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Gemeinsam werden die eigenen Sinne erkundet

Olga soll erraten, was sich unter ihren Füßen befindet, ohne, dass sie sieht, was dort ist.
Olga soll erraten, was sich unter ihren Füßen befindet, ohne, dass sie sieht, was dort ist. FOTO: Köhler
Weißwasser. Insgesamt 39 Schüler aus Weißwasser und Bogatynia in Polen haben am Mittwoch ihre Sinne in der Station Junger Naturforscher und Techniker erforscht. Außerdem geht es bei der Schulpartnerschaft um Toleranz und das Kennenlernen des anderen. Christian Köhler

"Kann man das wirklich essen?", fragt Celine in die Runde. "Ja", sagt Markus Güttler, Sozialarbeiter bei der Station Junger Naturforscher und Techniker. Er ist beim "Pfad der Sinne" an der Station, bei der die Schüler ihren Geruch und Geschmackssinn testen sollen. "Wir sind von der Bruno-Bürgel-Oberschule angesprochen worden, einen solchen Projekttag zu organisieren", erzählt Güttler, der in der Einrichtung für die internationale Jugendarbeit zuständig ist. Und international ging es am Mittwoch in der Station zu.

Seit zwölf Jahren hat die Bruno-Bürgel-Oberschule eine Partnerschule im polnischen Bogatynia. "Viermal im Jahr treffen wir uns mit den Schülern des Gymnasiums Nr. 1 und führen verschiedene Veranstaltungen durch", erzählt Simone Urbank von der Weißwasseraner Schule. Diese dienen dazu, so sagt die polnische Deutschlehrerin Edyta Gawroriska, "dass die Jugendlichen die jeweils andere Kultur und Sprache kennenlernen."

Ein praktischer Nebeneffekt dabei: Gegenseitige Vorurteile werden abgebaut. Denn "viele Eltern und Großeltern vermitteln den Heranwachsenden ihre Sicht auf die jeweils andere Seite", beschreibt die Polin. Dem wolle man über die Partnerschaft entgegenwirken und den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen zu machen. "Und viele tauschen ihre Handynummern aus, werden Freunde", weiß Simone Urbank. Und gerade wenn es um das Testen der Sinne geht, stellten die Schüler schnell fest, dass die Unterschiede zwischen ihnen gar nicht groß sind.

Vor jedem Schüleraustauschtag werden Listen in der Schule ausgelegt. Dort können sich die Schüler eintragen und freiwillig an den Austauschtagen mitmachen. 40 Plätze gibt es insgesamt jedes Mal. Ein "alter Hase" ist der 17-jährige Eric Lorenz. Er ist schon seit drei Jahren bei jeder deutsch-polnischen Begegnung dabei. "Einige kenne ich inzwischen schon länger", sagt er schmunzelnd. Größere Schwierigkeiten hat er heute an der Station von Mitarbeiterin Manuela Marschner. "Hier geht es um euren Sehsinn", erklärt sie. In dem Raum sind mehrere Apparaturen aufgebaut, die optische Täuschungen zeigen und knifflige Fragen zum Thema Sehen beantworten sollen. Die Schüler haben zunächst ihren eigenen Namen zu schreiben - und zwar so, dass er im Spiegel zu sehen ist. "Gar nicht so einfach", gibt Eric zu.

Die zwölfjährige Olga dagegen ist im großen Saal der Station Junger Naturforscher und Techniker unterwegs. Dort soll sie mit verbundenen Augen den eigenen Tastsinn testen. Sie läuft ohne Schuhe über einen Teppich, über Blätter, Stroh oder Plastik. "Ich bin das erste Mal dabei", erzählt sie, "und es macht mir Spaß." Vieles habe sie heute kennengelernt und der Pfad der Sinne will erst einmal erkundet sein.

So geht es auch den "Essenstestern" bei Markus Güttler. "Die Zitrone und die Salzstangen habt ihr erkannt", sagt er und fragt: "Aber was war das Dritte?" "Kohlrabi", wirft eines der Kinder ein. Ein anderes tippt auf Salat. "Naja, fast. Es ist Chicorée." Celine und Nancy müssen zugeben: "Darauf wären wir nie gekommen."

Beim nächsten Projekttag gehe es dann wieder nach Polen, verspricht Simone Urbank.