorschläge an, das „Vaterland“ in „Heimatland“ umzubenennen. „Auf diese Weise könnte schnell der Verdacht aufkommen, ideologischen Hirngespinsten nachzuhängen. Und das dürfte in der Sache eher kontraproduktiv sein.“