| 16:39 Uhr

Zampern
Die Bürgerwehr droht mit dem Krückstock

Der Gablenzer Bernd Kaiser beim Tanz mit einer netten Schönen aus der Zampergesellschaft.
Der Gablenzer Bernd Kaiser beim Tanz mit einer netten Schönen aus der Zampergesellschaft. FOTO: Ingolf Tschätsch
Gablenz. Am Sonnabend ist ein Häuflein bunt Kostümierter mit Musik durch Gablenz gezogen. Zum 19. Mal in Folge wurde unter dem Hut des Oldtimervereins der freiwilligen Feuerwehr gezampert. Von Ingolf Tschätsch

Knapp minus acht Grad zeigt das Thermometer an diesem Sonnabendmorgen. Das kann echte Zamperfreunde wie die Gablenzer nicht abschrecken. Schon um 7 Uhr herrscht reges Treiben auf dem Bartelshof. Während einige im Mehrgenerationenhaus des Schrotholz­ensembles noch beim Frühstück sitzen, ziehen sich andere bereits um und schlüpfen in ihr Kostüm. Es herrscht ein ständiges Kommen. Draußen machen sich die Blasmusiker fertig für den Start, hantieren an ihren Instrumenten und lassen schon mal ein erstes Ständchen erklingen. Aus dem Lautsprecher auf dem Dach des Musik-Pkw erklingen flotte Rhythmen.

Maik Schuster hat alle Hände voll zu tun. Er und seine Leute vom Oldtimerverein der freiwilligen Feuerwehr haben sich den Hut aufgesetzt, damit der alte Brauch wieder über die Bühne gehen kann. „Heute wird in Gablenz zum 19. Mal gezampert. Wir laufen in zwei Gruppen durch das Dorf, die eine in Richtung Sagoinza, die andere in Richtung Siedlung. Gegen 17 Uhr treffen sich beide Gruppen traditionsgemäß bei Norbert Thorausch an der Schulstraße, wo es die leckeren Häckerlestullen gibt. Deshalb hat sich dafür der Begriff Häcklerle-Schänke eingebürgert. Von dort geht es zurück zum Startpunkt auf dem Bartelshof, wo das Zampern mit einem Essen der eingesammelten und zubereiteten Eier seinen Abschluss findet“, erklärt Schuster.

Und dann geht es auch schon los. Ein Pulk von rund 30 Leuten setzt sich in Bewegung. Im Tross befinden sich originell kostümierte Figuren, die zu diesem sorbischen Brauch gehören, mit dem der Winter vertrieben werden soll: Eierfrau, Bär, Polizist, die Teufelsgeige, die Schenker, die Alten, Jäger, Schornsteinfeger, Clowns usw. Karin Krahl hat sich in ein altes Weib verwandelt und schiebt einen Rollator vor sich her, an dem der Schriftzug „Bürgerwehr Gablenz“ prangt. Dazu droht sie mit dem Krückstock und schaltet die blaue Rundum-Leuchte am Gefährt ein. „Ein Hinweis auf den Fachkräftemangel. Nun müssen es halt die Alten richten. Nach dem Grundsatz, je oller, desto doller“, meint die Ulknudel lachend zu ihrem Aufzug. Dabei macht die humoristische Verkleidung auf einen gar nicht so spaßigen Umstand aufmerksam - die steigende Zahl von Einbrüchen und Diebstählen in der Gemeinde und Umgebung.

Die Truppe klingelt an den Haustüren und bittet um Gaben wie Geld, Eier und Speck. Die Einwohner zeigen sich spendabel. Eines der ersten Grundstücke, das die Zampergesellschaft aufsucht, ist das von Bernd Kaiser an der Schulstraße. Für seine Spendenbereitschaft wird der Hausherr mit einem Tänzchen mit einer netten Schönen belohnt.

Das eingesammelte Geld wird für den Zamperball am kommenden Sonnabend (17. Februar) um 19 Uhr, Einlass 18 Uhr, in der Turnhalle und den schon am Freitag um 16 Uhr stattfindenden Kinderfasching an gleicher Stelle verwendet. So haben alle etwas davon.