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| 20:14 Uhr

Weißkeißel
Geiselnehmer aus Asylbewerberunterkunft hat Erinnerungslücken

Symbolfoto: Für den Prozess sind drei Termine bis zum 7. Februar angesetzt.
Symbolfoto: Für den Prozess sind drei Termine bis zum 7. Februar angesetzt. FOTO: Franziska Kraufmann / dpa
Görlitz/Weißkeißel. Im Prozess um die Geiselnahme in einer Asylbewerberunterkunft in Weißkeißel hat der Angeklagte am Mittwoch von „Erinnerungslücken“ gesprochen. Er sei in einer „psychischen Ausnahmesituation“ gewesen, so sein Anwalt.

Der 32-jährige Familienvater aus dem Libanon hatte im August zunächst seine Frau, seine wenige Monate alte Tochter und den älteren Sohn mit Schlägen und Tritten misshandelt und in seine Gewalt gebracht. Dabei hat er laut Anklage dem Achtjährigen rund drei Stunden ein Messer und eine Glasscherbe an den Hals gehalten, ihn mit dem Tode bedroht und die Übergabe eines bestimmten Medikaments gefordert.

Nun ist es genau dieses Medikament, auf das sein Anwalt im Prozess verweist. Laut Radio Lausitz gab der Anwalt eine Erklärung ab, dass sich sein Mandat an nichts mehr erinnern könne. Nach einer Misshandlung in seiner Heimat leide er unter großen Schmerzen und sei auf ein Schmerzmittel angewiesen, das er zunächst auch in Deutschland bekam. Als sein Hausarzt allerdings im Urlaub war, habe er andere Medikamente nehmen müssen, die nicht halfen. Zusammen mit Alkohol habe dies zu einer „psychischen Ausnahmesituation“ geführt. Zudem sei sein Asylantrag abgelehnt worden. Er habe befürchtet, mit seiner Familie abgeschoben zu werden.

Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren, wie das Landgericht Görlitz mitteilte. Für die Verhandlung sind zunächst insgesamt drei Termine bis zum 7. Februar terminiert. Er war von einem Spezialeinsatzkommando überwältigt worden und sitzt seitdem in U-Haft.

(bob)