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| 17:57 Uhr

Geschichte
Die Geheimnisse der Gablenzer Trinitatiskirche gelüftet

 Rudi Krahl vom Gemeindekirchenrat und Pfarrerin Miriam Arndt öffnen die Zeitkapsel der Gablenzer Trinitatiskirche. Alle sind gespannt, was sich in der Metallröhre verbirgt.
Rudi Krahl vom Gemeindekirchenrat und Pfarrerin Miriam Arndt öffnen die Zeitkapsel der Gablenzer Trinitatiskirche. Alle sind gespannt, was sich in der Metallröhre verbirgt. FOTO: Regina Weiß
Gablenz. Zeitkapsel der Gablenzer Trinitatiskirche: Der Gemeindekirchenrat hat die Turmkugel geöffnet. Darin befanden sich einige Schätze aus der Vergangenheit. Bald sollen noch ein paar Dinge von heute hinzu kommen. Von Regina Weiß

Ein Hauch von Geschichte zieht am Mittwochabend durch das Gablenzer Pfarramt. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Alte Sachen haben schließlich ihren eigenen Geruch. Noch dazu, wo die Geschichte 47 Jahre luftdicht verschlossen war.

Um so gespannter ist der Personenkreis, als Dieter Platzk zur Tat schreitet und die Zeitkapsel, die aus der Turmkugel der Trinitatiskirche stammt, öffnet. Der Gablenzer koordiniert im Auftrag des Gemeindekirchenrates die Arbeiten zur Sanierung des Gotteshauses. Der erste Bauabschnitt hat im April begonnen. Dabei geht es um den Turm.

Wer die Blicke am Gerüst nach oben wandern lässt, der hat festgestellt, dass oberhalb der Zwiebelhaube etwas fehlt. Turmkugel, Wetterfahne und Stern sind abgebaut worden. Aus der Turmkugel hat Dieter Platz besagte Zeitkapsel entnommen.

Turmkugel der Gablenzer Kirche als Zeitkapsel

1972 wurde die Gablenzer Kirche letztmalig umfangreich saniert. Gemeindeglieder und Junge Gemeinde halfen dabei. Damit werden Zeitzeugnisse aus diesem Jahr erwartet. Und so ist es auch.

 Neben der Lausitzer Rundschau vom 6. Mai 1972 finden sich in der Zeitkapsel der Gablenzer Trinitatiskirche Münzen und Die Neusten Nachrichten aus Weißwasser aus dem Jahr 1912.
Neben der Lausitzer Rundschau vom 6. Mai 1972 finden sich in der Zeitkapsel der Gablenzer Trinitatiskirche Münzen und Die Neusten Nachrichten aus Weißwasser aus dem Jahr 1912. FOTO: Regina Weiß

Als Pfarrerin Miriam Arndt und Rudi Krahl vom Gemeindekirchenrat den Inhalt der Zeitkapsel auspacken, kommt als erstes die Lausitzer Rundschau vom 6. Mai 1972 zum Vorschein. „Mit Schwung und Elan für die Verwirklichung all unserer Pläne“ lautet die große Schlagzeile auf Seite eins. Genosse Hermann Axen und Genosse Werner Walde sind nicht nur im Bild zu sehen, sondern kommen im Text zu Wort.

Apropos Bild. Jeder Handgriff von Arndt und Krahl wird in Fotos festgehalten. Wer den Fotoapparat nicht dabei hat, nimmt das Handy. Zu Hause wollen Bürgermeister Dietmar Noack (CDU), Gemeinderäte und Mitglieder des Gemeindekirchenrates zeigen, welche Schätze zu sehen sind.

Schätze in der Turmkugel der Gablenzer Trinitatiskirche

Dazu gehören auch Münzen aus der DDR- und der Kaiserzeit. Ein weiteres Fundstück ist eine Ausgabe der Neuesten Nachrichten für Weißwasser und die Kreise Rothenburg und Hoyerswerda vom 4. September 1912, ein Einwohnerverzeichnis aus dem Jahr 1911, ein Situationsbericht zur Kirchgemeinde aus dem Jahr 1972, die Geschichte des Kirchspiels von Adolf Aich aus dem Jahr 1909.

Doch das Ganze wird durch ein Papier getoppt, bei dem man die Schrift nur noch erahnen kann und das mit Pergament geschützt ist. Es stammt aus dem Jahr 1760. Rudi Krahl erinnert sich, dass der Kromlauer Karl Starus eine Abschrift und „Übersetzung“ dieses Papiers angefertigt hat. Dass das Original die ganze Zeit auf dem Dach der Kirche war, hat keiner geahnt. „Die waren echt mutig“, findet Miriam Arndt.

Was aus der Abschrift ersichtlich ist, dass es einen Kirchenbrand in Gablenz gegeben haben muss und dass durch den Muskauer Standesherren – damals von Callenberg – der Wiederaufbau der Kirche 1757 veranlasst worden war. Dieser dauerte bis 1759.

Dokumente sollen wieder in Turmkugel zurück

Die historischen Dokumente sollen wieder in ihre Zeitkapsel zurück. Eine zweite Schatulle soll von Gemeindekirchenrat und Gemeinde gefüllt werden. Gablenzer Dorfzeitung und Tageszeitung sowie Euros sind gesetzt. Bilder vom Dorfjubiläum und das Buch zum Gemeindegeburtstag stehen ebenfalls in Rede.

Doch alles muss recht handlich sein. Denn die Kugel des Kirchsturms hat nur eine überschaubare Öffnung. Diese ist übrigens ein ehemaliger Durchschuss aus dem Zweiten Weltkrieg.

Doch erst einmal sind die Handwerker gefragt. Sie müssen die Metallgegenstände genauer in Augenschein nehmen und sanieren. Die Kugel bekommt nach Absprache mit dem Denkmalschutz einen Goldring, Stern und Wetterfahne müssen überholt werden.

Anfang August kann das Wiederaussetzen voraussichtlich erfolgen. Danach soll der Kirchturm auch sofort wieder abgerüstet werden. Nicht das Unbekannte noch auf dumme Gedanken kommen...

 Rudi Krahl vom Gemeindekirchenrat und Pfarrerin Miriam Arndt öffnen die Zeitkapsel der Gablenzer Trinitatiskirche. Alle sind gespannt, was sich in der Metallröhre verbirgt.
Rudi Krahl vom Gemeindekirchenrat und Pfarrerin Miriam Arndt öffnen die Zeitkapsel der Gablenzer Trinitatiskirche. Alle sind gespannt, was sich in der Metallröhre verbirgt. FOTO: Regina Weiß
 Neben der Lausitzer Rundschau vom 6. Mai 1972 finden sich in der Zeitkapsel Münzen und Die Neusten Nachrichten aus Weißwasser aus dem Jahr 1912.
Neben der Lausitzer Rundschau vom 6. Mai 1972 finden sich in der Zeitkapsel Münzen und Die Neusten Nachrichten aus Weißwasser aus dem Jahr 1912. FOTO: Regina Weiß