„Die Kreisräte kennen sich noch nicht gut genug. Dieses heutige Kennenlernen war sehr wichtig. Dort wo Leute miteinander ins Gespräch kommen, entwickeln sich neue Ideen“ , so Hanna Ilnicka im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Die stellvertretende Vorsitzende des Kreistages Zgorzelec hatte gemeinsam mit ihren Kollegen und den Abgeordneten des Kreistages des NOL an einer gemeinsamen Beratung teilgenommen, die im Erlichthof Rietschen endete. In zwei Arbeitsgruppen hatte man sich zum einen mit Themen der Wirtschaft, zum anderen mit dem Arbeiten und Lernen über Ländergrenzen beschäftigt. Zur zweiten Arbeitsgruppe gehörte auch Hanna Ilnicka. Sie hatte den Bad-Muskauer Pückler-Park besucht und sehr aufmerksam den Schilderungen über das deutsch-polnische Jugend- ABM-Projekt gelauscht. Und sie war sehr begeistert von dieser Arbeit, sagte sie. Dieses Projekt, so wurde es auch vonseiten des Landrates unterstützt, soll auch im Bereich Zgorzelec entwickelt werden. Schon entspann sich am Tisch eine Diskussion. „Bei deutsch-polnischen Projekten, von denen es ja viele in unserem Landkreis gibt, sollte man nicht unbedingt auf Quantität, sondern auf Qualität setzten“ , machte Kreisrat Peter Rossa aufmerksam. Hintergrund ist, das derzeitige Projekt im Park läuft gemeinsam mit dem Landkreis Zary. Es am Leben zu erhalten, bedarf allerhand Anstrengungen sowohl der deutschen als auch der polnischen Seite. Und so versteht Hanna Ilnicka den Einsatz der Zgorzelecer: „Auf polnischer Seite muss dafür eine größere Lobby geschaffen werden.“
„Ich habe unseren polnischen Gästen unsere kleinen Leuchttürme gezeigt, aber auch über unsere Probleme, wie zum Beispiel die hohe Arbeitslosigkeit, gesprochen“ , so Landrat Bernd Lange im Gespräch mit der RUNDSCHAU. So erfuhren die Teilnehmer in der Gemeinde Neißeaue, dass der gesamte Ort sein Abwasser im benachbarten Pienzk (Penzig) entsorgt.
Jetzt denkt man sogar über eine gemeinsame Wasserversorgung nach. Auch eine Zusammenarbeit im Energiesektor ist denkbar. Wichtig vor allem sei, so hieß es, dass die Neißebrücken gebaut werden. „Über die Brücke Deschka-Pienzk sprechen wir ja schon zwölf Jahre. Ebenfalls im Gespräch ist die Fußgängerbrücke in Rothenburg“ , so Lange.
Dass man die Neiße auch im Boot meistern kann, bewiesen Lange und sein Amtskollge Tyc, als sie sich in die Stromschnellen bei Rothenburg wagten.
Nicht nur beim Thema Brückenbau sitzen Deutsche und Polen gemeinsam in einem Boot, auch die Regionalplanung wird immer wichtiger, hieß es bei der gemeinsamen Beratung in Rietschen. „Es geht darum, dass beide Partner ihre Planungsunterlagen austauschen können. Es geht aber auch darum, dass die Unterlagen gelesen werden können“ , so Lange. Deshalb ist ein erstes Projekt auf den Weg gebracht, bei dem die Übersetzung der Planungspapiere gefördert wird.

Zum Thema Weitere Beratungen
  Der Landkreis Zgorzelec hat seine Grenze im Bereich Steinbach. Dann beginnt der Landkreis Zary. Eine gemeinsame Beratung auch mit diesem Kreistag ist künftig geplant.
Die Beratung mit dem Kreistag Zgorzelec geht im Frühjahr 2006 auf polnischer Seite weiter.
Ein gemeinsam verfasstes Protokoll soll nach der Sitzung aufzeigen, an welchen Punkten man weiterarbeitet, so Lange.