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| 15:59 Uhr

Umsiedlung bisher fehlgeschlagen
Problem-Biber macht Gablenzern zu schaffen

 Die Spuren des Bibers sind an der Räderschnitza entlang der Dorfstraße in Gablenz deutlich sichtbar.
Die Spuren des Bibers sind an der Räderschnitza entlang der Dorfstraße in Gablenz deutlich sichtbar. FOTO: Tobias Budach
Gablenz. Der Gablenzer Biber scheint sich festgesetzt zu haben. Beim Bürgermeister wächst die Sorge, was das für Folgen haben kann. Von Regina Weiß

Da denkt doch der Bad Muskauer Bürgermeister, der Gablenzer Biber ist ins Gelände der Parkstadt umgesiedelt. Denn dort hat das Nagetier im Lauf der Räderschnitza eifrig Dämme gebaut. Doch es ist ein anderer Biber, der dort sein Revier hat. Denn der Gablenzer ist dem Dorf erhalten geblieben, obwohl einiges unternommen wurde, um ihn umzuquartieren.

Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) macht das große Sorgen. „Ich kann in einem Gewässer zweiter Ordnung keine Dämme dulden. Ich übernehme keine Verantwortung“, so der Gemeindechef. Und meint damit die mögliche Gefahr von Überschwemmungen, dem Rückstau bei biologischen Kleinkläranlagen, Unterhöhlungen etc. Für Noack gibt es nur eine Lösung: Das Tier muss weg. Das Problem habe er auch dem Landrat so mitgeteilt. Er habe in dem Gespräch auch darauf verwiesen, dass zum Beispiel in Brandenburg und Bayern Problemtiere solcher Art geschossen werden dürfen. „Das Tier muss aus dem Ortskern verschwinden“, untermauert Noack noch einmal ausdrücklich.

Doch dann müsse im Rahmen der Gesetze gehandelt werden, ist für Gemeinderat Frank Hoffmann wichtig. „Wir brauchen eine Lösung im Sinne des Tieres. Es steht schließlich auf der Roten Liste. Wir müssen den richtigen Werdegang einhalten.“

Diese Möglichkeiten sind nach Ansicht von Ratsmann Uwe Horbaschk ausgeschöpft. Er selbst ist als Grundstückseigentümer an Kieschnicks Lusche (ein kleiner Teich an der Räderschnitza) besonders betroffen. Die ganze Zeit war ihm die Unterstützung des Landkreises als Unterere Naturschutzbehörde sicher. „Doch wir haben die Rechnung ohne den Biber gemacht“, so Horbaschk weiter. In den letzten zwei Jahren hat das Säugetier dafür gesorgt, dass 50 Quadratmeter Grundstück unpassierbar sind. Stellen sind unterhöhlt. Teilweise wurden meterlange Röhren gegraben. Zudem hat der Biber Spuren an 14 Bäumen auf dem Areal hinterlassen. Andere sind gerettet worden, weil sie umzäunt wurden. Auch Uwe Hobarschk hatte zwischenzeitlich gehofft, dass das Tier freiwillig in andere Gefilde ausgewichen war. „Es war einige Zeit wirklich Ruhe.“ Doch eine Wildkamera zeigte, dass der Biber Junge bekommen hatte. Zwei Stück waren auf den Bildern auszumachen.

Vorher waren sämtliche Versuche, das Tier zu entnehmen, also einzufangen, fehlgeschlagen. „Mehrfach waren Fallen vor Ort“, erklärt der Gablenzer Ratsmann. Doch am Ende hatte nicht der Biber drin gesessen, dafür aber einmal eine Katze.

So ist derzeit der Stand der Dinge, der keinen richtig zufriedenstellt. Auch Kay Sbrzesny vom Landschaftspflegeverband Oberlausitz, sagt zum Gablenzer Biber, dass der etwas außerhalb der Norm laufe. Seit Mai 2018 gibt es das Artenschutzprojekt „Biberbetreuung im Landkreis Görlitz“, das in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Görlitz und dem Landschaftspflegeverband Oberlausitz läuft. „Wir können aber nur Empfehlungen geben“, stellt Sbrzesny vom Verband klar. Auch wenn man vor Ort war und sich alles angesehen habe, sei immer die Naturschutzbehörde der richtige Ansprechpartner.

Die erklärt auf Nachfrage der RUNDSCHAU, dass ihr keine neuen Anfragen oder Anträge der Gemeinde Gablenz vorliegen. „Diese wären allerdings Voraussetzung für die Genehmigung zum Herausdrängen von Bibern aus der Räderschnitza innerhalb des bebauten Dorfgebietes“, so erklärt es die Kreissprecherin.

Wie viele Biber genau im Landkreis Görlitz leben, lässt sich aufgrund der verborgenen Lebensweise nur sehr schwer feststellen. Es lassen sich aber Biberreviere abgrenzen, in denen mindestens ein Tier, meist jedoch ein Paar samt Nachwuchs lebt. Laut Landschaftspflegeverband „Oberlausitz“  sind im Landkreis 63 Reviere erfasst (ohne das Biosphärenreservat). 33 davon waren 2018 besetzt oder sind neu hinzugekommen. Das kreisweit älteste Revier befindet sich in Zodel. Dort ist der Biber seit 1999 nachgewiesen.

Biber sorgen nicht nur in Gablenz für Aufsehen. So ist einer schon durch Niesky marschiert und die Tiere sind mehrfach in Görlitz gesichtet worden. Das ging soweit, dass die Polizei einen Biber in Not aus dem Geländer der Altstadtbrücke retten musste.

Seit 2015 hält der Biber dem Dorf Gablenz die Treue. Es fing mit Dämmen in der Feldflur und Überschwemmungen derselben an. Im Herbst 2016 sorgten die von den Tieren gebauten Staudämme dafür, dass die Fließgeschwindigkeit der Räderschnitza gegen null tendierte.