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Problemwolf
Gablenzer beklagen mangelnde Informationen

Rund 25 Interessierte verfolgen in Gablenz die neueste Entwicklung bei den Lausitzer Wölfen mit. Eberhard Pürschel (r.) fordert das Kontaktbüro auf, endlich mal zu sagen, wo die Region im Umgang mit den Wölfen tatsächlich steht.
Rund 25 Interessierte verfolgen in Gablenz die neueste Entwicklung bei den Lausitzer Wölfen mit. Eberhard Pürschel (r.) fordert das Kontaktbüro auf, endlich mal zu sagen, wo die Region im Umgang mit den Wölfen tatsächlich steht. FOTO: Richter-Zippack
Gablenz. In der Lausitz wächst der Frust auf Wölfe. Besonders der Umgang der offiziellen Stellen mit dem jüngsten Problemtier in Weißkeißel stößt bei den Bürgern auf harsche Kritik. Von Torsten Richter-Zippack

„Erst dachte ich, es wäre ein Hund. Doch dann habe ich genau hingeschaut. So hat sich der vermeintliche Hund als Wolf entpuppt“, ist sich Reiner Bahlo ganz sicher. Der Isegrim sei erst vor Kurzem ganz nahe an Bahlos Grundstück in Gablenz vorbeigelaufen. Das Tier habe dabei ziemlich lädiert ausgesehen, erinnert sich der Gablenzer. „Räudig eben“. Bahlo ist sich ganz sicher, dass es sich um den Problemwolf handelte, der seit Ende Dezember mehrfach in verschiedenen Orten um Weißwasser, insbesondere in Weißkeißel, präsent war und mehrere Hunde auf dem Gewissen hat.

Am 2. Februar wurde das Tier, das an der Räude, einer Hauterkrankung litt, gestreckt. Über die näheren Umstände schweigt sich das Görlitzer Landratsamt trotz mehrfacher RUNDSCHAU-Nachfragen aus. In Obhut der Behörde steht das „Kontaktbüro Wölfe in Sachsen“, dessen Mitarbeiter über die Raubtiere aufklären sollen.

Doch während einer Informationsveranstaltung in Gablenz sind viele Bürger frustriert. Sie fühlen sich im Stich gelassen. Wie eben Reiner Bahlo: „Das erste Info-Flugblatt des Kontaktbüros ist erst 14 Tage nach den ersten Vorfällen bezüglich des Problemwolfes erschienen“, schimpft er. So sei viel Raum für Gerüchte und Mutmaßungen gewesen. Zudem, so kritisiert Reiner Bahlo, habe es kein Erläuterungen gegeben, wie mit dem Problemwolf weiter verfahren werden soll.

Auch weitere Gablenzer sind während der Infoveranstaltung des Kontaktbüros im Gemeindesaal ungehalten. Beispielsweise Eberhard Pürschel. Der ehemalige Jäger  merkt an, dass vonseiten des Kontaktbüros immer behauptet werde, dass die Wölfe bei der Sichtung von Menschen stets zügig weglaufen würden. „Das ist aber nicht so. Das als Weißkeißeler Wolf bekannt gewordene Tier ist bis in die Ortschaften gekommen. Tagsüber wohlgemerkt. Erst jetzt hat das Kontaktbüro ein bisschen mehr Risiko zugegeben.“ Pürschel fordert, dass die Leute die Wölfe erziehen sollten. Etwa durch den Beschuss mit Gummigeschossen. „Damit sie abhauen, wenn Menschen in der Nähe sind“, lautet die Begründung des 80-Jährigen.

Philipp Kob, eigenen Angaben zufolge Forstwissenschaftler und seit Jahresbeginn Mitarbeiter des Kontaktbüros, verweist in seinen Ausführungen immer wieder auf den amtlichen sächsischen Wolfsmanagementplan. Dort stehe schwarz und weiß, wie mit auffälligen Wölfen, den Problemwölfen, umgegangen werden soll. Darin heißt es, dass solche Tiere durch erfahrene Personen oder vom jeweiligen Wolfsbeauftragten in Abstimmung mit dem Umweltministerium in Dresden entnommen werden sollen. An dem Begriff „entnommen“ stören sich ebenfalls mehrere Gablenzer. „Warum verbiegen Sie sich so mit diesem Begriff? Der Wolf ist doch getötet worden. Weshalb wird es dann nicht auch so gesagt?“, moniert sich ein Gast der Infoveranstaltung. Die Antwort von Philipp Kob: „Das ist eine Grundsatzfrage. Dazu sage ich nichts.“

Ebenfalls auf Frust stößt bei den Leuten die Empfehlung des Kontaktbüros, Hunde und Katzen zu beaufsichtigen und diese über Nacht möglichst im Haus unterzubringen. „Wir halten ja unsere Hunde extra zur Bewachung der Grundstücke. Und wie soll ich ganztags auf meine frei laufenden Katzen aufpassen?“, fragt ein weiterer Bürger.

Philipp Kob verweist in diesem Zusammenhang auf einen anhaltenden Lernprozess im Zuge der Wiederbesiedlung des Wolfes, von dem auch sein Büro nicht ausgenommen sei. Der 28-jährige Oberlausitzer habe selbst einen Hund. Mit diesem sei der Forstexperte immer an der Leine unterwegs. Und nachts lebe das Tier im Zwinger.

Stichwort Problemwölfe: In Sachsen seien derzeit zwei solcher Fälle bekannt. Das Weißkeißeler Exemplar wurde laut Görlitzer Landrats­amt Anfang Februar entnommen. Wolf „Pumpak“, der sich Ende 2016 in und um Rietschen herumtrieb, sei seit der Abschussgenehmigung scheinbar spurlos verschwunden.

Obwohl der Weißkeißeler Problemwolf seit einer Woche tot ist, sorgt er nach wie vor für reichlich Gesprächsstoff und Emotionen. Dem ist sich auch der Vorsitzende des Gablenzer Umweltausschusses, Uwe Horbaschk, bewusst. Vor Beginn der Veranstaltung kündigt er für den Fall an, dass diese aus dem Ruder laufe, sie umgehend abzubrechen. Diese Option muss an diesem Tag nicht gezogen werden. Trotz lauter Stimmen und mancher hochroter Köpfe bleibt es im Saal friedlich.