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| 02:55 Uhr

Gemeinsame Ausbildung mit den polnischen Kameraden

Gemeindewehrchef Wilfried Reckusch gratuliert hier den Kameraden Roland Wittig, Ehrenfried Neudeck und Dieter Brunsch (von vorn) für 40 Jahre aktiven Dienst. Auch Hartmut Pausch, der nicht anwesend war, wurde diese Ehrung zuteil. Den Präsentkorb des Jahres erhielt Mario Zinke. Der Kamerad war bei einem Einsatz auf dem Weg zum Gerätehaus mit dem Fahrrad gestürzt und hatte sich verletzt.
Gemeindewehrchef Wilfried Reckusch gratuliert hier den Kameraden Roland Wittig, Ehrenfried Neudeck und Dieter Brunsch (von vorn) für 40 Jahre aktiven Dienst. Auch Hartmut Pausch, der nicht anwesend war, wurde diese Ehrung zuteil. Den Präsentkorb des Jahres erhielt Mario Zinke. Der Kamerad war bei einem Einsatz auf dem Weg zum Gerätehaus mit dem Fahrrad gestürzt und hatte sich verletzt. FOTO: Ingolf Tschätsch/igt1
Rietschen. Eine sehenswerte Bilanz 2013 konnte auf der Jahreshauptversammlung der Gemeindefeuerwehr Rietschen am Sonnabend im hiesigen Kino-Café gezogen werden. Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein. So kämpft die Ortswehr Rietschen beispielsweise um die Sicherung der Tageseinsatzbereitschaft, weil immer weniger Kameraden zur Verfügung stehen. Ingolf Tschätsch/igt1

Gemeindewehrleiter Wilfried Reckusch ließ keinen Zweifel aufkommen: "2014 wird wieder ein anspruchsvolles Jahr für uns." Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Umstellung auf Digitalfunk, die Anbindung an die neue Rettungsleitstelle in Hoyerswerda, die Verlegung des Schöpses, der einen neuen Verlauf erhält, und nicht zuletzt den Abschluss des deutsch-polnischen Projektes Wasserwehr. In dieses ist die Gemeinde Rietschen gemeinsam mit den Kommunen Boxberg und Kreba-Neudorf sowie dem polnischen Landkreis Zary integriert. Anliegen ist laut Reckusch die Beschaffung von Ausrüstungen für die Wasserwehren. Um Fördermittel zu erhalten, müssen die Feuerwehren gemeinsame Ausbildungen absolvieren. An drei praxisorientierten Veranstaltungen haben die Rietschener Kameraden bereits auf polnischer Seite teilgenommen. Eine gemeinsame theoretische deutsch-polnische Ausbildung fand im November in Rietschen statt. In diesem Jahr sind noch drei weitere Ausbildungen auf dem Gebiet der Gemeinde Boxberg geplant, wie der Gemeindewehrleiter informierte.

Kameradschaftlicher Umgang

Im Hinblick auf die neuen Herausforderungen 2014 konnte Wilfried Reckusch am Sonnabend auf der Jahreshauptversammlung der Gemeindefeuerwehr Rietschen im Kino-Café Optimismus verbreiten. Die hiesigen Brandschützer und die Gäste im Saal - Bürgermeister Ralf Brehmer (Freie Wähler) und Kameraden der polnischen Partnerwehr aus Ilowa - erfuhren, dass die im vergangenen Jahr neu gewählten Wehrleitungen sich gut in ihre Aufgaben eingearbeitet haben. Es herrsche eine Atmosphäre des kameradschaftlichen Miteinanders, in der Probleme meist schnell und auf direktem Wege geklärt werden konnten.

Reckusch verwies auch auf die 32 Einsätze - sieben mehr als 2012 - die die Floriansjünger der Ortswehren insgesamt zu bewältigen hatten. Dabei seien 369 Einsatzstunden geleistet worden. Ein Plus von 113 gegenüber dem Vorjahr. Die Gesamtmitgliederzahl wuchs um drei auf 126 Kameraden, wovon 77 der aktiven Abteilung angehören. Hier wie auch bei der Jugendwehr, in der 13 Mädchen und Jungen mitarbeiten, sind jedoch die Anstrengungen zur Nachwuchsgewinnung zu verstärken, forderte der Gemeindewehrchef. Auch müsse der Grundausbildung neuer Brandschützer größtes Augenmerk geschenkt werden.

Bernd Weise, der Rietschener Ortswehrleiter, beklagte in der Diskussion, dass ihm immer weniger Kameraden zur Verfügung stünden. Obwohl 20 der aktiven Truppe angehören, wären nur 13 voll ausgebildet. "28 müssten es optimal sein", erklärte er. Für die Absicherung der Tageseinsatzbereitschaft kämen fünf Kameraden in Frage. "Zusätzlich kann ich hier noch auf drei weitere Kameraden zurückgreifen, die wegen Schichtarbeit aber nur bedingt einsetzbar sind", so Weise. Glücklicherweise könne bei Bränden mit der Hilfe durch die Stannewischer Nachbarwehr gerechnet werden. In diesem Zusammenhang sprach der Redner davon, dass durch den kürzlichen Tod des 56-jährigen Kameraden Frank Onischke - ihm zu Ehren wurde eine Schweigeminute eingelegt - eine schmerzliche Lücke in die Reihen der aktiven Tageseinsatzkräfte gerissen worden sei. Bernd Weises Vorschlag lautete, falls alle Anstrengungen zur Gewinnung neuer Mitglieder nichts nutzen würden: "Dann müssen wir wie früher die Pflichtfeuerwehr einführen."

Absage für Pflichtwehr

Dieser Idee teilte Kamerad Heinz-Dieter Götteritz eine Absage. "Das mit der Pflichtwehr haben wir in Hammerstadt versucht. Es hat nicht funktioniert. Wenn jemand das nicht freiwillig machen will, wird es nichts", argumentierte er. Götteritz kritisierte die mangelhafte Bereitschaft der Kameraden, sich an der Diskussion auf der Jahreshauptversammlung zu beteiligen. "Das gefällt mir nicht. Wir hatten da schon mal eine andere Atmosphäre."

Bürgermeister Ralf Brehmer lenkte im Schlusswort die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf die veränderten Einsatzbedingungen der Wehren, die der demografische Wandel auch in Rietschen mit sich bringe. So habe die Gemeinde 856 Einwohner im Vergleich zum Jahr 1990 verloren. Die Bürger würden nicht nur zahlenmäßig immer weniger, sondern auch immer älter werden. Er bescheinigte der Gemeindewehr, nicht nur hier auf dem richtigen Wege zu sein.