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| 22:08 Uhr

Mehrere Straßen gesperrt
Sagarer verzweifeln am Lkw-Verkehr

 Kein halber Meter Platz liegt zwischen Bernd Wagners Haus und der Sagarer Ortsdurchfahrt. Unzählige Lkw donnern Tag für Tag durch den Ort. Einen Fußweg gibt es nicht. Passanten sollten stets sprungbereit sein, empfiehlt Wagner.
Kein halber Meter Platz liegt zwischen Bernd Wagners Haus und der Sagarer Ortsdurchfahrt. Unzählige Lkw donnern Tag für Tag durch den Ort. Einen Fußweg gibt es nicht. Passanten sollten stets sprungbereit sein, empfiehlt Wagner. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Sagar. Wegen mehrerer Baustellen rollen sehr viele Autos zwischen Bad Muskau und Görlitz durch Sagar. Die marode Ortsdurchfahrt ist dafür gar nicht ausgelegt, sagt Anwohner Bernd Wagner. Jetzt ist Abhilfe in Sicht. Von Torsten Richter-Zippack

Hin und wieder muss Bernd Wagner seine Frau zur Bushaltestelle bringen. Geschätzte 100 Meter liegen zwischen seinem Haus unweit des nördlichen Ortseingangs von Sagar und dem Busstop. Eigentlich nichts Besonderes. Wäre da nicht die Skerbersdorfer Straße. Die Ortsdurchfahrt präsentiert sich an dieser Stelle nicht nur uneben, schmal  und ohne Fußweg, sondern derzeit auch extrem verkehrsreich.

„Kein Wunder“, sagt Bernd Wagner, „alle, die nach Polen wollen, müssen hier durch.“ Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen die gesperrte Straße zwischen Weißkeißel und Sagar, weil dort gerade ein neuer Kreisverkehr am Abzweig nach Polen gebaut wird. Zum anderen wegen der kürzlichen Sperrung der B 115 in Krauschwitz aufgrund der Verlegung mehrerer Medien für einen neuen Supermarkt.

So rollen insbesondere Lkw durch Sagar. Tankzüge, Sattelauflieger und immer wieder Holztransporter. Hinzu kommen der Verkehr von und zum nahen Truppenübungsplatz Oberlausitz, Busse und zahllose Pkw. „Für solch einen Verkehr, ich schätze um die 200 Lkw am Tag ab 4.30 Uhr morgens,  ist die Straße gar nicht ausgelegt“, sagt Wagner und verweist auf zerfahrene Bankette sowie tiefe Spurrillen in der Fahrbahn.

Wenn der Sagarer nun mit seiner Frau inklusive ihres Rollators zur Bushaltestelle muss, drohe Lebensgefahr. Zwischen der Hauswand und der Fahrbahn befinden sich keine 40 Zentimeter. Vor der Kurve bei Wagners weiß man nie, ob von vorn ebenfalls ein Lkw naht. Mal einfach zur Seite springen geht nicht.

Bislang galt vom Ortseingang Sagar aus Richtung Krauschwitz bis zum Abzweig nach Weißkeißel Tempo 50. Erst im weiteren Verlauf in Richtung Skerbersdorf folgt die 30er-Zone. „Das kann doch nicht wahr sein, dass die Autos in unserem kurvigen und unübersichtlichen Abschnitt mit 50 Sachen durchbrausen können“, schimpft Bernd Wagner. Zumal viele noch schneller fahren, wie der Sagarer immer wieder beobachtet.

 Eng auf eng geht es auf der Sagarer Umleitungsstrecke zu. Noch bis Ende Juni muss sich der starke Verkehr durch das Neißedorf quälen.
Eng auf eng geht es auf der Sagarer Umleitungsstrecke zu. Noch bis Ende Juni muss sich der starke Verkehr durch das Neißedorf quälen. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Inzwischen habe sein Haus Risse. „Durch die enorme Verkehrsbelastung“, glaubt Wagner. Um den Verkehr etwas abzubremsen, verschneidet der 77-Jährige nicht mehr seine Linde an der Straße „Dadurch müssen die Leute langsamer fahren“, lautet seine Begründung.

Der Anwohner hat sich inzwischen an das Krauschwitzer Ordnungsamt gewandt. Mehr noch: „Ich will den Bürgermeister anzeigen, da er bewusst die Zerstörung der Straße in Kauf nimmt.“ Gemeindeoberhaupt Rüdiger Mönch gibt zu, dass das Umleitungsproblem „lautstark“ ins Rathaus vorgedrungen sei.

Er sagt, dass die Beschilderung der Sagarer Umleitungsstrecke durch das Landratsamt auf 30 Stundenkilometer geändert wird. „Die Gemeinde hat sich von Beginn an für Tempo 30 in diesem Bereich eingesetzt“, sagt Mönch. Doch das sei zunächst abgelehnt worden. Daraufhin habe die Kommune den Anwohnern geraten, mit einer Unterschriftensammlung Druck auszuüben. Das sei aber nicht geschehen. Nach Angaben von Bernd Wagner sind zumindest bis zum gestrigen Dienstag die Tempo-30-Schilder noch nicht aufgestellt worden.

Der Protest der Sagarer gegen die starke Verkehrsbelastung wurde zum Monatswechsel Mai/Juni richtig laut. Denn ursprünglich sollten die Arbeiten am Grenzkreisel zwischen Sagar und Weißkeißel zum 31. Mai abgeschlossen sein. Allerdings gab es Verzögerungen beim Bau der Brücke über den Floßgraben, wie Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) informiert. „Die Arbeiten können deswegen erst Ende Juni mit vierwöchiger Verspätung fertiggestellt werden. Momentan laufen noch letzte Arbeiten an der Straßenausstattung, unter anderem werden die Bankette eingebaut, die Schutzplanken montiert, die Markierung auf- und die Beschilderung angebracht“, erklärt Siebert. Die Freigabe der neuen Straße mit neuem Kreisel erfolge demzufolge am 1. Juli. Zu diesem Zeitpunkt sei auch die Umleitung durch Sagar Geschichte.

Die im Zuge der Umleitung entstandenen Straßenschäden in Sagar sollen laut Siebert bis Ende Juli beseitigt werden. Indes rücke der Ausbau der Ortsdurchfahrt näher. „Sollte es im Jahr 2019 gelingen, das Baurecht, insbesondere den Grunderwerb, herzustellen, kann die Maßnahme für eines der kommenden Jahresbauprogramme angemeldet werden“, kündigt die Lasuv-Sprecherin an. Die Ortsdurchfahrt Sagar ist einer der ganz wenigen noch unsanierten Abschnitte auf der Verbindung zwischen Bad Muskau und Rothenburg (S 127).

Nach Angaben von Bernd Wagner wurde die bis dato sandgeschlemmte Straße Mitte der 1950er-Jahre mit Manneskraft befestigt. „Bis zur Wende hatte die Trasse ihre Aufgabe erfüllt. Seitdem donnern die Vierzigtonner durch unseren Ort und durch die jetzige Umleitung erheblich verstärkt. Kein Wunder also, dass die Straße jetzt so kaputt ist“, kommentiert Wagner. Und weiter: „Es wird höchste Zeit, dass hier etwas passiert.“