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Fußballidol "Ede" hält in Weißwasser den Ball flach

Fußballidol Eduard "Ede" Geyer (r.) im Gespräch mit Radio-WSW-Moderator Frank Budszuhn.
Fußballidol Eduard "Ede" Geyer (r.) im Gespräch mit Radio-WSW-Moderator Frank Budszuhn. FOTO: trt
Weißwasser. Eduard "Ede" Geyer zieht immer. Bis auf den wirklich allerletzten Platz gefüllt ist der Festsaal der Weißwasseraner Stadtbibliothek, als das Fußballidol über sein Leben und vor allem sein neues Buch "Einwürfe" berichtet. trt

Rund 14 Gäste wollen hören, was der inzwischen 71-Jährige über seine Erlebnisse auf und neben den Fußballplätzen der Republik zu sagen hat. Doch stattdessen beginnt Geyer mit einem anderen Thema, das die Weißwasseraner Herzen höher schlagen lässt.

"Ich bin absoluter Eishockey-Fan", bekennt der Sportsmann. Schon zu DDR-Zeiten habe er stets zu den Füchsen gehalten, die sich damals häufig mit den Berlinern duellierten. Unbedingt wolle sich Geyer, so kündigt er an, die neue Eishalle mal anschauen. Bislang sei er nicht dazu gekommen. Sicher auch dem Umstand geschuldet, dass die Glasmacherstadt eine geografisch ziemlich ungünstige Lage habe. Man könne auch sagen, "am Arsch der Welt". Ede Geyer, wie er leibt und lebt. "Es ist gut, jemanden klipp und klar seine Meinung mitzuteilen", stellt der Fußballtrainer gleich zu Beginn seiner Lesung klar. Um sodann mit einem Vergleich zur Tour de France nachzulegen: "Mit ,Fahr‘ du Sau‘ werden dort manche Fahrer von ihren Trainern angefeuert. Die Sportler sollen natürlich nicht beleidigt, sondern angespornt werden, ihr Bestes zu geben." Gleichzeitig bekennt Eduard Geyer, mit geschätzten 95Prozent seiner Fußballspieler nie ein Problem gehabt zu haben. Und dass, obwohl er bis heute als "harter Hund" gelte.

Geyer selbst war in den Jahren von 1954 bis 1975 als Kicker aktiv, insbesondere für seinen Heimatverein, die SG Dynamo Dresden. Auf seinem Konto für die Elbflorenzer stehen 90Oberliga-Partien mit sechs erzielten Toren. Gespielt wurde früher während des ganzen Jahres. Deshalb könne Eduard Geyer die jüngste Spielabsage des Chemnitzer FC gegen seinen früheren Verein Energie Cottbus aufgrund des vereisten Platzes nur schwer nachvollziehen. "Wir haben mit Dresden mal gegen Aktivist Zwickau gespielt. Da lagen 30bis 35 Zentimeter Schnee auf dem Platz. Und niemand kam auf die Idee, deswegen herumzujammern." Zudem hätte das bundesdeutsche System im Zuge der Wiedervereinigung, die Geyer als "Übernahme" bezeichnete, die Vorzüge des DDR-Leistungssports kopieren sollen. "Wir waren zwar nicht im Fußball super, dafür aber in der Leichtathletik und im Schwimmen. Heute muss man dagegen aufpassen, dass kein Schwimmer ertrinkt."

Natürlich darf während des vergnüglichen Abends in der Weißwasseraner Stadtbibliothek auch das Kapitel Energie Cottbus fehlen. "Schauen Sie in mein Gesicht", fordert der Ex-Trainer seine Zuschauer auf. "Die kommen alle von Energie." Und angesprochen zur heutigen Situation der Rot-Weißen merkt "Ede" an: "Die aktuelle Lage ist nicht gerade sonnig. Die Kicker müssen schnell ein paar Dreier machen, um sich im Tabellenmittelfeld zu etablieren." Also den Ball schön flach halten. Und noch was: "Der Abstieg in die 3. Liga war eigentlich völlig unnötig." Für Dynamo Dresden sagt "Ede" Geyer dagegen den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga voraus.

Vielleicht werden die Weißwasseraner Erzeugnisse gut gefüllt spätestens dann wieder klingen, wenn Geyers Heimatverein Dynamo Dresden den Sprung in die 2. Liga geschafft hat.