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| 09:15 Uhr

Gegner von Kupferabbau formieren sich

Yvonne Obst-Mantel (l.), Norbert Waschke und Karin Pavel haben ihre Initiative in der Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser vorgestellt. Die Weißwassers Stadträte Silko Hoffmann (Wir für Hier) und Bernd Frommelt (KJiK) hatten sie dazu eingeladen.
Yvonne Obst-Mantel (l.), Norbert Waschke und Karin Pavel haben ihre Initiative in der Station Junger Naturforscher und Techniker in Weißwasser vorgestellt. Die Weißwassers Stadträte Silko Hoffmann (Wir für Hier) und Bernd Frommelt (KJiK) hatten sie dazu eingeladen. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Seit mehreren Jahren schon sucht einer der weltweit größten Kupferproduzenten, die KGHM Polska Miedz, in der Lausitz nach Kupfer. Nun regt sich Widerstand: Eine Initiative will der Frage auf den Grund gehen, was nach der Suche kommt. Durch ein neues Verfahren könnte Kupfer mit Bakterien abgebaut werden. Dabei könne das Grundwasser verseucht werden. Die KGHM streitet ein solches jedoch Vorhaben ab. Christian Köhler

Zwischen Spremberg, Weißwasser und Görlitz befinden sich mehrere Naturschutzgebiete und Biosphärenreservate. Karin Pavel ist genau aus diesem Grund aus Westdeutschland an die Neiße gezogen. "Ich bin ein naturverbundener Mensch und ich spüre in mir eine Pflicht, diese zu erhalten", erklärt die freiberufliche Juristin. Sie hat sich der Initiative gegen Rohstoffpiraterie angeschlossen, um den Rohstoffabbau in der Lausitz kritisch zu begleiten.

"Die KGHM Kupfer AG hat im August 2015 die mit der Durchführung der Suchbohrung in der Umgebung von Deschka verbundenen Arbeiten beendet", erläutert KGHM-Vorsitzender Tomasz Postrozny. Insgesamt hatte das Unternehmen seit 2011 seismische Erkundungen und vier Bohrungen in Ostsachsen durchgeführt und dafür auch eine Genehmigung durch das sächsische Oberbergamt. Ziel der Erkundung war es, die Geologie sowie die Kupfervorkommen genauer zu untersuchen. "Die Proben aus dem gewonnenen Kern wurden an das zertifizierte Labor Akme in Kanada zur chemischen Analyse übergeben", berichtet Postrozny.

Die Initiative kann das nicht verstehen. "Warum werden die Untersuchungen nicht hier in Deutschland durchgeführt", fragt Karin Pavel. Sie deutet das Unternehmen als intransparent und vermutet weitreichendere Pläne: "Was kommt nach der Erkundung", fragt sie und richtet das Augenmerk auf ein neuartiges Verfahren zur Erzgewinnung.

Unter dem Begriff "Biomore" oder "Biomining" wird im Rahmen eines gut 80 Milliarden Euro schweren Grundlagenforschungsprogramms der EU ("Horizont 2020") ein Forschungsprojekt unterstützt, das sich mit dem Erzabbau mithilfe von genetisch veränderten Bakterien beschäftigt (siehe Interview unten). "Wir befürchten, dass die Lausitz ein Versuchslabor für Biomining wird", sagt die Sprecherin der Initiative. Ihre Recherchen haben ergeben, dass an dem Forschungsprojekt 22 Unternehmen, Institute und Universitäten teilnehmen. Immerhin, so mutmaßt die Initiative, werde viel Geld investiert und das soll sich schließlich auch in Gewinn auszahlen.

Doch das ist noch nicht alles: Damit die Bakterien mit ihrer Arbeit unter Tage beginnen können, befürchtet die Initiative ferner den Einsatz von Fracking. Unter dieser Technologie, so erläutert Prof. Dr. Carsten Drebenstedt von der TU Freiberg, versteht man ein Verfahren, bei dem "unter hohem Druck Flüssigkeiten ins Gestein gepumpt und so winzige Mikrorisse erzeugt werden." In den USA wird derzeit im enormen Maße gefrackt, allerdings geht es dort um die Gewinnung von Erdöl und Erdgas.

Sollte es zum Fracken zwischen Weißwasser und Görlitz kommen, könne es durchaus passieren, so Karin Pavel, dass das Trinkwasser irreparabel verseucht wird. "Immerhin liegt der Kupferschiefer bei uns in einer Tiefe zwischen 700 und 1500 Metern", so die Juristin. Mit Blick auf die Europäische Wasserscheide, die direkt durch die Region fließt, sei deshalb allergrößte Vorsicht geboten. Niemand könne bei diesem Verfahren größere Umweltschäden ausschließen. Daher lehnt die Initiative "Biomining" ab und fordert größtmögliche Transparenz bei Politik und KGHM.

KGHM-Vorsitzender Tomasz Postrozny erklärt auf RUNDSCHAU-Nachfrage, "dass die KGHM Kupfer AG auf dem Gebiet der vorhandenen Konzessionen keine Forschungen zur Biolaugung noch zum Fracking der Bohrung vorhat." Damit, so ließe sich schlussfolgern, schließt er zwar die Forschung aus, nicht jedoch eine spätere Nutzung der neuen Technologie. Tatsächlich, so lässt sich auf der offiziellen Internetseite des Forschungsprojektes "www.ecometals.org" erkennen, ist KGHM dort als Partner geführt. Das Unternehmen Ecometals, eine Einrichtung des Helmholz-Zentrums in Dresden, forscht an der Metallgewinnung mit "Biomining". Sven Schmitt, Sprecher des Zentrums, erklärt gegenüber der RUNDSCHAU, er könne zum Forschungsprozess selber aufgrund vertraglicher Vereinbarungen nichts sagen. Die Abbaugegner wiederum wundert das sicher nicht. "Wir befürchten, dass die Lausitz ein Versuchslabor für Biomining wird."

Kommentar: Kupfer - Chance und Risiko

KGHM Polska Miedz ist laut eigener Angaben größter Kupfer- und Silberförderer europaweit. In Polen sind 18 500 Mitarbeiter in drei Gruben und drei Hütten tätig.

Professor Drebenstein von der TU Freiberg bestätigt, dass sich die Platte, in der sich Kupfer befindet, von Großbritannien bis ans Schwarze Meer zieht. Die Kupfergegner erklären, dass der Kupfergehalt im Gestein unter der Lausitz zwischen einem und zwei Prozent beträgt. Genaue Angaben gibt es jedoch nicht.

Ob Kupfer in der Lausitz überhaupt abgebaut wird, ist offen.