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Fürst Pückler fühlte sich als Muskauer Wende

Forscher Werner Meschkank präsentiert hier eine neue Broschüre, in der er seine Erkenntnisse zu Pückler und den Sorben/Wenden festgehalten hat. Das Werk ist für zehn Euro erhältlich.
Forscher Werner Meschkank präsentiert hier eine neue Broschüre, in der er seine Erkenntnisse zu Pückler und den Sorben/Wenden festgehalten hat. Das Werk ist für zehn Euro erhältlich. FOTO: amz1
Bad Muskau. "Da ich nämlich auch ein geborner Wende bin", lautet eines der bekannteren Zitate des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau (1785 – 1871), dem Begründer des berühmten Landschaftsparks. amz1

Gefunden hat diesen Ausspruch der Kurator des Wendischen Museums in Cottbus, Werner Meschkank. Und zwar im Briefverkehr des Fürsten mit der Gräfin Ida von Hahn-Hahn, einer Adligen aus Norddeutschland. Im Jahr 1845, so hat Meschkank recherchiert, schrieb von Hahn-Hahn nach Muskau, dass sie aus dem "alten Wendenland Mecklenburg" stamme. Woraufhin Pückler freudig erwiderte, dass er "ein geborner Wende" sei.

Dieser Ausspruch hat bei Werner Meschkank den Forschergeist entfacht. Der mütterlicherseits aus dem Schleifschen Kirchspiel stammende Sorbe durchstöberte Archive, las sich in die Pücklerschen Korrespondenzen ein und fand Erstaunliches heraus. Dass der Gartenfürst sorbische/wendische Wurzeln hat, sei demnach gar nichts Ungewöhnliches. "Eigentlich jeder, der aus der Gegend östlich von Elbe und Saale kommt, sollte in seinem Stammbaum irgendwo auf slawische Spuren stoßen", erklärte Meschkank während eines Vortrages in der Muskauer Turmvilla. Der Forscher vermutet sogar, dass Hermann von Pückler die westslawische Sprache ziemlich gut verstanden haben müsse. So habe der junge Pückler bereits von seinem Kindermädchen eine Menge Wörter und Sätze aufgeschnappt. Schließlich war die Landbevölkerung von Muskau und Umgebung zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert großteils sorbisch/wendisch geprägt. Die meisten verstanden gar kein Deutsch.

Als Pückler im Jahr 1828 auf einer längeren Reise in Großbritannien und Irland weilte, erinnerte er sich erneut seiner slawischen Wurzeln. In den Briefen, die an den heimatlichen Hof gerichtet waren, heißt es unter anderem, dass das irische und das wendische Volk erstaunlich viele Gemeinsamkeiten besäßen. So lebten beide vorwiegend von Kartoffeln, mögen Dudelsackmusik, seien melancholisch veranlagt und gingen gern zerlumpt durchs Leben.

Bereits Pücklers Großvater, Reichsgraf von Callenberg (1745 - 1795), soll, so Werner Meschkank, fließend Sorbisch/Wendisch gesprochen haben. Von Callenberg habe sogar eine sorbische Motette komponiert.

Hermann von Pückler bezog auch gezielt wendische Elemente in seine Muskauer Parkgestaltung ein. Beispielsweise die Doppeleichen, die von verliebten Paaren auf den Neiße-Wiesen gepflanzt worden waren. Gediehen die Bäume, so der Glaube, halte die Beziehung ein Leben lang. Oder diverse Baumgruppen. Diese stammten von Muskauer Familien. Jedes Mal, wenn ein Kind geboren wurde, pflanzte der Vater einen Baum. Bis heute haben sich Teile dieser grünen Ensembles im Park erhalten.

Allerdings, und das stellte Werner Meschkank ganz deutlich klar, habe der Fürst keinen Hehl aus seiner Absicht gemacht, dass die Muskauer Bevölkerung eingedeutscht werden müsse. Aus dem Städtchen seien insgesamt vier Sprachverbote für Kirche und Schule nachgewiesen. Eines davon gehe höchst selbst auf den Parkschöpfer zurück. Dies sei jedoch keine böse Absicht gewesen. Vielmehr wollte der Fürst den einfachen Leuten helfen. "Damals herrschte die Auffassung vor, dass nur derjenige etwas werden könne, der das Deutsche beherrscht", erklärt der Forscher. Heute spreche in und um Muskau kaum noch jemand als Muttersprachler das Sorbische/Wendische. Ebenso sei die Muskauer Tracht längst in den Truhen verschwunden. Und dennoch hätten die meisten Einheimischen, genauso wie der berühmte Fürst, wendische Wurzeln, auf die sie stolz sein könnten.