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| 17:28 Uhr

Sicherheit
Gablenz will Sicherheitsgefühl stärken

Die Nacht verschluckt sie: Vergleichsweise oft schlagen Einbrecher und Diebe  in der Dunkelheit zu. Die Gablenzer wollen diesen jetzt die Tour  durch mehr Licht in der Nacht vermasseln.
Die Nacht verschluckt sie: Vergleichsweise oft schlagen Einbrecher und Diebe in der Dunkelheit zu. Die Gablenzer wollen diesen jetzt die Tour durch mehr Licht in der Nacht vermasseln. FOTO: www.nicht-bei-mir.de
Gablenz. Die Gemeinde Gablenz will eine Menge Geld in die Hand nehmen und rund 300 Straßenlampen in beiden Ortsteilen auf LED umstellen. Dann sollen die Energie sparenden Lampen die ganze Nacht an bleiben und hoffentlich Diebe aufhalten. Von Gabi Nitsche

Wenn nachts Verbrecher und Diebe durch die Orte schleichen, Autos klauen, in Grundstücke einbrechen, dann beschleicht auch die Einwohner ein sehr ungutes Gefühl. „Wir wollen die Bürger wieder durchschlafen lassen und ihnen zumindest ein Gefühl von mehr Sicherheit geben“, sagte Bürgermeister Dietmar Noack Montagabend in Gablenz. „Der Bauausschuss schlägt vor, sämtliche Straßenlampen in beiden Orten auf LED umzustellen und dann die ganze Nacht durchbrennen zu lassen.“ Denn eins sei Fakt: „Bevor die Grenzen dicht gemacht werden, braucht es einen großen Gipfel“, so der CDU-Mann. Und er setzte seiner Kritik noch eins drauf und sagte: „Wir zahlen viele Steuergelder. Jeder von uns, der eine mehr, der andre weniger. Eigentlich ist es Aufgabe des Staates, uns zu schützen. Jetzt nehmen wir das Geld in die Hand.“

Über den Daumen gepeilt würden das bei 300 Leuchten zwischen 30 000 und 40 000 Euro sein, schätzt Noack. Ob alle Lampen in Kromlau und Gablenz umstellbar sind, müsse noch geschaut werden. „Das ist unser Beitrag zur Sicherheit der Bürger. Das sind wir ihnen schuldig“, sagte der Gemeindechef im Brustton der Überzeugung. „Wir sind zum Selbstbedienungsladen geworden. Jeder kommt und nimmt sich, was er braucht. So geht das nicht!“ Ewige Zeiten habe er nachts keine Käuzchen gehört, jetzt wohl. Ein Zeichen, dass auch die Tiere bemerken, wenn da jemand unterwegs ist, glaubt Noack. Erst vor einer Woche hatte es in Gablenz erneut einen versuchten Autodiebstahl gegeben. Die ungebetenen „Gäste“ wurden gestört, ließen die Finger davon. Niemand weiß jedoch, ob sie nicht doch wiederkommen.

Bei den Räten fand der Bürgermeister volle Unterstützung. Auch wenn es erst einmal teuer ist für die Kommune, sei er dafür, sagte Norbert Thorausch. Er habe die Hoffnung, dass die Situation mit den Diebstählen nicht in zehn Jahren noch so ist.

Selbst wenn derzeit im Haushalt das Geld für diese Aktion nicht eingestellt ist, lassen sich die Gablenzer nicht mehr aufhalten. Rackel kündigte an, die notwendige Summe umzuschichten. „Wir sollten es nicht auf die lange Bank schieben, sondern umgehend handeln“, forderte dieser.

Dietmar Noack: „Die Leute können nicht mehr richtig schlafen. Die Versicherungseinstufungen steigen, oder es wird beim nächsten Diebstahl nichts mehr gezahlt. Das alles geht den Menschen an die Nerven und schadet ihrer Gesundheit.“

Die bereits umgestellten LED-Lampen sollten doch ab sofort die ganze Nacht angeschaltet bleiben, schlug Ratsmitglied Dirk Thorausch vor. Gemeinderat Uwe Horbaschk, im Berufsleben Leiter des Polizeireviers Weißwasser, stimmte der Lampenumstellung ebenso zu. In anderen Kommunen würden die Lampen schon durchgängig an sein, wenn es dunkel ist.

Horbaschk appellierte, jeder möge Augen und Ohren aufsperren und sofort die Polizei verständigen, wenn er etwas bemerkt. Ob es nun Personen- oder Fahrzeugbewegungen sind. Denn überall könnten die Beamten ja nicht sein. Bürgermeister Noack schlug ihm vor, dass die Polizei die aus dem Nachbarland überprüfen sollte, die die Zettel mit Hinweisen zu kostenfreien Altstoffsammlungen verteilen. Noack könne sich gut vorstellen, dass auf diese Art und Weise die Grundstücke ausspioniert werden.

Der Gemeinderat fasste einstimmig einen Grundsatzbeschluss, sodass Dietmar Noack sich schon Dienstag nach Angeboten umhören wollte. Wenn die vorliegen, soll bei einer Sonder-Ratssitzung in einigen Tagen der Auftrag für die Umstellung vergeben werden.

Bei einem Unternehmerstammtisch vor Kurzem in Weißwasser ging es genau um dieses Thema. Polizeipräsident Torsten Schultze hatte deutlich gemacht, dass zwar Straftaten und Eigentumsdelikte nach den absoluten Zahlen geurteilt rückläufig seien. „Aber: Die Statistik bringt gar nichts, wenn die Leute Angst haben um das, was sie sich geschaffen haben.“ Stark zugenommen haben eben Auto- und Fahrraddiebstähle. Wenn 2016 „nur“ 57 Fahrzeuge im Zuständigkeitsbereich des Weißwasseraner Polizeireviers gestohlen worden waren, waren es bis Ende 2017 mindestens doppelt so viel, so Uwe Horbaschk.

„Wir haben hier eine Lage, und die nehmen wir ernst.“ Die Polizei sei erfolgreich, gestohlene Fahrzeuge auf Autobahnen festzustellen. Darüber werde fast täglich berichtet. Aber hier, zum Beispiel mit Blick auf die Grenzbrücke Krauschwitz, sei das schwer. Die Brücke sei so breit, die Fahrer kämen, oftmals auch unter Drogeneinfluss, angerast, man könne diese kaum zumachen. Man habe es mit Bandenstrukturen aus Polen zu tun, zu denen auch Deutsche gehören. Um ihre Sucht zu befriedigen, würden diese auch das Leben Unschuldiger in Kauf nehmen, machte der PD-Präsident klar. „Wir werden ganz klar bandenmäßig aufgeklärt. Wenn wir mit den Brandenburger Kollegen Maßnahmen machen, sind wir bereits aufgeklärt“, deutete Schultze an. Ohne die Zusammenarbeit der Soko Kfz mit der polnischen Polizei gehe es nicht. „Wir profitieren davon, Bandenstrukturen aufzuhellen.“ Anders als in Deutschland frage in Polen niemand danach, ob die Polizei Telefongespräche abhört und so weiter. Schultze sei guter Dinge, was die Kooperation mit den Kollegen im Lubaner Land angehe. So lange es ein Wohlstandsgefälle gibt, werde geklaut. Und wenn dann noch die eigene Bequemlichkeit den Dieben in die Hände spielt, sollte man das vermeiden, rät Revierleiter Uwe Horbaschk. Stichworte Vorsichtiger Nachbar, Bürgerpolizist ansprechen, Licht anlassen, Fahrzeuge so gut es geht sichern.

Polizeipräsident Torsten Schultze: „Das alles entbindet uns als Polizisten nicht von unseren Pflichten.“ Aber um erfolgreicher zu sein, braucht es unbedingt die Bürgerhinweise. Denn 90 Prozent der Fälle würden über diese geklärt: „Wenn die Leute nicht mitmachen, ihr Vertrauen in den Wert der öffentlichen Sicherheit verlieren – das geht gar nicht“, so der PD-Chef.  Nur zu sagen, Eigentum verpflichtet, könne nicht das Credo sein.

Als Polizist, so Schultze im Kreise der Unternehmer, wünsche er sich alle nur denkbaren Möglichkeiten der Überwachung. „Ich glaube aber nicht, dass das die Gesellschaft will“, bleibt dieser realistisch. Straftaten aufzuklären, „das ist weniger eine Frage der Ressourcen, sondern des Jagdtriebes. Wir wissen, sie sind da, wollen es aufhellen.“